In Satipo hat die Klima-Partnerschaft München hautnah erfahren, wie Militär, Drogen, Korruption und Politik zusammenspielen können.

„Ich kenne nur Menschen“! Eigentlich ein gutes Motto für Politiker. Aber Cesar Agusto Merea Tello, Ex-Bürgermeister in der Provinz Satipo im zentralen peruanischen Regenwald, schmetterte damit alle Forderungen der dort lebenden indigenen BewohnerInnen (Asháninka) ab, um seine Interessen, sprich die seiner städtischen Clique,  durchzusetzen. Was ist nun so besonders interessant, dass sein Beispiel exemplarisch hier vorgestellt wird?

Für die Kooperation „München-Asháninka“  hatte dies Konsequenzen, weil er jeglicher Kooperation im Sinne einer Klimapartnerschaft eine Absage erteilte.  Er ist ein gutes Beispiel dafür,  wie  in bestimmten Regionen Korruption und die Drogenmafia in die Justiz und Regierung eindringen, und wie man trotz anrüchiger Vorgeschichte in bestimmten peruanischen Parteien Karriere machen kann.
Merea war Chef des Militärkommandos im Bezirk Satipo (Provinz Junin). Aus seinem Büro „verschwanden“ 1996 sechs größere Säcke mit Kokain. Deswegen wurde er 1998 zu 14 Jahren verurteilt. In der Berufungsinstanz wurde er dann durch den Richter A. Rodriguez Medrano frei gesprochen. Dieser Richter gehörte zum Netz des Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos unter Präsident Fujimori. Richter Rodriguez Medrano seinerseits saß von 2011 bis 2008 eine Gefängnisstrafe ab wegen nachgewiesener Korruption und „Freisprüchen gegen Bezahlung“.

Merea war nach seinem Freispruch wieder im Militärdienst. Er wurde 2004 erneut angeklagt, weil er Leute vom mexikanischen Drogenkartell Tijuana in seinem Militärkasino in der nördlichen Küstenstadt Piura wohnen ließ. Dieser Prozess sandelte vor sich hin. Von 2006 bis 2013 war er dann Bürgermeister in seiner früheren Garnisonsstadt Satipo im zentralen Regenwald. 2010 bemängelte ein mit dem Verfahren neu beauftragter Ermittlungsrichter, dass „die Akte Merea“ aus dem Justizapparat „verschwunden wurde“.
Die Sonderermittlerinnen für Drogenangelegenheiten, Sonia Medina und Julia Principe, listeten ihn in einer Anhörung vor dem peruanischen Parlament als einen von 11 Bürgermeistern auf, die direkt mit der Drogenmafia verbunden sind. All das hielt Merea nicht davon ab, dass er oder einer seiner Verbündeten in der Provinzregierung alle MitarbeiterInnen montags früh vor dem Rathaus antreten ließ, um die Nationalhymne zu singen und lange Reden über die ethische Verantwortung der  Verwaltungsangestellten  anzuhören.
Bei den letzten Bürgermeisterwahlen trat er nochmals an, verlor aber gegen den erfolgreichen und geschätzten Bürgermeister des Nachbardistriktes Rio Negro, Jose Zevallos Ramirez. Dieser konnte sein Amt nicht antreten, weil er knapp davor bei einem bislang ungeklärten Autounfall im Fluss Perene ertrank. Seine zwei Mitfahrer und der Fahrer (der früher Fahrer von Merea war) konnten  sich retten. Ein ehemaliger Verbündeter zitierte danach im Lokalradio von Satipo, was Merea ihm gesagt haben soll : „Der Zevallos ist gut tot, der Verräter hat es so verdient“.
Seit 2015 läuft ein neues Verfahren gegen Merea wegen Geldwäsche, Veruntreuung und Drogengeschäften.
Die Provinzverwaltung unter dem damaligen Vizekandidaten und jetzigen Bürgermeister arbeitet die Veruntreuungen durch Merea auf.   Nach einer  Veranstaltung im Rathaus,  bei der sie die Unterschlagungen von Merea öffentlich machten,  erhielten städtische Angestellte  sehr deutliche Todesdrohungen durch „Geheimdienstmilitärs“, für den Fall, dass sie dort weiter arbeiten würden. Sie mussten daraufhin ihren Dienst aufkündigen.
Erstaunlich: César Augusto Merea Tello wurde, trotz seiner Vorgeschichte,  von der Partei von  Keiko Fujimori zum  Chef ihres Wahlkampfteams im zentralen Regenwald gemacht. In dieser Funktion organisierte und finanzierte Merea eine große Wahlkampfveranstaltung im März 2016 mit ca. 3.000 Personen in Satipo, zu der er die Leute mit ca. 100 Kleinlastwagen  aus dem zentralen Regenwald herankutschierte. Die Kosten für einen Lastwagen pro Tag betragen ca. 150 Euro.
Ah, und was hat Karl May damit zu tun? Merea nannte und nennt sich Charly May, spanisch halt für Karl May.
(Aus: Caretas, Lima, Inforegion, u.a. 27.5.16, gekürzte Übersetzung Heinz Schulze)

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