In Lima soll in den nächsten zwei Wochen das Weltklima gerettet werden. Dabei hat die Millionenstadt in der Wüste allerhand damit zu tun, sich selber zu retten.Zwischen Pazifik und Andenkordillere erstreckt sich ein schmaler Streifen Erde, der zwei Wüsten eint: die Atacamawüste (Chile) im Süden und die Sechurawüste (Peru) im Norden. Dazwischen liegt Lima, mit 9 Millionen Einwohnern, nach Kairo, die weltweit zweitgrößte Stadt inmitten einer Wüste .

Im Gegensatz zur ägyptischen Großstadt, besitzt Lima  weniger als ein Prozent der Wassermenge des Nils, um 80 Prozent seines Trinkwasserbedarfs zu decken. Ist so etwas wie nachhaltige Stadtentwicklung unter diesen Bedingungen überhaupt möglich und wie kann sie aussehen ?

Vor der Nachhaltigkeit

Sofia Castro, Volkswirtin und Expertin für ökologische Entwicklung, erklärt, dass eine Stadt nachhaltig ist, wenn sie ihre Ressourcen auf intelligente Weise einsetzt, so dass auch die Bedürfnisse der kommenden Generation nicht aus dem Blick verloren werden.

Für Castro, die auch Teil der Organisation Climate Smart Cities ist, muss Lima, bevor es eine nachhaltige Stadt werden kann, erst bestimmte Vorbedingungen erfüllen: Lima muss zu einer  klima-resistenten Stadt werden und seine CO2-Emissionen verringern.

Und woher kommt das Wasser ?

Die erste Herausforderung ist die Wassernutzung. Bis heute sind um die 40 Prozent der Gletscher Perus abgeschmolzen. Deshalb ist es notwendig eine ideale Wassernutzungsplanung zu entwickeln, um kurzfristig die Ankunft einer großen Wassermenge und langfristig dem Mangel dieser Ressource zu begegnen.

Denn der Wasserbedarf Limas wird wachsen: einenhalb Millionen Limeños leben noch immer ohne Wasser- und Abwasserversorgung in ihren Häusern.
Sie kaufen teures Wasser aus Tankwagen, die jeden Tag die kahlen Hügel Limas hochfahren. Laut dem Movimiento Peruanos sin Agua (Bewegung der Peruaner ohne Wasser), “zahlt die nicht ans Wassernetz angeschlossene Bevölkerung bis zu zehnmal soviel für den Kubikmeter Wasser als der Tarif der peruanischen Wassergesellschaft Servicio de Agua Potabley Alcantarrillado de Lima (Sedapal) vorgibt.”

Der Energieverbrauch ist in Lima eng mit dem Wasser verknüpft. Ein Drittel der Energie wird in Wasserkraftwerken produziert. In Lima lebt heute ein Drittel der Gesamtbevölkerung Perus und produziert fast 50% des Bruttosozialprodukts. Das spiegelt sich in einem hohem Energiebedarf wieder.
Zum anderen ist da der Ausstoß der Treibhausgase, vor allem der CO2 Ausstoß. Lima befindet sich unter den am meisten verschmutzten Städten. Gegenwärtig stammt ein Großteil der Emissionen vom Transportsektor, der Industrie, den Geschäfts- und Privatgebäuden, dem Abfall und dem Abwasser.

“Der Smog in Lima ist schrecklich.”, erzählt Manuel Zambrano (37), der im Stadtteil Los Olivos (im Norden Limas) wohnt. “Ein weiteres großes Problem ist der Müll. Es gibt viele Orte an denen der Müll und der Gestank unerträglich sind. Zum Beispiel im Zentrum von Lima, besonders in den Hauptstraßen Positos und Alfonso Ugarte.”

Ans Werk
Aber diese Herausforderungen anzugehen ist schwierig. In der Tat gibt es Maßnahmen, die abgesehen von der Bekämpfung des Klimawandels und einem Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt, auch, dank wirtschaftlicher Einsparungen, Einnahmen für den Staat, den Privatsektor und die Familien generieren.

In diesem Zusammenhang erklärt Castro, dass zwei der zehn attraktivsten Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase mit Veränderungen im täglichen Leben zu tun haben. Da wäre der Austausch der klapprigen Kleinbusse, “Combis” genannt, durch Omnibusse, die den EURO IV Standard haben, wie sie im Moment im Corredor Azul (Blauer Korridor) des Transportsystems in Lima eingesetzt werden. “Das würde große wirtschaftliche Einsparungen und eine Verringerung des CO2 Ausstoßes bewirken.” stellt sie fest.

Laut der Volkswirtin wäre diese Lösung auch sozial akzeptabel, weil die Leute Zeit sparen und sauberere Luft einatmen. Yakelin Rojas (34), die in dem Distrikt Ventanilla (in der Region Callao) wohnt, braucht drei Stunden täglich für den Weg von ihrem Haus zu ihrem Arbeitsort, Schönheitssalon.

“Ich habe mich bereits an die Strecke gewöhnt, aber manchmal macht mir die Geschwindigkeit der Busse Angst. Außerdem gibt es morgens mehrere Lastwägen, die ihre Fahrspur nicht respektieren und sich überall reindrängen.” erzählt sie.

“Es ist nicht nur der Zeitfaktor sondern auch die schlechte Behandlung zwischen den Fahrern und Kassieren, und den Fahrgästen. Wenn zuviel Verkehr herrscht, schlagen einige Fahrgäste, die schnell ankommen wollen, gegen das Metall der Busse und beschimpfen den Fahrer. Aber auch die Fahrer und Kassierer zeigen einen Mangel an Respekt gegenüber den Fahrgästen.”

Ein anderes Licht

Die zweite Maßnahme ist die Nutzung von LED-Leuchten in den Häusern. Die verbrauchen weniger Energie  und haben  eine längere Lebensdauer  als die herkömmlichen Glühbirnen. “Das ist eine relativ einfache Maßnahme: jeder kann zu Hause seine Glühbirnen auswechseln”, meint Castro.  Ziel ist es, dass bis 2020 durch den Austausch von Glühbirnen durch LED-Leuchten, der Energieverbrauch um 50 Prozent gesenkt werden kann und bis 2030 um 100 Prozent.

In Yakelin Rojas´Wohnung brennen bereits LED-Leuchten. Außerdem hält sie sich an Regeln, um den Verbrauch von Wasser und Energie zu verringern. “In meinem Haus machen wir nur das Licht in dem Raum an, in dem wir uns aufhalten. Außerdem sage ich meinem Mann und Kindern, dass wir beim Duschen nur das benötigte Wasser benutzen.”, führt Rojas  weiter aus.
“Früher, als es noch keine Wasserzähler in dem Gebiet gab, in dem ich wohne, gossen die Personen das Wasser auf die Straße um diese zu putzen. Mit den Wasserzählern machen sie das nicht mehr. Jetzt rechnet jeder wieviel Wasser er verbraucht.”, fügt Rojas hinzu.
Auch mit kleinen Massnahmen im täglichen Leben kann man etwas ändern. “Eine Stadt muss seine Ressorcen auf intelligente Weise nutzen. Die Maßnahmen müssen alle drei Dimensionen in Betracht ziehen: die Wirtschaft, die soziale Entwicklung und den Schutz der Umwelt. Das garantiert eine geordnete, geplante, ausgeglichene und umweltverantwortliche Stadt” ,schließt sie.
Autorin: Emily Espinoza
Übersetzt aus dem Spanischen von Marie Ludewig

 

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