Dr. Maria Mayer-Scurrah ist  Spezialistin für Perus bekanntesten Beitrag an die Welternährung: die Kartoffel. KLima-Reporteros sprach mit ihr über die Kartoffel, den Klimawandel – und woher ihre Liebe zur Kartoffel rührt.

KLima-Reporteros: Sie sind als Tochter jüdisch-deutscher Eltern  die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, in den Zentralanden Perus, in Huancayo,  aufgewachsen. Woher kommt Ihre Liebe zur andinen Landwirtschaft ?

Maria Mayer:  Mein Onkel hatte ein Feld, auf dem ich ihn sehr oft besuchte. Es gefiel mir, mich mit der Arbeit dort auseinanderzusetzen. Meine Eltern hatten ein Eisenwarengeschäft und schickten mich zum Helfen aufs Feld. Sicherlich kommt daher meine Leidenschaft für die Landwirtschaft und der Entschluss, Landwirtschaft zu studieren.

KLima-Reporteros:  Sie haben dann Biologie  in den USA studiert. Wie kam es, dass Sie danach nach Peru zurückkehrten, um an der genetischen Verbesserung der Kartoffel zu arbeiten ?

Maria Mayer: Als es Zeit war meine Doktorarbeit zu schreiben, fragte mich ein Professor, ob ich nicht mit Kartoffeln arbeiten wollte und ich sagte zu. Schon damals hatte ich die Idee, nach Peru zurück zu kehren.  In Peru  war gerade die Diskussion über die „Grüne Revolution“ im Gange. Man sagte, dass man mehr Lebensmittel bräuchte, um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten. Die einzige Möglichkeit die Produktion zu steigern, sei die genetische Veränderung der Kartoffel. Die Idee war, den Bauern neues Saatgut zu geben und so die Produktion zu steigern. Aber die ganze Diskussion war auf einem sehr einfachen Niveau und wird heute kritisch angeschaut. Was wir uns fragen müssen ist, wie wir einerseits die Erträge verbessern und gleichzeitig auf unsere Böden  achten können, so dass wir eine an die Natur angepasste Landwirtschaft haben.

KLima-Reporteros:  Wie wichtig sind die genetischen Forschungen für die Anpassung der Kartoffel , im Hinblick auf den Klimawandel ?
Maria Mayer-Scurrah: Die Pflanzenforschung ist ausgesprochen wichtig für die andine Bevölkerung, da wir im Moment noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Ich glaube, dass es aus diesem Forschungszweig sehr ergiebige Ergebnisse kommen. Außerdem kann so die Anfälligkeit für Schädlinge verringert werden. Wenn man nicht so viel Spritzmittel verwenden möchte, dann muss man auf den Pflanzenzüchtung  setzen. Die andine Bevölkerung baut schon seit über 5000 Jahren Kartoffeln an und wird das auch in Zukunft tun. Sie hat Kartoffelsorten, die besonders gut der Trockenheit und der Kälte widerstehen. Wir müssen den Schatz der Kartoffeln in den Anden schützen.

KLima-Reporteros:  Den Experten zu Folge, muss die Landwirtschaft, um dem Klimawandel zu begegnen, zu den traditionellen Verfahren zurückkehren, auf Kunstdünger verzichten und stattdessen eine vielfältige Anbauweise fördern.  Kann die  andine Bevölkerung sich damit auf den Klimawandel einstellen ?
Maria Mayer: Die Bauern in den Anden passen sich bereits durch vielfältige Anbauweisen an. Jedes Jahr bewirtschaften sie ihre Felder anders, säen andere Kartoffelsorten aus. In einem trockenen Jahr bringen die auf Trockenheit unempfindlichen Kartoffeln mehr Ertrag, und in feuchten Jahren umgekehrt. Aus diesem Grund werden sich die andinen Bauern von ganz alleine an den Klimawandel anpassen, da die ungeeignete Saat mit der Zeit verloren geht. Diese Form der Anpassung ist dynamisch im Vergleich  zu derjenigen  der Keimplasmabanken.  Dort findet keine Evolution statt, und manchmal gibt es Samen, die keinen Ertrag bringen. Die Kartoffel-Genbank des Internationalen Kartoffelzentrums IPC ist nicht die grosse Errungenschaft, als die sie gerne dargestellt wird.Die Bauern in den Anden haben seit jeher ihre Kartoffel-Saaten gehütet.
KLima-Reporteros: Sie arbeiten heute mit der NRO Yanapai, die gemeinsam mit Produzenten für eine nachhaltige Landwirtschaft arbeitet. Was machen Sie da konkret ?
Maria Mayer: Im Moment arbeiten wir in Huancavelica und in Quilcas (im Valle del Mantaro), immer zusammen mit den Produzenten. Wir sind gerade dabei,  bestimmte Kartoffelsaaten  herauszusuchen, die resistent sind gegen Braunfäule.  Wenn du deine Anpflanzung nicht gegen diesen schädlichen Pilz schützst, kannst du sie in drei Tagen an ihn verlieren. Wir wollen die resistenten Kartoffeln dort anbauen und sie an die Klimazone weiter anpassen.
KLima-Reporteros:  Wie kommt es, dass der Pilz, der die Braunfäule auslöst,  auf einmal so aggressiv ist?
Maria Mayer: Auf Grund des Klimawandels konnte sich die Braunfäule  in den Anden festsetzten. Früher konnte er nur bis 3200 Meter  über dem Meeresspiegel überleben, jetzt existiert er sogar schon auf 4800 Meter Höhe. Das Klima erwärmt sich und zwingt so die Bauern nach Wegen zu suchen, Plagen wie die Braunfäule, zu bekämpfen. Früher gab es zum Beispiel auch keine Kartoffelmotten, die die Kartoffeln  bitter werden lassen. Nicht einmal die Schweine essen die Kartoffeln dann, sagen die Bauern.
KLima-Reporteros: Wie wichtig ist die COP20 für die andine Bevölkerung und die Landwirtschaft?
Maria Mayer: Nun ja, die andine Landwirtschaft ist sehr betroffen vom Klimawandel. Wenn die Temperatur um 2°C steigt, „rücken“ die Kulturen in den Anden um 200 Meter weiter nach oben, und das innerhalb von nur 20 Jahren. Außerdem werden  Krankheiten und Insekten viel aggressiver. Einige Bauern finden das gut, da sie jetzt Mais anbauen können, was früher nicht funktionierte. Die Weltklimakonferenz ist deshalb  wichtig für die peruanischen Bauern, da sie am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Ich selber erwarte nicht viel von der COP20, da im Vorfeld nichts gemacht wurde. Wichtiger ist, dass die Bauern mehr Druck auf die Regierung ausüben, damit sie dort genauso wichtig genommen werden wie die extensive Export-Landwirtschaft, die sehr viel Wasser verbraucht. Ich glaube, die einzige Institution, denen die Kleinbauern am Herzen liegen, ist das peruanische Umweltministerium. Dort gibt es viel Interesse an diesem Thema.

Interview: Claudia Acuña

Übersetzung ins Deutsche: Sarah Glaisner

 

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