Der Fluss Amazonas, kürzlich zum Naturweltwunder gekürt, birgt nicht nur eine biologische Artenvielfalt, sondern ist als CO2-Senke wichtig für den Kampf gegen den Klimawandel. Erderwärmung und die Abholzung der Wälder bedrohen das Leben in und am Fluss.

Ein Bericht von KLima-Reporterin Rosa Laura Gerónimo
klima (2)Der Amazonas-Regenwald, die grüne Lunge des Planeten, wird von einer langen, breiten und gewellten Wasserschlange durchquert: der Fluss des Amazonas, der wasserreichste der Erde. 1541 entdeckt durch den Forscher Francisco de Orellana, bekam der Fluss seinen Namen wegen eines Zusammenstosses zwischen dem Forscher und einer indigenen Gruppe, die Orellana als sehr starke und mutige Kriegerinnen beschreibt. Dieser indigenen Gruppe gibt er den Namen „Amazonen“.
Der Fluss entspringt in den peruanischen Anden und mündet in den Atlantischen Ozean. Der Amazonas – Fluss und seine Abzweigungen druchqueren 9 Länder: Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Venezuela, Guyana, Französisch-Guyana und Suriname. Nichtsdestotrotz befindet sich 60% des Flussbetts in Brasilien. Abgesehen davon, dass er außerordentlich wichtig für den Handel und die Verbindung zwischen den Ortschaften ist, stellt der Amazonas auch ein sehr vielseitiges Ökosystem dar: mehr als Zweitausend Fischarten leben im Amazonas ( Zehnmal mehr als in ganz Europa). Außerdem verkörpert der Fluss ein Fünftel des Süßwassers der ganzen Erde.
Klimawandel im Amazonas
Der Fluss des Amazonas ist in zentrales Element bei der Bekämpfung des Kimawandels, da er eine wichtige CO2-Senke darstellt. Nährstoffe, wie Eisen und Phosphor, durchfliessen die Strömung des Flusses, absorbieren Kohlenstoff und Stickstoff aus der Umgebung und verwandeln es in organische Feststoffe, die später in den Tiefen des Atlantiks verschwinden. Auf diese Art wird erreicht, dass das CO2 als Hauptverantwortlicher für den Klimawandel verringert wird. Gleichwohl erzeugen die Dürren einen gegenteiligen Effekt. Der Zyklus der Regeneration der Pflanzen ist durch die geringere Masse an Wasser beeinträchtigt und wird somit in seiner Fähigkeit, Kohlenstoff zu absorbieren, eingeschränkt.
Dieser Fluss war in einem konstanten Wandel seit seiner Entstehung. Sein Flussbett hat sich mit der Zeit verändert, so dass einige Wissenschaftler sogar bestätigen, dass der Fluss in einer Epoche im Pazifik mündete. Trotzdem haben sich in den letzten Jahren verschiedene extreme Phänomene in seinem Flussbecken abgespielt, die den Rahmen der natürlichen Schwankungen sprengen und sehr wohl als Folgen des Klimawandels bezeichnet werden können.
Ein Fluss aus dem Gleichgewicht
Die Wandel der Wasserströme im Amazonas zeigen ein Verhalten, das Besorgnis erregt: innerhalb von fünf Jahren haben zwei schlimme Dürren stattgefunden. Armando Aramayo, Profesor der Agrarunivesität La Molina und Spezialist für Klimawandel, erklärt, dass der Amazonas ein feines hydrologisches Gleichgewicht besitzt. „Fast 55% der Feuchtigkeit wird im gleichen System wiederverwendet, weshalb bei Abholzungen der Wasserzyklus verändert und die Menge an Wasser, die das System enthält, verringert wird.“ Er deutet daraufhin, dass bei der Überschreitung einer gewissen Schwelle, der Wasserzyklus zusammenbrechen könnte. Jhan Carlo Espinoza, Forscher am „Insituto Geofísico del Perú“, zufolge, könnte die Temperatur des Atlantiks steigen, wonach Ereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen häufiger auftreten würden.
Normalerweise gibt es eine gewisse Regelmäßigkeit im Muster der Überschwemmungen, wobei alle zehn Jahre eine besondere Zunahme erwartet wird. Es lagen jedoch nur 20 Monate zwischen dem niedrigsten Stand des Amazonas-Flusses (September 2010) und dem höchsten (April 2012). Dieser letzte war zur gleichen Zeit auch der höchste der letzten 20 Jahre. Dieses Mal waren alleine in Loreto, Peru, 180.000 Menschen von den Überschwemmungen betroffen.
