Interessante Kurzmeldungen aus Peru

Ein Kartoffelpark bei Cusco

Im Februar 2020 wurde in den südlichen Anden, 45 Minuten von der Regionalhauptstadt Cusco entfernt, ein „Kartoffelpark“ eingerichtet.  Er umfasst 7238 Hektar mit vier Dörfern (ayllus) in der Provinz Calca und liegt auf einer Höhe von 3.600 bis 4.600 Metern. Dort gibt es 3.300 unterschiedliche Kartoffelsorten, entweder auf den Feldern oder in den kommunalen Sortenbanken.

Erteilt wurde diese Schutz-Anerkennung vom Landwirtschaftsministerium. Diese Maßnahme soll die biologische Vielfalt der Kartoffelsorten und die lokale Nutzung verbessern.

(Inforegion, 5.3.20)

 

Gericht stoppt Wasserkraft-Anlage in Arequipa

Das regionale Verfassungsgericht in Arequipa hat die Beschwerde gegen das geplante Wasserkraftwerk „Laguna Azul“ im Distrikt Ayo, Provinz Castilla, als berechtigt angenommen. Das Projekt bedrohe den weltweit größten Quellsee Mamacocha.

Vertreter*innen der Bürgerschaft hatten die Beschwerde eingelegt, da sie ihr Recht auf eine unversehrte Umwelt verletzt sahen. Mit dem Richterspruch werden die Beschlüsse der regionalen Umweltbehörde ARMA, der Regionalregierung Arequipa und des Energie- und Minenministeriums außer Kraft gesetzt, die das Projekt für umsetzbar erklärt hatten.

Für das Urteil wurden umfangreiche Studien durchgeführt, die die negativen Auswirkungen des Wasserkraft-Projektes auf das sensible Ökosystem von Mamacocha belegen. Der See ist Lebensort einer einmaligen Artenvielfalt von Flora und Fauna, sogar vom Aussterben bedrohte Tierarten wie der Meerotter, der in den Anden nur äußerst selten vorkommt, leben dort. Außerdem geben Reste von Felsmalereien und vorkolonialer Keramik Zeugnis von der Einzigartigkeit der seit Jahrhunderten verehrten Lagune.

2018 wurde Mamacocha von der andinen Gemeinschaft zum Naturwunder erklärt, aufgrund ihrer hohen Bedeutung für Umwelt und Ökosystem, ihrer biologischen Vielfalt und ihres hohen landschaftlichen und kulturellen Werts. Im selben Jahr wurde das Ökosystem per Gesetz zum Gebiet nationalen Schutzinteresses erklärt.

70 Familien, die im Tourismus tätig sind, profitieren von dem See. Das Tourismusministerium hat übrigens 273 Mio. Soles (79 Mio. US-Dollar) in die touristische Entwicklung des Gebietes investiert, mehr als für das Projekt Laguna Azul veranschlagt sind (60 Mio. US-Dollar).

Aus diesen Gründen lehnt die Mehrheit der lokalen und in den angrenzenden Provinzen lebenden Bevölkerung das Projekt seit seiner Präsentation im Jahr 2014 ab. Das Gerichtsurteil gibt den Beschwerden der Bevölkerung nun Recht. Eine Revision ist möglich.

http://www.inforegion.pe/269658/fallo-constitucional-protege-laguna-mamacocha-en-arequipa/

 

Staatsanwaltschaft konfisziert Baumaschinen, um Umweltschäden zu verhindern

Staatsanwaltschaft, Polizei und die Steuerbehörde Sunat haben einen Heckbagger und weitere Baumaschinen des Unternehmens Midas Industry LLC gestoppt und beschlagnahmt. Bevollmächtigter des Unternehmens ist der Russe Oleg Lipin, gegen den wegen illegaler Goldwäsche in Madre de Dios ermittelt wird. Die präventive Maßnahme diene dazu, irreparable Umweltschäden zu vermeiden, so die Umweltabteilung der Staatsanwaltschaft von Madre de Dios. Die Maschinen seien für illegale Arbeiten, etwa den Abbau von Mineralien im fließenden Gewässer, geeignet. Gegen Oleg Lipin wurden schon in früheren Jahren im Zusammenhang mit verschiedenen Firmen Verfahren wegen Geldwäsche eröffnet.

https://ojo-publico.com/1639/fiscalia-inmovilizo-maquinaria-pesada-de-minero-ruso-en-madre-de-dios

 

