60 Menschen zwischen 4 und 75 Jahren, davon 23 Peruaner*innen, 12 (ehemalige) Freiwillige, 20, die zum ersten Mal, und 14, die schon mehr als zehnmal dabei waren:
Das war die bunte Mischung der Teilnehmer*innen auf dem diesjährigen Peru-Seminar Anfang Mai in Köln. „Peruanische Wege zu Demokratie und gerechter Bildung“ war das Thema, dem wir uns von vielen verschiedenen Seiten näherten. Wie immer begannen wir mit Informationen und Einschätzungen zur aktuellen politischen Lage: Unser Gast aus Lima, Rómulo Torres vom Forum Solidaridad Perú, ging im Gespräch mit César Bazán Seminario vom Vorstand der Infostelle auf viele Fragen rund um den Antikorruptionskampf, die Situation der politischen Parteien und die neokonservativen Strömungen nicht nur in Peru ein. Ermutigend fand Rómulo Torres, dass auch wenige Menschen viel erreichen können, wenn sie nur klare Ziele verfolgen: Präsident Vizcarra und einige Staatsanwälte untersuchen die Korruptionsfälle konsequent, decken sie auf und verfolgen die Täter. Die Nichtregierungsorganisation IDL (Instituto de Defensa Legal) hat für spektakuläre Enthüllungen im Korruptionsskandal gesorgt. Menschenrechtsorganisationen und informelle soziale Bewegungen mobilisieren viele Menschen. Das zeige: Wenn man entschieden genug ist, kann man auch mit wenigen Leuten viel erreichen. Wer in den aktuellen politischen Diskussionen allerdings viel zu wenig präsent sei, seien die Campesinos und Indígenas und ihre Basisorganisationen. Auseinandersetzungen wie in Fuerabamba in der Region Cusco-Apurímac, wo die Anwohner*innen ihre Rechte gegenüber den Minenunternehmen einfordern, müssten unbedingt stärker in den Diskurs einfließen, der sich nicht nur auf Intellektuelle und Vertreter*innen der Mittelschicht beschränken dürfe.

Soziale Bewegungen in Peru“ waren am Samstagvormittag der thematische Schwerpunkt. In welchem Kontext bewegen sie sich? Was haben sie erreicht? Die Präsentation von Rómulo Torres zu diesem Thema kann bei der Infostelle angefragt werden (in spanischer und deutscher Sprache).

Soziale Bewegungen sind Lernfelder der Demokratie. Sie brauchen selbstbewusste, gut ausgebildete Mitglieder. Deshalb ist gute Bildung so wichtig. Was leistet das peruanische Bildungssystem? Und welche alternativen Schulmodelle gibt es? Das war das Thema eines Panels mit dem Titel „Lernen für alle: gerechte Bildung in Peru“. Dazu können Sie  den Beitrag von Frieder Walker über die alternative Schule „Fe y Alegría“ lesen  (http://www.infostelle-peru.de/web/fe-y-alegria-ein-alternatives-schulmodell/).

Wie kann Entwicklungszusammenarbeit demokratische Prozesse in Peru fördern? Um diese Frage kritisch zu diskutieren, hatten wir den Länderreferenten im BMZ, Timo Behrens, eingeladen. Leider musste er kurzfristig absagen. Dafür sprang Victoria Sonntag, Projektbearbeiterin bei Misereor, ein und stellte sich der Frage, wie eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Misereor als Geldgeber und Partnerorganisationen als Zuschussempfängerinnen möglich sein kann. Dabei berichtete sie, dass Misereor für die Projektfinanzierung in Peru aufgrund zurückgehender Eigenmittel zunehmend auf öffentliche Mittel des BMZ angewiesen ist. Durch die großen Fördervolumen von BMZ-Zuschüssen werde deshalb die Förderung kleinerer Projekte von Basisorganisationen schwieriger. Vier Videobotschaften von peruanischen Organisationen sollten die Frage aus peruanischer Sicht beleuchten. In den Botschaften wurde die Zusammenarbeit mit kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Partnern in Deutschland in höchsten Tönen gelobt. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem komplexen Thema allerdings fand kaum statt, bleibt aber sicherlich für die Zukunft auf unserer Agenda. Ein schriftlicher Beitrag zum Thema wird in einer der nächsten Ausgaben des InfoPeru zu lesen sein.

Nach der Arbeitsgruppenphase am Nachmittag hatten alle ausreichend gearbeitet und diskutiert – Zeit für die Fiesta! Die Huayno- und Salsa-Rhythmen, die Carmen Velarde auflegte, ließen (fast) niemanden kalt. Bis in die frühen Morgenstunden tanzten jung und alt, was das Zeug hielt.

Trotzdem gab es am nächsten Morgen keinerlei Ermüdungserscheinungen beim spannenden Vortrag von Fabricio Rodriguez „Chinesische Investitionen: Gefahr für die peruanische Demokratie?“ (http://www.infostelle-peru.de/web/chinesische-investitionen-eine-gefahr-fuer-die-peruanische-demokratie/).

Mit vielen neuen Informationen, Anregungen und Ideen und auch mit neuer Motivation für das eigene Engagement fuhren die Teilnehmer*innen nach Hause – so jedenfalls die schriftlichen und mündlichen Rückmeldungen am Ende des Seminars. Neben den Inhalten wurde auch der Austausch untereinander und die solidarische Atmosphäre in einer bunten Gruppe – generationenübergreifend, interkulturell und interdisziplinär – sehr gelobt.

Ich fand es in jeder Hinsicht ein sehr gelungenes Seminar. Danke!!“


Vielen Dank für die Schaffung der wundervollen, herzlichen Atmosphäre. Ich bin sehr glücklich über die Kontakte, die ich knüpfen konnte.“


Vorstand und Geschäftsstelle freuen sich über diese positiven Rückmeldungen und über die zahlreichen Vorschläge für das nächste Peru-Seminar im April 2020.

 

Annette Brox

 

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