Andere extreme Geschehnisse waren die Dürren, die zwischen 2005 und 2010 in Brasilien stattgefunden haben. Mehrere Zuflüsse des Amazonas sind entweder komplett ausgetrocknet oder ihre Strömungen waren so niedrig, dass Millionen an Tieren gestorben sind. Es musste sogar Wasser mit der Hilfe von Hubschraubern zu den Gemeinden des Amazonas gebracht werden.
Auch wenn einige Wissenschaftler bestätigen, dass nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden kann, dass diese Ereignisse Folgen des Klimawandels sind, findet Aramayo, dass es an einer Verbindung mehrer Ursachen liegt, die den Klimawandel beinhalten. „Es ist nicht nur die Schuld dieses Phänomens. Es geschieht wegen dem direkten Einfluss der Menschen, wie es der Fall ist bei der Abholzung ist, sowie wegen dem indirekten Einfluss, der Klimawandel“, bezeugt Aramayo. Espinoza seinerseits glaubt, dass der Eingriff des Menschen im Flussbett des Amazonas (Wandel in der Benutzung der Erdböden, Abholzung, usw.) Hauptverursacher der Schäden sind wegen der Degradierung, die das Ökosystem verursacht.
Indigene Gemeinschaften angesichts des Klimawandels
Dieser Wandel des Amazonas beeinflusst die Gemeinschaften, die mehrheitlich an den Flussufern leben. Die letzten Jahre lang haben sie ihre produktiven Tätigkeiten verändert, in dem sie die Säh-und Erntezeiten einiger Produkte variiert haben. Sandra Ríos Torres, Forscherin des Insituts für Forschungen des peruanischen Amazonas, erklärt, dass in dieser Gegend der Landwirtschaftszyklus von den Wachstumsperioden (die Strömung des Flusses steigt) und den Ebben (die Strömung des Flusses sinkt) abhängt. Diese wurden durch den Klimawandel verändert. „Heutzutage ist die Ebbe etwas verspätet und die Fluten ebenfalls, so dass die Gemeinschaften sich an diese Veränderungen anpassen müssen und sich ihr Landwirtschaftszyklus ändert“, bestätigt Sandra Ríos. Von diesen Zyklen hängen die wirtschaftlichen Tätigkeiten ab, die die Familienwirtschaften und Teile der regionalen Dinamik des Amazonas bewegen.
Die Wahrheit ist, dass die Folgen des Klimawandels schon in diesen Gegenden des Planeten zu spüren sind. Deswegen arbeiten verschiedene Organisationen zusammen mit den Gemeinschaften in Projekten, die diese Phänomene bekämpfen sollen
Ein Projekt ist EBA Amazonas. Renzo Piana, Koordinator des Projekts, das vom Programm der Vereinten Nationen für die Entwicklung (PNUD) verwaltet wird, erklärt, dass es Ziel des Projekts ist, Anpassungsmaßnahmen durchzuführen. Diese Maßnahmen sollen es ermöglichen die Resilienz der indigenen Völker gegen den Klimawandel zu erhöhen und die Verletzlichkeit gegenüber diesem Phänomen zu verringern. Für Piana sind, nichtsdestotrotz, die drei Hauptprobleme, mit denen die Gemeinden des Amazonas konfrontiert sind, die alluvialen Goldminen, die Gewinnung an Kohlenwasserstoffen und die illegale Abholzung. Diese Aktivitäten, die vom Staat kaum überwacht werden, verschmutzen und zerstören die Ökosysteme, so dass sie zur Erderwärmung beitragen.
Klimawandel gefühlt
Ein Schlüsselaspekt bei der Bekämpfung des Klimawandels ist, dass die Personen sich diesen Problemen bewusst werden und auf diese Weise ihre schädlichen Gewohnheiten gegenüber der Natur ändern können. Im Amazonasgebiet, behauptet Ríos Torres, gibt es noch keine klare Verknüpfung zwischen den Ursachen und den Folgen des Phänomens. „Im Institut zur Forschung des Peruanischen Amazonas sind wir am Erarbeiten einer Studie, um das Empfinden der Bevölkerung zu ermitteln. Sie haben ihre Tätigkeiten geändert, jedoch empfinden sie dies nicht nicht als Folgen des Klimawandels. Wenn sie es nicht identifizieren, können wir weder von der Anpassung an das Phänomen reden, noch gemeinsam an Maßnahmen arbeiten, um ihm entgegenzuwirken. Es ist wichtig, dieses Empfinden es zu veranschaulichen“, versichert die Forscherin.

Text. Rosa Laura Gerónimo
Übersetzung ins Deutsche: Anna Rutz

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.