61 Bewohner des Dorfes Accomarca wurden am 14. August 1986 von Militärs ermordet. Am 1. September 2016 wurden nun die Verantwortlichen in Lima zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Die Älteren in der Solidaritätsarbeit zu Peru erinnern sich: In der schlimmen Zeit des schmutzigen Krieges ermordeten Militärs die Bevölkerung des Dorfes Accomarca . Der Tag: 14. August 1986. Das Verbrechen war als „normaler“ Anti-Terror-Einsatz gegen den „Leuchtenden Pfad“ (Sendero Luminoso) geplant. Accomarca war von „Sendero Luminoso“ besetzt worden und die militärische Einschätzung lautete: alle Bewohner des Dorfes sind Zuträger und stehen im Dienst des Leuchtenden Pfad.

In mühsamer Kleinarbeit konnten  die Hinterbliebenen und ihre Rechtsanwälte konnten den Richtern die Beweise vorlegen, die letztendlich zur Verurteilung führten. Das Ergebnis: Der verstorbene Geheimdienstchef Cesar Uribe gab die Anweisung, alle angetroffenen Bewohner in dem Dorf zu töten.

Die Täter

Der verantwortliche Heeresgeneral, Chef der Infanterie II, Wilfredo Mori-Orzo und sein Generalstab (die Obersten Nelson Gonzales F. und Carlos Delgado Medina) übernahmen diese Vorgabe und gaben den Befehl zur Liquidierung an den damaligen Unteroffizier Telmo Hurtado und die Soldaten der Patrulla Lince Nr. 6 weiter. Diese gingen von Haus zu Haus, die Frauen wurden zunächst von ihren Kindern und den Männern getrennt und brutal vergewaltigt. Danach wurden sie zusammen mit den  Kindern und Männern in eine Hütte getrieben, erschossen, die Hütte wurde mit Granaten gesprengt, alle verbrannten.

Die Opfer

Durch dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden 61 Personen, mehrheitlich Frauen, Kinder und alte Menschen ermordet. Auch der zwangsverpflichtete Führer für die Militärs wurde nach der Tat ermordet.

Die Aufarbeitung des Verbrechens und die Verurteilung

Nach Bekanntwerden des Massakers schob das Militär die Schuld einem Unteroffizier zu: Das Ganze sei die Tat des verrückten Unteroffiziers Telmo Hurtado. Dennoch konnte dieser in der Folgezeit bis zum Rang eines Majors aufsteigen. Hurtado wurde 1993 zu sechs Jahren verurteilt: Wegen Autoritäts-Anmaßung, nicht wegen Mord. Er wurde als Belohnung für sein Schweigen über die Verantwortung seiner Vorgesetzten viermal ausgezeichnet. Noch 1994 erhielt er eine Auszeichnung vom damaligen Kommandierenden General Nicolás Hermosa. Inzwischen war er in die USA ausgereist, wegen zivilrechtlicher Anklagen dort festgenommen und nach Peru ausgewiesen worden. Im Jahre 2012 machte er vor dem Schwurgericht in Lima neue Aussagen, die letztendlich auch seine Vorgesetzten auf die Anklagebank brachten. Sein Vorgesetzter, General Mori, wurde stillschweigend in den Ruhestand versetzt.

Als Perugruppen unterstützten wir die Menschenrechtsorganisationen in Peru u.a. gegen das Gesetz, das Militärs Amnestie gewähren sollte für Aktionen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung.

Nur durch das langjährige Engagement der Hinterbliebenen, ihrer solidarischen Rechtsanwälte und Menschenrechtsorganisationen kam es nun nach 31 Jahren zu einer Verurteilung. Da half auch die Verteidigung der Militärs durch die Anwaltskanzlei Cesar Nakazaki nicht mehr.

Das Urteil

Am 1. September 2016 war die Urteilsverkündigung. Dass die Strafen so hoch ausfielen,  ist hauptsächlich den zwei Richterinnen Mirtha Bendezú G. und Maria Vidal la Rosa S. zu verdanken. Der Dritte im Richterteam, Rocardo Brousset S., wollte viel geringere Strafen.

Ex-General Mori und die Obersten Gonzales F. und Delgado M. wurden zu je 25 Jahren, als direkte Täter  Telmo Hurtado sowie die anderen direkt am Verbrechen beteiligten Soldaten zu 24 bzw. 10 Jahren verurteilt – wegen systematischem und brutalem Mord, Verbrechen gegen die Menschenrechte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Desweiteren müssen die Militärs eine Entschädigung von ca. 50.000 Euro pro Opfer zahlen.

Francisco Ochoa, Präsident der von der politischen Gewalt betroffenen Familien in Accomarca,  bezeichnet die Verurteilung der Militärs als wichtigen Erfolg.  Es sei jetzt die Aufgabe des Staates, alle Verurteilten, die noch auf freiem Fusse sind, sofort zu verhaften.

Als Peru-Solidaritätsgruppen unterstützen wir seit langem  die Opferorganisationen, hatten aber im Laufe der Zeit den Eindruck, dass die Justiz sich nicht an die Militärs herantraut. Gut, wenn man sich hier mal getäuscht hat.

Heinz Schulze

(Aus: La República, Lima, 2.9.16,, Lourdes Grados in Utero.pe. 31.8.16, Peru 21, elektronische Medien, u.a. von Iris Jave vom 7.9.16, Beiträge von der Coordinadora de los Derechos Humanos en el Peru, 2.9.16, u.a. Übersetzt Heinz Schulze)

 

 

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