Ein Nachruf

Ich habe Julio das erste Mal getroffen, als er 1999 zum Tag der Menschenkette der damaligen weltweiten Erlaßjahr2000-Kampagne um den G8-Gipfel in Köln kam und als Vertreter der peruanischen Entschuldungsbewegung zusammen mit Rómulo Torres sich an einer Veranstaltung zum Schuldenproblem Perus beteiligte, die Günter Bruder von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Freiburg und ich vorbereitet hatten. Julio arbeitete damals bei der ONG DESCO-Centro de Estudios y Promoción del Desarrollo, Rómulo bei der ONG Forum Solidaridad Perú. Beide Organisationen gehörten damals zur Mesa de Trabajo Deuda y Desarollo Perú, unser Kooperations- und Ansprechpartner bei unserer Arbeit für die Entschuldung Perus.

Bereits am 18. und 19. September 2000  kam er mit Amparo Huaman vom Forum Solidaridad Perú und Humberto Ortiz von CEAS (bischöfliche Sozialkommission), beide ebenfalls Mitglieder der Mesa de Trabajo Deuda y Desarollo Perú, wieder nach Deutschland zu einem Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Mitgliedern des deutschen Koordinierungskreises „Peru – Entwicklung braucht Entschuldung“, Vertretern von Misereor , Brot für die Welt und der Erlassjahr-Kampagne.  Wir haben uns zwei Tage lang über die Schuldenprobleme Perus und möglich Lösungsstrategien ausgetauscht und übereinstimmende Positionen, offene Fragen für die weitere Diskussion und anstehende Aufgaben in einer gemeinsamen Schlusserklärung festgestellt. Dadurch wurde eine gemeinsame Basis für die weitere Zusammenarbeit an der gemeinsamen Aufgabe hergestellt. Eine der Forderungen dieser Erklärung  war eine vorrangige Beteiligung der Zivilgesellschaft im Prozess der Entschuldung bei der Verwaltung, dem Monitoring und der Überwachung der im Rahmen der Entschuldung geschaffenen Fonds. Die Zivilgesellschaft sollte ebenfalls an der Entscheidungsfindung über künftige Kreditaufnahme (Neuverschuldung) beteiligt sein. Damit die Entschuldung der Bevölkerungsmehrheit des Schuldnerlandes zu Gute  kommt, sollten alternative Bedingungen wie die vorrangige Partizipation der Bevölkerung und ein Beitrag zu nachhaltigen Prozessen ganzheitlicher Entwicklung gewährleistet sein.

 

Ganz im Sinne dieser Forderung hatten wir schließlich gemeinsam einen Gegenwertfonds mit Beteiligung der Zivilgesellschaft durchgesetzt: im Comité Tripartito, das die Entscheidungen über die Vergabe der Gelder des Fonds traf, saßen auch zwei gewählte Vertreter*innen der peruanischen Zivilgesellschaft. In der Gründungsphase des Fonds 2002, in der die Ziele und Regeln des Fonds festgelegt wurden, als auch im ersten Jahr der Arbeit des Fonds 2003 war Julio einer der Vertreter der Zivilgesellschaft im Comité Tripartito. Er schied aus dem Comité im Mai 2004 aus, weil er Vizeminister für Arbeit in der Regierung Toledo wurde.

 

Ich habe Julio damals als kompetenten, freundlichen und kooperativen Partner erlebt.

 

Seither haben wir uns aus den Augen verloren. Er hat die letzten Jahre als Beschäftigungs-Spezialist für das ILO-Büro für die Andenländer in Lima gearbeitet und dort eine Studie über informelle Beschäftigung in Peru erstellt.  Er war Professor der Universidad Nacional de Ingeniería und der Pontificia Universidad Católica del Perú. Er war Mitgründer und Mitverantwortlicher des Blogs  www.trabajodigno.pe . Er hat für die ONG Red GE eine Studie über die Auswirkungen des Freihandelsabkommens Perus mit den USA auf die Beschäftigung gemacht.  Im Auftrag vor Oxfam hat er für die Studie „Mangos mit Makel – Die Marktmacht deutscher Supermarktketten und unfaire Arbeitsbedingungen in Peru“  die Handelsbeziehungen zwischen Erzeugern, Ex- und Importeuren beleuchtet, während die ONG Aurora Vivar die Arbeitsbedingungen in Peru untersucht hat.

 

Julio ist am 14. August an COVID 19 gestorben. Auch wenn wir die letzten Jahre keinen Kontakt mehr hatten: er wird fehlen – in Peru, das zeigen die vielen Nachrufe peruanischer ONGs,  und für die gemeinsame Arbeit für eine Veränderung in Peru, eine Veränderung unserer Beziehungen zu Peru und in Deutschland.

 

Jimi Merk

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