Am 2. Juli organisierte die Ortsgruppe Lima der Infostelle Peru zusammen mit der Universität Ruiz de Montoya ein Kolloquium über den Gedenkort in Lima für die im bewaffneten Konflikt umgekommenen Peruaner. Heeder Soto und Kerstin Kastenholz berichten im Folgenden über die Entstehungsgeschichte des „Museo de la Memoria“, und die Schwierigkeiten bei der konzeptionellen Umsetzung. 

Einen bewaffneten Konflikt in Lateinamerika aufzuarbeiten ist besonders komplex. In Peru sind zwischen 1980-2000 nach dem Bericht der Wahrheitskommission 69.280 Menschen umgekommen. Als die damalige Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul, 2008 nach Peru kam,  bot sie nach einem Besuch der Ausstellung „Yuyanapaq“  in Lima der peruanischen Regierung zwei Millionen Euro für den Bau eines Erinnerungsmuseums in Lima an. Alán Garcia (zu der Zeit amtierender Präsident), wollte das Geld nicht annehmen. Dies löste einen großen Widerstand unter wichtigen Persönlichkeiten und Menschenrechtsorganisationen in Peru aus. Im März 2009 gab Alan Garcia den Protesten nach und richtete eine Kommission zur Etablierung eines Erinnerungsmuseums (Ort der Erinnerung) ein, die von dem Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa geleitet wurde. Nachdem Mario Vargas Llosa von seinem Amt im September 2010 zurückgetreten war, folgte ihm der Maler Fernando de Szyszlo im Amt nach. Seit dem 26. November 2011 Diego García Sayán neuer Präsident der Kommission. Unter der Regierung Ollanta Humala änderte sich auch der Name des Museums:  “Ort der Erinnerung – Toleranz und soziale Inklusion” .

Gisela Ortiz, eine Menschenrechts-Aktivistin, deren  Bruder während des Bürgerkrieges 1993 von Militärs umgebrachtwurde, stellt die Frage:  “Was soll der Titel bedeuten? Das wir tolerant gegenüber den Tätern sein sollen? Das wir tolerant gegenüber den politischen Verantwortlichen sein sollen? Im Namen der Toleranz sollen wir unsere Erinnerung verhandeln? Soziale Inklusion, für wen?”

Seit dem 01. Juli 2013 hat das sich im Bau befindliche Museum eine neue Direktorin, Denice Ledgard, die den vorherigen Fernando Carvallo ersetzt. Neue Gestalten, Namen die gehen, Namen, die kommen. Bis heute, wurde das Museum der Erinnerung nicht öffentlich diskutiert.

Bisher hat die deutsche Regierung 3,5 Millionen Euro für den Bau des Museums in Lima zur Verfügung gestellt, die peruanische Regierung unter Ollanta Humala 1,2 Millionen Euro. Fernando Carvallo, bis 1. Juli 2013 Direktor des sich im Bau befindlichen Museums, betont jedoch, dass noch mehr Geld für den Bau des Museums fehlen würde. Das heißt auch, dass die Einweihung des Museums in Etappen stattfinden soll. Für September 2013 ist die Einweihung der Bühne mit seinem Saal geplant, sodass dort Veranstaltungen stattfinden können. Alle weiteren Orte sollen später eingeweiht werden. Auf die Frage: “Wann soll denn die komplette Einweihung des Museums stattfinden”, wurde keine Antwort gegeben. 2009 gab die Regierung unter Alan Garcia bekannt, dass noch unter seinem Amt bis 2011 die Einweihung des Museums stattfinden werde, später wurde diese auf Mitte, dann auf Ende 2012 verschoben. Und heute, Juli 2013 weiß man immer noch nicht, wann das Museum eingeweiht werden soll.

Für den Inhalt der Ausstellung, die in das Museum soll, ist Miguel Rubio, Direktor der  Theatergruppe “Yuyachkani” zuständig. Der Inhalt ist allerdings bis heute streng geheim und wurde bis heute nicht mit den Opfern des Bürgerkrieges diskutiert.

Die Veranstaltung der Infostelle am 02. Juli 2013 war die erste öffentliche Veranstaltung über den Ort der Erinnerung. Bisher hat keine der Menschenrechtsorganisationen das Thema bearbeitet. Warum? Es wäre gut diese Frage beantworten zu können. Die Teilnehmenden der Veranstaltung versuchten ihre anstehenden Fragen zu beantworten: “Wie soll die Verbindung des Museums zur Gesellschaft sein? Wie soll das Museum mit Leben gefüllt werden? Wie soll die Beziehung zu den anderen Orten der Erinnerung und Erinnerungsmuseen in ländlichen Regionen sein?“ Gisela Ortiz verweist auf das kleine Dorfmuseum in Huamanquiquia, wo die Familienangehörigen von Opfern und Verschwundenen Fotos und Gegenstände gespendet haben, dass aber heute verwaist ist. Dies ist für sie ein Beweis dafür, dass die Opfer nicht aktiv in den Prozess des Museums miteinbezogen wurden.

Jegliche Initiative, die Opfer miteinzubeziehen, ist willkommen, auch wenn Tausende von Opfern wahrscheinlich nicht die Möglichkeit haben werden, das Museum in Lima zu besuchen, bevor sie sterben. Die Verantwortlichen des Museums nehmen in Anspruch, in ihrem Namen und für sie zu reden. Ein Großteil der Opfer ist schon sehr alt, wie beispielsweise die Mitglieder von ANFASEP in Ayacucho. Das Museum in Lima darf nicht nur das Leiden der Opfer darstellen, sondern sollte auch den den ständigen  Kampf für die juristische Aufarbeitung der Verbrechen widerspiegeln. Das Museum der Erinnerung in Lima könnte dafür ein guter Ort werden. Die Wahrheitskommission hat einen 8000 Seiten Bericht über den Bürgerkrieg herausgegeben. Das Museum hat jetzt die Chance, die Vergangenheit zu bearbeiten, einen Ort für Dialoge zu eröffnen, einen Ort für eine neue junge Generation zu werden, und die Opfer aktiv in die Gestaltung des Museums mit einzubeziehen.

Heeder Soto Quispe

Heeder Soto ist Künstler und Ethnologe. Er ist Mitglied von ANFASEP in Ayacucho. Sein Vater wurde während des Bürgerkrieges vom Militär umgebracht.

Übersetzung und Kürzung: Kerstin Kastenholz