Egal, ob es der gewöhnliche Juan Perez ist oder ein Dr Juan Perez; immer heißt es: Meine Kinder sollen es einmal besser haben, dafür ist eine gute Bildung ganz wichtig. Ganz gute Bildung bedeutet: Studium an einer Universität – auch wenn die ihr Geld nicht wert ist. Nun hat Peru ein neues Universitätsgesetz bekommen, das für mehr Qualität in der Hochschulbildung sorgen soll. Das Angebot an Universitäten ist groß in Peru, von 138 anerkannten Universitäten ist die Rede. Die meisten sind privat.  Oft ist die Qualität nicht gut, aber für die Kapitaleigner und das Führungspersonal ist es eine gute, manchmal ,dank  illegaler Mittel, sogar eine sehr gute Einnahmequelle.
Ein besonders negatives Beispiel dafür ist die private Universität Garcilaso de la Vega in Lima. Nach langer Untersuchung durch die peruanische Rektorenkonferenz wurde der Rektor dieser Universität, Luis Cervantes Linan, wegen grober finanzieller und akademischer Verstöße seines Amtes enthoben. Auf den ersten Blick sah alles ganz normal aus. Gut, er hat einem aktuellen Bezirksbürgermeister einen wissenschaftlichen Titel „verliehen“, obwohl der gar nicht studiert hatte und monatlich ca. 10.000 € verdient. Warum also der ganze Aufstand? Die Untersuchung ergab, dass seine monatlichen Einkünfte in Wahrheit ca. 300.000 € monatlich betrugen. In den Jahren 2005 bis 2013 kamen so ca. 2.7 Millionen € zusammen. Und wie ging das? Er kassierte, weil die Universität wie ein privates Unternehmen geführt wurde, Zulagen, Gewinnbeteiligungen etc. – Und alles aus den Studiengebühren. (La Republica, 18.5.2014, Lima).
Salomon Lerner übt  grundsätzliche Kritik am peruanischen Universitätssystem:

Der ehemalige Rektor der Katholischen Universität, Salomón Lerner Febres, kritisiert das fehlende Engagement des peruanischen Staates im Bildungsbereich: Manche der Studierenden hätten Zeit und Geld anders investieren sollen. Er betont, dass lt. Verfassung alle PeruanerInnen ein Recht auf Bildung haben. Viele Universitäten sehen in der Bildung ein Produkt, die Lehrenden sind Anbieter, die dieses Produkt den „Klienten“ (sprich Studierenden) anbieten – und alles gegen eine heftige Bezahlung (500 € und mehr pro Monat sind keine Seltenheit) für dieses Produkt.
Lange wurde es  von einigen Seiten gefordert, von den privaten Universitäten heftig bekämpft: Ende Juni 2014 wurde vom peruanischen Parlament das Universitätsgesetz beschlossen.
Der dafür zuständige Kongressabgeordnete Daniel Mora (Partei Peru Posible) äußerte sich dazu in einem längeren Interview: Neu sei jetzt: Die Professoren müssen jetzt in den privaten Universitäten besser bezahlt werden, 25% der ProfessorInnen müssen in Vollzeit arbeiten.
Um zukunftsfähig zu werden, muss Peru mehr in die Bildung investieren. Im Augenblick sind die staatlichen Einnahmen aus den exportierten Rohstoffen am Fallen. Die bisher praktizierte Strategie, dann einfach  mehr Tonnen davon zu verkaufen, taugt nach Mora nicht. „Wir betrügen uns weiter mit der Ausfuhr von Mineralien. Nur ein Land mit gut ausgebildeten Menschen kann Rohstoffe verarbeiten“.

