Die neoliberale Wirtschaftspolitik und das dahinterstehende „Entwicklungskonzept“ setzen voll auf weitere Zuwächse aus dem Export. Dazu gehört für Peru vor allen Dingen der Exportschlager Kaffee. Aber auch hier gibt es einen Exportknick. Im Jahr 2015 wurde gerade einmal so viel exportiert wie 1996. Da waren es 71.300 Tonnen. Im Jahre 2015 (Zeitraum Januar bis Ende August) waren es 66.000 Tonnen Kaffeebohnen. Der Präsident des peruanischen nationalen Kaffeeverbandes (JVC), Tomás Córdova, benennt folgende Gründe für diesen Rückgang: Ein Sich-Zusammenziehen der Märkte und die zu geringen Preise. Seine Zahlen: Die Kaffeeproduzenten erhalten aktuell umgerechnet ca. 1.80 bis 2.30 € pro Kilo Kaffeebohnen. Die Produktionskosten dagegen betragen 2.90-3,00 € pro Kilo.
(Anmerkung: Uns Verbrauchern wurde die erhebliche Preissteigerung des Kaffees mit den gestiegenen Produzentenpreisen erklärt, H. Schulze)
Sicherlich sind die Ernterückgänge auch durch die Kaffeeplage (Kaffeerost, la roya) bedingt, vor allem auch im zentralen Regenwald.
Jetzt propagiert „der Markt“ den Bauern: Macht mehr in Ananas und in Ingwer, das bringt mehr Geld. Daraufhin wurden nun ca. 30.000 Hektar „Kaffeeanbauland“ unter 1.200 Metern Höhe umgewandelt in Ananas-und Ingwer- Plantagen. Wie lange bekannt, zerstören diese beiden Produkte besonders stark die Böden.

Kaffeebauern können Kredite nicht zurückzahlen
Ein anderes Problem: Nach heftigen Protesten der von der Kaffeeplage betroffenen Kaffeebauern (besonders Neusiedler) sicherte die peruanische Regierung mit Geld u.a. der US-AID (staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der USA) eine rasche Hilfe durch Übergangskredite zu. Die Kredite wurden ausbezahlt. Jetzt heißt das Problem: Weniger Erträge, weniger Einnahmen und möglicher Bankrott der Kaffeebauern.

Peruaner trinken zu weig Kaffee
Bisher heißt „Kaffee trinken“ in Peru meistens noch: Kaffeepulver in die Tasse und heißes Wasser darüber und fertig. Nur grosse internationale und eine nationale Kaffeefirma haben die Anlagen, um löslichen Kaffee herzustellen. Es ist bekannt, dass für löslichen Kaffee die Kaffeeabfälle verwendet werden.

Warum wird der mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnete peruanische Kaffee zum allergrößten Teil exportiert und der  Pulverkaffee im Land getrunken? Warum wird zu wenig getan, damit der Kaffee im eigenen Land mehr  getrunken wird? Das wäre ein konkreter Beitrag zur Absicherung der Produzenten, ein gutes Projekt im Rahmen eines nachhaltigen Entwickungskonzeptes.

Kaffee statt Kokain
Vom 11. bis 13.11.2015 findet das 58ste Treffen der Interamerikanischen Kommission zur Drogenproblematik statt. Diesmal in der peruanischen Küstenstadt Trujillo, in der viel Drogengeld gewaschen und bewegt wird. Peru wird  vertreten vom Chef von DEVIDA (Nationale Kommission für Entwicklung und ein Leben ohne Drogen), Luis Alberto Otarolo P. Er hat bereits bekannt gegeben, dass als Erfolg gegen den Cocaanbau die Unterstützung bei der Umstellung auf „andere rentable Produkte“ vorgestellt werden wird. Diese Projekte wurden mit hunderttausenden Dollars unterstützt, hauptsächlich auch hier durch die US-AID und in geringerem Umfang durch Gelder aus Europa. Diese Umstellung, so auch auf Kaffeeanbau, wird derzeit weiterhin mit viel Geld subventioniert. Unklar ist, was geschieht, wenn diese Unterstützung wegfällt und die so „umgewandelten Cocabauern“ ihren Kaffee zu den üblichen Konditionen des „freien Marktes“ verkaufen müssen. Die Antwort ist einfach, wenn man weiß, dass aktuell mit dem Anbau von Coca mindestens 5 bis 7 Mal so viel pro Hektar Land verdient wird als mit den Anbau von Kaffee. Und der Anbau von Coca wird, so auch internationale Experten für dieses Problem, weitergehen, solange es keine geordnete Liberalisierung/Freigabe des Kokains gibt.

(Heinz Schulze, aus: Agencia de Prensa ambiental, 4.10.15, InfoRegion Peru, 5.10.15 und Informationen aus diversen Diskussionsbeiträgen im elektronischen Netz).

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