Konflikt Las Bambas: Angeklagte freigesprochen

Die 19 im Konflikt mit dem Bergbauunternehmen Las Bambas Angeklagten sind vom Gericht in Cotabambas freigesprochen worden. Der Richter begründete den Freispruch u.a. mit unzureichenden Beweismitteln und dem Prinzip „im Zweifel für die Angeklagten“.  Dieser Fall zeige wie andere auch die Notwendigkeit, die Gesetzesregelungen zu überprüfen, die Proteste kriminalisieren und sowohl Menschenrechtsverteidiger*innen  als auch die Umwelt in Gefahr bringen, urteilte die Nichtregierungsorganisation CooperAcción.

https://www.servindi.org/actualidad-noticias/03/03/2020/absueltos-se-hizo-justicia

 

Kampf gegen illegale Abholzungen: Argraministerium fordert Serfor-Chef zum Rücktritt auf

Luis Alberto Gonzales-Zúñiga Guzmán, Direktor der Nationalen Waldbehörde Serfor wurde Anfang März vom Agrarministerium zum Rücktritt aufgefordert. Die Aufforderung kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Behörde Initiativen gegen illegale Holzexporte ergriff. Außerdem spielt Serfor eine Schlüsselrolle im Prozess gegen die Verantwortlichen für große illegale Holzexporte nach Mexiko und in die USA im sogenannten „Fall Yacukallpa“. Die Amtszeit von Gonzales-Zúñiga dauert noch fast vier Jahre an, dennoch wurde er ohne nähere Angabe von Gründen zum Rücktritt aufgefordert.

„Jährlich werden in Peru 150.000 Hektar Wald zerstört. Das ist eine gigantische Zahl“, sagt Gonzales-Zuñiga in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Ojo Público. „Dagegen müssen wir kämpfen.“ Der Forstbereich sei von Informalität und Illegalität geprägt.  Der Fall Yakupallca habe gezeigt, dass ein Großteil des exportierten Holzes aus illegalem Holzeinschlag stammte. Trotzdem wurde exportiert. Die Regierung habe zunächst verteidigt, was nicht zu rechtfertigen sei. Jetzt gehe der Fall in seine letzte Etappe, und das Umweltministerium habe eine angemessenen Prozess versprochen.

Und ausgerechnet jetzt wird der Direktor zum Rücktritt aufgefordert, vorbei am zuständigen Vorstand der Behörde.

Serfor schätzt, dass etwa 40% der peruanischen Holzproduktion aus illegalem Holzeinschlag stammen.

https://ojo-publico.com/1650/jefe-del-serfor-minagri-solicito-mi-renuncia-como-director

https://www.servindi.org/actualidad-noticias/09/03/2020/Minagri-intenta-frenar-la-lucha-contra-la-deforestacion

 

Neues Ölunglück an der Nordküste

An der Nordküste Perus hat sich Ende März ein Ölunglück ereignet. Fischer entdeckten das auslaufende Öl in der Bucht von Cabo Blanco. Nach Angaben der Umweltbehörde OEFA hat das Unternehmen Savia Perú S.A. das Unglück am selben Tag gemeldet. Ein Bericht über Ursache und Umfang des Unglücks lag noch nicht vor und könne sich wegen der aktuellen Coronakrise noch länger hinziehen, so die OEFA.

Nach offiziellen Angaben ereigneten sich zwischen 2011 und 2019 insgesamt 40 von Savia Perú S.A. verursachte Ölunglücke. Allein in 2018 und 2019 liefen dabei 1144 Liter Öl aus.

Die Nordküste Perus weist eine besondere Artenvielfalt auf und soll deshalb zum Schutzgebiet erklärt werden.

https://es.mongabay.com/2020/03/peru-derrame-empresa-petrolera-savia-cabo-blanco/

 

 

 

Stier- und Hahnenkampf: Weder Kunst noch Kultur, sondern Folter

Das Verfassungsgericht hat eine Klage als unbegründet abgewiesen, die erreichen wollte, dass Stier- und Hahnenkämpfe in Peru als verfassungswidrig erklärt werden. Die Gesetzesinitiative, die von mehr als 5.000 Bürger*innen unterstützt wurde, wollte die Abschaffung der Ausnahmeregelung im Tierschutzgesetz (Ley N° 30407) erreichen.  Einige Richter, die gegen die Initiative stimmten,  argumentierten, eine kulturelle, seit vielen Jahren gültige Praxis lasse sich nicht verbieten. Marianella Ledesma, die Vorsitzende des Gerichts, erklärte dagegen, dass Kultur der Veränderung unterliege und dass es die Entwicklung eines Landes behindere, wenn eine Tradition der Tierquälerei aufrechterhalten werde.

https://www.servindi.org/actualidad-noticias-producciones-audios-resumen-peru-radioteca-audios/29/02/2020/mundo-indigena-peru

gesammelt von Annette Brox und Heinz Schulze

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