Das neue Universitätsgesetz sieht folgendes vor:
Die Rektorenkonferenz mit 139 Rektoren (Asamblea Nacional de Rectores))   wird aufgelöst. Das war zum Schluss nur noch ein Freundeskreis.
Es wird internationale Mindeststandards geben, die alle Universitäten, 89 private und 50 öffentliche, erfüllen müssen. Diejenigen Universitäten, die weiterhin staatliche Zuwendungen erhalten bzw. steuerbefreit bleiben wollen, müssen einen hohen akademischen Standard aufweisen.
Einige Besitzer werden ihren Uni-Betrieb einstellen, wenn sie nicht ,wie bisher, 30 oder 40% Gewinn jährlich einstecken können. Bisher ist das Betreiben von privaten Universitäten oder Schulen gewinnbringender als in die Fischerei oder ins Bauwesen zu investieren. Das zeigt sich daran, dass die Holding Interbank 130 Millionen Dollar für einen Anteil von 50% an einer Privatuniversität zahlte, und selbst 19 Privatschulen betreibt. (La Republica, 30.6.2014).

In Zukunft sollen die Universitäten  die Gehälter ihrer Rektoren und Chefbeamten offenlegen.

Und das Schulsystem ?

Bei aller Kritik an den Kriterien für die PISA-Untersuchungen: das peruanische Schulsystem belegt dabei immer untere Plätze. Und das, obwohl oder gerade weil es eine starke Lehrergewerkschaft, SUTEP, gibt, die aber wenig Wert auf besseren Unterricht legt, sondern mehr Interesse hat an Ideologie und Gehaltserhöhungen.
Ein Blick auf die Bildungssituation Perus ist, auch aus entwicklungspolitischer Sicht, unvollständig wenn man nur die Universitäten sieht und nicht alles, was „darunter“ ist.
Javier Arévalo ist ein engagierter Verfechter für eine Schule, die fördert und motiviert. Er schaut dabei auf die Schulbildung auf dem Lande und im Regenwald.
In seinem Artikel „Wenn die Kinder Bettler“ sind zeigt er einen besonders hervorstechenden Aspekt im peruanischen Bildungssystem auf.
Das staatliche Programm „Juntos (Zusammen)“ zahlt 100,- € an die Eltern eines Schülers/Schülerin, wenn diese nicht sitzenbleiben und 75,- € dazu, wenn diese zum besten Drittel in ihrer Klasse gehören. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es in einem Kind aus einer armen Familien geht, wenn dieses diese Leistung nicht erbringt und somit 175,- € für seine Eltern“verliert“. Sie wissen nun genau, dass sie zu dumm sind und deshalb 175,- € verlieren, was enorm viel Geld ist. Wenn ein Staat zu solchen „Stimulanzen“ greifen muss, ist dies nicht ein Indikatar für eine schlechte Schulbildung ?
Im peruanischen Regenwald müssen 75% der SchülerInnen in Schulen lernen, die sehr schlechte Bedingungen aufweisen. Wie ist  an solchen Schulen ein wirkliches Lernen möglich ? Auf die Kritik wegen der schlechten Ausstattung reagiert das Bildungsministerium gerne: Der Staat tue doch etwas. Es gäbe  doch sog. „Bildungspakete“ , z.Bsp. Bücherpakte, um den Unterricht zu verbessern. Dabei handelt es sich um Bücher, von denen jemand im Erziehungsministerium meinte, das müssten alle Kinder in Peru lesen. Und die Praxis? Hierzu stellt Arévalo fest: Weil der Direktor dafür verantwortlich ist, dass nichts wegkommt oder beschädigt wird, bleiben die Sachen schön im Karton eingepackt.
Es bedarf weiter großer Anstrengungen, damit die Potentiale der Kinder „ausgepackt“ werden. Hierzu können auch private Initiativen wie die von Carlos Ch. in Huanuco dienen, wo in einer Schule mit Konzepten gelernt wird, die die Eigeninitiative von SchülerInnen und LehrerInnen fördert und Bildung nicht als „Fütterungsvorgang“ begreift.
(Aus Inforegion, 3/2014, gekürzt, mit eigenen Anmerkungen, Heinz Schulze)

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