Glückwunsch für eine Legende.

Anlässlich ihres 89ten Geburtstags gratulierte Servindi (Servicio de Comunicación Intercultural, Peru) seiner Aktivistin und Mit-Gründerin Käthe Meentzen mit einer ausführlichen Würdigung.

Die Aufzählung der Aktivitäten und Verdienste von Käthe, die ihren Ruhestand nicht in Bremen genießen, sondern in Peru im Unruhestand leben wollte und will, weckte in uns zahlreiche Erinnerungen. Gemeinsam engagierten wir uns (im Arbeitskreis ILV) beim Aufdecken dubioser Aktivitäten und Widersprüchlichkeiten der (nordamerikanischen) evangelikalen Wycliff Bibelübersetzer, die als Instituto Lingüístico de Verano – ILV – ihre Mission als Menschenfischer und Sprachforscher im amazonischen Regenwald entfalteten und die frohe Botschaft unserer Zivilisation verkündeten, bis sie auf Geheiß der Regierung ihre Basisstation im Urwald räumen und Peru verlassen mussten.

Aus München und Lima zogen wir an einem Strang, als es in den 80er Jahren um das autoritäre und neokoloniale Gehabe des  Münchner Filmemachers Werner Herzog bei den Dreharbeiten zum Film Fitzcarraldo im Gebiet der Awajún ging. Wir vom Lateinamerika-Komitee in München brachten ein eigenes Theaterstück Die Aguaruna und der Zorn des Werner Herzogs zur Aufführung, Käthe steuerte Fotos zur Broschüre bei, und wir demonstrierten bei der Premiere mit dem King himself und mit mäßigem Erfolg – er winkte uns sozusagen huldvoll aus dem Weg.

Foto: Archiv Käthe Meentzen

 

Käthe Meentzen war sehr aktiv beim sog. IV Tribunal Russel 1980, bei dem unter anderem der damalige Awajún-Sprecher und Leiter des kurz zuvor gegründeten Dachverbandes der indigenen Regenwaldvölker Perus AIDESEP, Evaristo Nugkuag, als Ankläger auftrat. Käthe war beteiligt an der Gründung der COICA – Coordinadora Indígena de la Cuenca Amazónica – in Lima 1984, in der sich indigene Organisationen der neun Amazonas-Länder zusammenschlossen.

Ab 1985 bis 1994 arbeitete sie verantwortlich für mehrere Projekte (Gesundheit, Landfrauen und Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion) zusammen mit Fachkräften in einer von Bauern in Huancavelica gegründeten Organisation von indigenen Dorfgemeinschaften.

Sehr wichtig war ihr Engagement für die Gründung der Notstands-Kommission der Asháninka CEA 1994 nach den Verbrechen an dieser indigenen Bevölkerung im zentralen Regenwald Perus, in diesem Fall insbesondere durch die Terrorgruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad). Aus dieser Notstandskommission wurde später der Regionalzusammenschluss der indigenen Bevölkerung, ARPI. Aus Käthes Arbeit mit der Notstandskommission und unserer Peru-Arbeit in München entwickelte sich dann, weil wir uns kannten, die noch bestehende Klimapartnerschaft Münchens mit dem Volk der Asháninka.

Besonders zu erwähnen ist ihr Engagement bei der Gründung von SERVINDI. Jorge Agurto, ihr Kollege dort, erinnert daran, dass die ersten elektronischen Rundbriefe gerade mal ein Dutzend Personen erreichten und diese Informationsquelle für den Bereich Regenwald/Indigene/Umwelt heute viele tausende Bezieher*innen hat: in Peru, Lateinamerika und darüber hinaus.

Käthe engagiert sich und sie leidet immer wieder, wenn indigene Organisationen grobe Fehler machen und indigene Führer*innen sich korrumpieren lassen. Ihre Kritik wird in indigenen Organisationen gehört, ernst genommen, oft auch akzeptiert, weil sie eben von einer Persönlichkeit ausgesprochen wird, die stets beste Freundin war, ist und sein wird.

Der Würdigung und den Glückwünschen ihrer Kolleg*innen von SERVINDI können wir uns als Informationsstelle Peru e.V. nur anschließen – und in diesem Fall möchten es die Autor*innen gern unbedingt auch persönlich tun.

Wir wünschen Käthe vor allem Gesundheit und eine schöne, ruhige Zeit bei Musik in ihrem Häuschen mit dem grünen Hausgärtchen, und, dass die Kolibris sie in diesem „Selva-Garten“ ganz oft besuchen.

 

Liebe Käthe, du hast unsere Zuneigung und unseren Respekt, unsere Freundschaft und Bewunderung.

 

Trudi und Heinz Schulze

 

 

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