Der Export der meisten Produkte aus dem intakten amazonischen Regenwald schadet diesem und den von und in ihm lebenden Menschen. Eine Ausnahme sind die Paranüsse (castañas). Hierzu ein Beispiel aus Peru.

In der Region Madre de Dios, im südlichen Amazonasgebiet, gibt es noch intakten Regenwald. Dieser ist stark gefährdet, u.a. durch illegalen Goldabbau und dessen massiven Quecksilbereinsatz.

Einige Dorfgemeinschaften der in dieser Region lebenden indigenen Völker Harakbut, Yine und Matsiguenga ernten und verkaufen Paranüsse. In den Dorfgemeinschaften Masenawa und Boca Ishriwe begannen die Familien 2015 (Harakbut) wieder mit den wirtschaftlichen Aktivitäten rund um die Paranuss. Gefördert wurden sie dabei vom UN-Umweltprogramm (PNUD), von der Hilfsorganisation CARE und von Technikern der Reserva Comunal Amarakaeri (der kommunalen Schutzzone). Diese Dörfer liegen südlich der Stadt Puerto Maldonado, erreichbar über die Carretera Interoceánica und mit dem Boot auf dem Fluss Madre de Dios in eineinhalb bis zwei Tagen.

Aus dem Bericht von Donofré Chuco Castro hier einige Informationen:

Nach Aussagen der Dorfchefin von Mazenawa, Carmen Irey C., erhalten sie für einen 70 kg-Sack Paranuss-Samen (castañas) zwischen 240 und 350 Soles (ca. 70 bis 115 €). Sie hoffen, dass sie in der diesjährigen Ernte (bis Mai 2018) ca. 350 Säcke (barricas) à 70 kg sammeln können. Damit können die Familien im Dorf zusätzliche Lebensmittel kaufen und z.B. ihre Kinder in die Schule schicken.

Die Arbeit ist hart. Die Paranussbäume stehen verstreut im Regenwald, mehrere Stunden Fußmarsch von der Siedlung entfernt. Einige Familien bleiben in der Erntezeit auch schon mal eine Woche im Wald in der Nähe der Bäume. An der Ernte beteiligen sich Männer und Frauen. Meist werden die reifen Nüsse aufgesammelt. Diese sind der Kokosnuss ähnlich. Um an die Samen zu kommen, müssen die Nüsse mühsam aufgeschlagen werden. Einige Bäume sind schon einige Jahrhunderte alt und werden bis zu 100 Meter hoch. Die Ernte findet heute mit Schutzhelmen statt, um mögliche schwere Kopfverletzungen zu vermeiden. Nach dem Herausschlagen der Samen – in guter Entfernung von den Bäumen – werden diese dann in Säcke verpackt und später getrocknet. Mit Hilfe der o.g. Organisationen werden die wertvollen Paranussbäume mit modernen Geräten kartiert und als Eigentum der Dorfgemeinschaft eingetragen. So hat die Dorfgemeinschaft Diamante bereits 289 Paranussbäume als Gemeinschaftseigentum eintragen lassen können.

Ein Teil der Nüsse geht an die vielen Papageien, die die unreifen Nüsse fressen.

Diese Form der Nutzung des Waldes ist nachhaltig. Neben der Möglichkeit, Einkommen zu generieren, helfen diese Bäume auch dem Klimaschutz. Sie wachsen nur in einem intakten Regenwald, nicht in Plantagen. So sind diese BewohnerInnen wichtige Verbündete im Kampf gegen Abholzung und illegale Goldproduktion. In einem offiziellen Nationalpark – der zweithöchsten Kategorie der peruanischen Schutzgebiete – wäre diese kommerzielle Tätigkeit nicht erlaubt. Deshalb ist es verständlich, dass sich indigene Organisationen nur in begründeten Fällen für einen solchen aussprechen.

Die Paranuss hat ihren Namen nach dem nördlichen brasilianischen Bundesstaat Pará. Die Frucht hat einen Durchmesser von 10 bis 16 cm und enthält 10 bis 25 Samen. In Europa gibt es eine Importbeschränkung wegen der Möglichkeit eines erhöhten Aflatoxin-Anteils (Schimmelpilzgift) in der Schale. Wobei dieses auch in Reis, Leber, Erdnüssen, Futtermittelzusätzen, Mandeln, Pistazien, Feigen oder Getreide vorkommen kann. Trotz dieser Einschränkungen könnte der Fair-Trade-Sektor sich hier mehr engagieren. Wenn die Sammler bisher für 70 kg Nuss-Samen ca. 280 Soles, also ca. 1,30 € pro Kilo, bekommen, dann ist das noch kein fairer Preis und könnte mit Fair-Trade-Konditionen durchaus höher sein.

(Aus: Donofré Cuco Castro: Actividad castanera… Servindi 5.4.18, gekürzte Übersetzung und Kommentierung Heinz Schulze)

Heinz Schulze

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