Seit einer Woche trifft sich die Welt in Lima, und die Limenos bekommen davon kaum etwas mit. Wie denn auch: die Klimaschuetzer haben im Armee-Hauptquartier in San Borja Quartier bezogen. Ein grosses , umzäuntes und hoch gesichertes Gelände, das wegen seines betonstrotzenden Hauptgebäudes im Anlehnung an das US-amerikanische Verteidigungsministerium auch „pentagonito“ genannt wird.  Hinein kommt da nur, wer akkreditiert ist: die globale Technokraten-Elite der internationalen Institutionen, die gewieften Verhandlungsführer der Nationalstaaten, internationale Umweltaktivisten, Journalisten. Für die spielt es keine Rolle, ob sie sich in Lima, Peking, Nairobi oder Hintertupfing treffen. Ihr Klimaabkommen können sie überall aushandeln.

Was also bringt diese COP 20 für Peru ? Und inwiefern spielt es für die Verhandlungen vielleicht doch eine Rolle, dass die Klimakonferenz in einem lateinamerikanischen Land stattfindet ? Vielleicht hat der Austragungsort doch ein wenig Einfluss.  Da ist  die sichtbare Präsenz der Indigenen des Amazonasgebietes. Die Bedrohungen, die das Amazonasgebiet und seine Bewohner erfahren, sind durch den Klimawandel keine lokale Angelegenheit mehr. Jeder Amazonasbaum, der gefällt wird, schlägt auf das Weltklima zurück. Und wer könne das besser verhindern, als seine angestammten Bewohner, so die Argumentation der Indigenas ?  Allerdings spielen sie in ihren eigenen Nationalstaaten, welche die Verhandlungsfuehrer stellen, keine besonders grosse Rolle: die setzen nämlich alle – egal ob links oder rechts – auf Wirtschaftswachstum. Und das wird auch in Lima an der COP bisher nicht hinterfragt.

Hat wenigstens Peru etwas davon, dass es Austragungsort dieser Weltkonferenz ist ? Falls es organisatorisch weiterhin so gut läuft, hat Peru sicher einen Imagegewinn – ein Entwicklungsland ist fähig, eine solche Konferenz auf die Beine zu stellen.  Zum anderen ist da die leichte Hoffnung bei der kleinen Gruppe der peruanischen Umweltaktivisten, dass die Konferenz dazu beitragen könnte, dass sich mehr Peruaner für Umweltthemen engagieren oder überhaupt erst mal informieren.  Wenn man einen Blick in die peruanischen Medien wirft, dann schrumpft diese Hoffnung betraechtlich. Die COP20- das ist ein Gipfel der KLimaspezialisten, der rein zufällig dieses Jahr in der Wüste von Lima stattfindet.

Immerhin hat heute der Gegengipfel der Völker begonnen, und am 10. Dezember wird ein grosser Protestmarsch durch Lima stattfinden.  Der wird einmal mehr auf die vielen Widersprüche aufmerksam machen, auf die man in Peru – aber nicht nur hier – in Sachen Klimaschutz allenthalben stösst: das jüngste Wachstums-Ankurbelungspaket der Regierung setzte Umweltregelungen aus; Umweltschützer werden weiterhin als Staatsfeinde angeschaut; der „Entwicklung = mehr Konsumgueter“ – Ideologie ist  unwidersprochen.

Die jungen KLima-Reporteros der InfostellePperu   begleiten diese COP mit lokalen Geschichten für unsere deutschen und peruanischen Leser.

Geschichten, die aufzeigen, wie widersprüchlich und himmelschreiend auch hier umweltpolitischer Anspruch und Realitaet auseinanderklaffen.

Hildegard Willer

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