Die Partei „Frente Popular Agricola del Peru“ Frepap stellt im neuen Kongress auf Anhieb 16 Abgeordnete .  Ganz so überraschend ist das allerdings nicht. 

Wer schon im peruanischen Regenwald unterwegs war, oder auch in den grauen Vorstädten Limas, dem sind sicher schon die „Israelitas del Nuevo Pacto Universal“ begegnet. Die Angehörigen dieser autochthonen religiösen Gruppierung sind einfach zu erkennen: die Frauen tragen lange Kleider und  bunte Kopftücher; die Männer erkennt man sofort an ihrem Bart und den langen Haaren. Seit gut 50 Jahren gibt es diese religiöse Gruppierung, und seit gut 30 Jahren gibt es auch ihren politischen Arm, die Partei „Frente Popular Agricola del Peru- Frepap“. Das Zeichen des Frepap ist ein blauer Fisch – in Anspielung auf das Geheimzeichen der ersten Christen.  Das Parteilogo findet man an Häuserwänden in ganz Peru – schon allein das ein Zeichen, dass die Partei in den armen Gebieten und auf dem Land wesentlich präsenter ist, als die Hauptstadt-Medien in Lima dies wahrgenommen haben. Vor allem im peruanischen Amazonas-Gebiet werden einige Gemeinden von Frepap-Bürgermeistern regiert.

Bei den umstrittenen Präsidentschafts-Wahlen 1995 und 2000 erreichte die Frepap ein bzw. zwei Sitze im Parlament.  Im gleichen Jahr 2000 starb der Gründer der Gruppierung, Ezequiel Ataucusi,  und es entbrannte ein Nachfolgestreit,  der zugunsten des jüngeren Sohnes Jonas Ataucusi entschieden wurde. 

Wenn heute die Überraschung in Lima gross ist über das Come-back der Frepap, so zeugt dies auch von der Unkenntnis vieler Medien und politischer Analysten darüber, was auf dem flachen (oder auch nicht so flachen ) Land  wirklich vorgeht. 

Interessant ist, dass  sowohl die religiöse Gruppierung der Israelitas als auch ihr politischer Arm Frepap  nach dem Tod ihrer charismatischen Gründerfigur weiterbestehen, und dass sie eine neue interne Leitungsstruktur gefunden haben, die –  der grossen Mobilisierung ihrer Basis nach zu schliessen – sehr gut organisiert sein muss. 

Politisch gesehen ist die Frepap in vielem ein unbeschriebenes Blatt. Bei den jüngsten Parlamentswahlen haben sie vor allem mit ihrer klaren Anti-Korruptions-Agenda gepunktet, indem sie z.Bsp. die Immunität der Abgeordeten abschaffen wollen.

Gesellschaftspolitisch ist die Frepap mit ihren strengen Moralvorstellungen sicher konservativ zu verorten: gegen Gender, gegen LGBT-Rechte.  Ausserdem  kolonisieren die Israeliten – in ihrer  Mehrzahl Indigene aus dem Hochland – seit Jahren abgelegene Gebiete im Regenwald, um dort Landwirtschaft zu betreiben. Dem Schutz des Regenwaldes oder der dortigen indigenen Völker ist dies sicher nicht förderlich.

Vor 20 Jahren habe ich eine Frepap-Kolonie in Pebas, Loreto, besucht und in der Ila folgende Reportage darüber geschrieben, die auch heute noch einen guten Einblick in Entstehung und Denken der Israelitas und ihrer Partei Frepap gibt.  

ila241-Israeliten

 

Hildegard Willer

 

 

 

 

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