MACA-BOOM IN CHINA
Der Knollenfrucht Maca werden  potenzstärkende Eigenschaften nachgesagt. Ob deshalb ein so großes Kaufinteresse daran in Chine besteht?
Von den ca. 4.500 Tonnen im Jahr 2014 bisher geernteten  Maca-Wurzeln  importierten chinesische Firmen über 2000 Tonnen. Und das, obwohl der Export von Maca verboten ist.

Die Sorge in Peru ist, dass chinesische Firmen aus dieser Knolle industrielle Produkte entwickeln und diese patentieren lassen. Das wäre ein Fall von Biopiraterie.
Da stellt sich die Frage, wie diese Menge an Maca den peruanischen Zoll passieren konnten.
Für die peruanische Landwirtschaft wäre das ein großer Verlust, wenn die Verarbeitung dieses Produkts erneut im Ausland geschieht, und Peru wieder einmal die Rolle des Rohstoff exportierenden Landes zugewiesen bekommt.
(Inforegion, August 2014)

AUSBEUTERISCHE KINDERARBEIT IN DEN EXTRAKTIVEN INDUSTRIEN

Viele deutsche Organisationen und Gruppen, die PartnerInnen in Peru unterstützen, sind mit diesem Problem konfrontiert. Das gilt auch für die bundesweite Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“.  Es geht ihnen um die Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit bzw. der Verringerung der ausbeuterischen Kinderarbeit durch bessere Bedingungen für die betroffene Familie.
Auch in Peru sind Kinder weiterhin als Hausmädchen, auf Märkten, in der extraktiven Industrie, in der Produktion von Drogen und den sie unterstützenden Trupps (heutige Teile des Leuchtenden Pfads) oder in der Prostitution tätig.
Direkt zu tun haben „wir“ in Deutschland als Konsumenten von Erzen und ganz speziell Gold. Dafür traurige Bekanntheit haben Ort wie La Rinconada (Goldgräberstadt auf über 5.000 Meter Höhe), Cajamarca, Arequipa und natürlich die Goldregion im südlichen Regenwald Perus (Madre de Dios).
Wenn sich peruanische Industrieverbände und dazu gehörende Medien, wie die auflagenstarke  Zeitung El Comercio, besonders gegen die Zustände im illegalen Goldabbau – die es gibt und die zutiefst brutale Folgen an Umwelt und Menschen erzeugen – wenden, so tun sie das auch, weil sie ein Interesse daran haben, die illegale  Konkurrenz einzudämmen. Es gibt Hinweise, dass die angestrebte Formalisierung der illegalen Goldschürfer in der Region Madre de Dios (Huepetuhe, Lote 76) auch dazu dienen soll, das Gebiet konfliktfreier zu machen, damit die dort mit offiziellen Konzessionen ausgestattete Ölfirma Hunt Oil freier agieren kann.

Im illegalen Geschäft des Goldschürfens sind viele Kinder eingesetzt. In diesen Goldgräbersiedlungen sind viele Kinder zwangsweise in der Prostitution tätig.
Hinter diesem  schlimmen Geschäft stehen Erwachsene, steht großes Kapital und die in den jeweiligen Regionen politisch Verantwortlichen.
Wenn Kritik gegenüber diesen schlimmen Zuständen geäußert wird, so werden schnell Stimmen laut, die davor warnen,  sich in innerperuanische Angelegenheiten einzumischen. Aber, das sind Aktionen, die die peruanischen Verantwortlichen an ihre Pflichten zu erinnern: Der peruanische Staat hat die Ilo-Konvention 138 (Mindestalter) und die Konvention Nr. 162 (gegen ausbeuterische Kinderarbeit) unterschrieben und ratifiziert. Weiter hat der peruanische Staat selbst Gesetze zur Beendigung der Kinderarbeit und einen Nationalen Plan gegen Kinderarbeit beschlossen. Mit der Verabschiedung von Gesetzen ist es natürlich nicht getan. Die Antwort kann nicht ewig heißen: Geld für Projekte für Kinder zu spenden.
Bei ca. 2 Millionen arbeitenden Kindern (die Zahlen variieren) und über 500.000 arbeitenden Kindern im Bergwerksbereich ist mit Spenden keine Lösung erreichbar.
Besser ist es, die peruanischen PartnerInnen zu befähigen, die zuständigen peruanischen offiziellen Institutionen zu „beeinflussen“, mehr Geld für Alternativen für Kinder einzusetzen. Das muss auf lokaler Ebene, regionaler und nationaler Ebene geschehen, denn der peruanische Staat hat doch Einnahmen. Grundsätzliche Änderungen sind notwendig. Das auch angesichts der Tatsache, dass bis zu 70% der peruanischen arbeitenden Bevölkerung im sog. informellen Sektor tätig ist.
Deswegen schlägt die Bergwerkskampagne Peru den Verzicht auf den Gold  vorschlägt. Auch mit ausbeuterischer Kinderarbeit produziertes illegales Gold wird nach der Verarbeitung Teil des „legalen Marktes“, es ist nicht als besonders schmutziges Gold zu erkennen. Ohne die Goldsucht im Ausland und dem aktuellen  noch hohen Goldpreis würden nicht so viele Kinder hier arbeiten müssen.
Das Killerargument: aber die Kinder müssen doch so arbeiten, weil die Familien davon abhängen, gilt überhaupt nicht.
(El Comercio 12.6.14, La Mula.pe, 26.9.14, Übersetzung Heinz Schulze)

PALMÖLPRODUZENTEN DROHEN MIT RÜCKKEHR ZUM COCA-ANBAU
Mit viel Geld von US-AID und der peruanischen Drogenbekämpfungsbehörde DEVIDA werden Koka-Bauern davon überzeugt, auf Palmölanbau umzustellen. Ein Hauptgebiet dafür ist der Distrikt Tocache in der  Region Ucayali. Die Ölpalmhersteller bringen bisher ihre Palmölfrüchte in die Raffinerie Espina. Diese gehört zur Gruppe Las Palmasm die wiederum zum  peruanischen Familien-Großkonzern Grupo Romero gehört.
Ein Hektar Palmölplantage erzeugt ca. 20 Tonnen Früchte, die ca. 4-5 Tonnen „Rohöl“ erbringen. Pro Jahr sind das ca. 1.500 Tonnen „Bio-Diesel“. Pro Tonne erhalten die Bauern ca.850 Dollar. Über die negativen Umweltschäden dieser Produktion ist bekannt: Die Reste werden in Bäche und Flüsse geleitet, die dann bald eine schmierige Öl-Lache sind. Obwohl der frühere Präsident Alan Garcia die Produktion von Palmöl zum Nationalen Interesse und damit besonders förderungswürdig erklärt hat, ist dieser Bereich in einer großen Krise. Ledgar Arévalo vom Verband der peruanischen Palmöl-Produzenten macht dafür die Regierung Argentiniens verantwortlich. Dort wird „Biodiesel“ so hoch subventioniert, dass der peruanische Palmöldiesel anscheinend nicht konkurrenzfähig ist und so drohen sie, wieder Coca anzubauen. Pest oder Colera für den peruanischen Regenwald? Nachhaltig ist beides nicht. (La Republica, Inforegion September 2014, Heinz Schulze)

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