Im  Dezember 2013 wurde der Startschuß für den Beginn des  Kupferbergbauprojektes Toromocho  in der Region Junin, 147 km von Lima in einer Höhe von mehr als 4500 m gegeben.  Nicht nur Kupfer, sondern auch Silber, Molybdän ebenso wie Uranvorkommen sind von Interesse des mit 4,820 US$  größten in Peru durch Privatinvestitionen getätigten Bergbauprojektes. Bereits unter der Regierung von Alan Garcia wurden dem chinesischen Unternehmen Chinalco die Konzessionen, d.h. die Landnutzungsrechte  für 36 Jahre zugesprochen.  Die sich auf einem der mineralhaltigsten Berge Perus befindende Stadt Morococha muss dem weltweit zweitgrößten Kupferbergwerk weichen.  9 US Dollar pro m² bot das Unternehmen den AnwohnerInnen für den Verkauf ihrer Häuser an mit dem Ziel schlussendlich die gesamte Stadt umzusiedeln.  Mit 50 Mio Dollar hatte Chinalco weiter unten eine neue Stadt namens „Carhuacoto“ gebaut, in der es 1050 Häuser gab, die von den ErstumsiedlerInnen bezogen wurden. Deren Zustimmung hatte sich die Firma sozusagen mit propagandistisch Veranstaltungen und workshops „erkaufen“ können. Die Unterschriften auf den Teilnahmelisten wurden zugleich als Zustimmung für die Umsiedlung genutzt. Von Anfang an war die Umsetzung des Bergbauprojektes und die damit verbundene Umsiedlung umstritten und führten zu Konflikten in der betroffenen Bevölkerung, von der ein großer Teil nicht wegziehen wollte, da sie für ein anderes Gebiet der Umsiedlung gestimmt hatte. Doch dieses war ebenfalls für Bergbautätigkeiten vorgesehen. Zudem war der Bodenpreis, auf dem sich Carhuacoto befindet, wesentlich günstiger.  So stand das Umsiedlungsprojekt von Anfang an in der Kritik nicht nur aufgrund der ökologischen Konsequenzen, die der offene Tagebau mit sich bringen wird, sondern auch aufgrund der Bedingungen, unter denen die neue Stadt gebaut wurde. Sie befindet sich auf einem Feuchtgebiet nahe einer Lagune. Feuchtigkeit und Überschwemmungsgefahren sind also vorprogrammiert.  Auch sei der Boden Quecksilber durch andere Bergbauarbeiten Quecksilber verseucht.  Für die scheinbare Konfliktbeschwichtigung wurde  ein Runder Tisch eingerichtet, an dem Vertreter der Regierung, des Unternehmens und der Bevölkerung unter Moderation der katholischen Kirche zu einer für alle akzeptablen Lösung kommen sollten. Auch ein Rahmenvertrag mit der Verpflichtung auf Einhaltung der Umweltmaßnahmen und Arbeitsmöglichkeiten sollte der Runde Tisch dem Unternehmen vorlegen.

Mittlerweile haben sich die meisten Versprechungen für die Menschen jedoch als falsch und der Runde Tisch als eine Farce entpuppt. Nicht nur die 400 Familien, die sich weigern aus der alten Stadt Morococha wegzugehen, denn sie wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Häuser für sie gibt es keine und Entschädigungen sind auch nicht zu erwarten. Nachdem sie  sich aufgrund der Lage der Stadt geweigert hatten, der Umsiedlung zuzustimmen, wurden sie seitens des Unternehmens nicht mit möglichen Leistungen sei es Entschädigungszahlungen oder einem Haus berücksichtigt. Nun bietet man ihnen Zelte als provisorische Übergangslösung an, in denen sie bei Kälte und Regen unterkommen sollen bis sie sich eine neue Wohnung organisiert haben.  Nicht nur sie, sondern auch die nach Carhuacoto umgesiedelten 700 Familien fühlen sich betrogen, denn ihnen ist mittlerweile klar geworden, worauf sie sich eingelassen haben.  Nicht nur vermeintliche bessere Wohnräume wurden den BewohnerInnen zugesprochen, sondern auch die Aussicht auf Arbeit. Doch dass ein Großteil der Morocochanos und Morcochanas daran nicht teilhaben würde, war von Anfang an klar. Denn die zwischen 40 und 52 m² großen Häuser reichen nicht für die 5000 in Morococha lebenden Menschen und Arbeitsmöglichkeiten gibt es auch nur für wenige.

Um den noch bestehenden Widerstand zu brechen, hat die Regierung  bereits zwei Mal in Morococha den Ausnahmezustand  deklariert. Das Militär besetzte die Stadt und im Oktober 2013 wurden die Schulen geschlossen. Auch medizinische Versorgung gibt es seitdem keine mehr. Im Februar  wurde der Bevölkerung die elektrische Energie abgestellt und Nahrungsmittel wurden auch knapp. Seitdem sich seit Oktober die Lage somit drastisch zuzuspitzte, sind immer wieder Delegierte der Bevölkerung Morococha s in Lima und versuchen auf ihre Situation aufmerksam zu machen sowie die Verletzung der Menschenrechte, die ihnen widerfahren, einzufordern.  Mit Unterstützung des Anwalts Victor Acuña, konnten sie die Rechtswidrigkeiten, die das Unternehmen mit Unterstützung der Regierung begeht, aufweisen.  Dabei stellte sich auch heraus, dass der gesetzte Ausnahmezustand gegen die Verfassung verstößt, da die dafür notwendigen Bedingungen nicht erfüllt wurden. Dies konnte zumindest einen zwischenzeitlichen Erfolg herbeiführen: der Ausnahmezustand  wurde aufgehoben wurde und das Dorf wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Mit Anwalt Acuña  werden weitere Schritte vorbereitet, um die Regierung wegen Menschenrechtsverletzungen, d.h. dem Verweigerung von Gesundheitsversorgung, Schule und der Vertreibung aus den Häusern in Bedingungen, die nicht lebbar sind,  anzuklagen. Auch die Dekrete, die erlassen wurden, seien nicht verfassungsmäßig und das Land, auf dem sich Carhuacoto befindet, gehört eigentlich den umliegenden Bauerngemeinschaften und ein Verkauf muss, um rechtskräftig zu sein durch Zustimmung derjeweiligen Bauernversammlungen eines jeden Dorfes erfolgen. Auch dies ist nicht geschehen.

Ob dies die geforderten Entschädigungen herbeiführt und die Menschen tatsächlich auf die Umsetzung von Wohnbedingungen und Lebensmöglichkeiten hoffen und die Unterzeichnung eines Rahmenvertrags herbeigeführt werden können, ist jedoch fraglich. Denn Zelte, die die  Bevölkerung „provisorisch“ beziehen soll, stehen bereits und seit Dezember erschüttern auch Sprengungen der bereits begonnenen Arbeiten den Boden um Morococha.

Sandra Lassak

 

 

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