Das deutsche Wort „Partnerschaft“ ist aus so manch katholischer Gemeinde Perus nicht mehr wegzudenken.  Vor 30 Jahren beschlossen die Erzdiözese Freiburg und die katholische Kirche Perus das Partnerschaftsabkommen. Fast mit vom Anfang an dabei ist Jürgen Huber, der seit 1991 das Partnerschaftsbüro der Erzdiözese Freiburg in Lima leitet.  Hildegard Willer hat ihn für InfoPeru interviewt.

Infoperu: wie kam es in Freiburg von einer Patenschaft zur Partnerschaft ?

Jürgen Huber: Die Partnerschaft entstand formell aus einer Patenschaft, die deutsche Diözesen für je ein lateinamerikanisches Land übernommen hatten. In Freiburg wurden vor allem Laienverbände wie die Katholische Arbeiterjugend aktiv, die den damaligen Domkapitular Zwingmann anmierten, eine offizielle Partnerschaft zwischen beiden Kirchen zu etablieren. 1986, also vor 30 Jahren, begann die Partnerschaft zwischen der Erzdiözese und der peruanischen Kirche mit einem Gottesdienst im Freiburger Münster mit Kardinal Landazuri.

 

InfoPeru: Wie sieht die Bilanz von 30 Jahren Peru-Partnerschaft aus, wenn man die Zahlen ansieht?

Jürgen Huber: Wenn man nur die Zahlen ansieht, ist einiges zusammengekommen:

– 200 Partnerschaftskontakte zwischen Pfarreien und Verbänden in Freiburg und Pfarreien in Peru. Davon sind heute 130 Gemeindepartnerschaften aktiv. Rund 70 Kontakte  wurden wieder aufgelöst oder sind eingeschlafen.

– Mindestens 1600 Besucher aus Freiburg haben ihre Partner in Peru besucht, umgekehrt sind mindestens 1000 Peruaner und Peruanerinnen im Rahmen der Partnerschaft nach Freiburg gereist.

– Üer 250 deutsche Jugendliche aus Freiburg haben ein einjähriges „Voluntariado“ in einer peruanischen Partnereinrichtung geleistet

– 24 peruanische junge Menschen konnten ein einjähriges „Voluntariado“ in Freiburg absolvieren. Dieser umgekehrte Freiwilligendienst geht auf eine Initiative von ehemaligen deutschen „voluntarios“ aus Freiburg zurück, die sich im Verein „Color Esperanza“ zusammengeschlossen haben.

 

InfoPeru: Und wie sieht die Bilanz bei den Geldflüssen aus ?

Jürgen Huber:  Unsere Partnerschaftsarbeit steht auf vier Pfeilern: Spiritualität, Kommunikation (dazu gehören auch die gegenseitigen Besuche); Organisation und Solidarität. Zur Solidarität kann auch finanzielle Untersttützung gehören, wie die Hilfe beim Bau einer Kirche, einer Gesundheitsstation oder einer Gemeinschaftsküche. Die finanzielle Unterstützung läuft direkt zwischen den Pfarreien, deshalb haben wir im Partnerschaftsbüro keinen Überblick über die geflossenen Geldsummen.

Der transparente Umgang mit Geld ist und bleibt eine Herausforderung für die Partnerschaft. Einige Partnerschaften sind aufgelöst worden, weil Gemeinden und die Pfarrer dachten, dass es nur um finanzielle Hilfe ginge. Andererseits haben wir aber auch viele Gemeindepartnerschaften, die verstanden haben, dass die finanzielle Hilfe nicht an erster Stelle kommt.

 

InfoPeru: Vor welchen Herausforderungen steht die Partnerschaft 30 Jahre nach ihrer Gründung ?

Jürgen Huber:  Wichtig ist zum einen, dass wir auf peruanischer Seite die Partnerschaften  in den Regionen verankern, und dazu auch nicht-kirchliche Stellen mit einbeziehen können, z.B. Schulen, Universitäten oder die politische Gemeinde.

In Freiburg dagegen haben wir das Problem der Überalterung in einigen Partnerschaftsgemeinden. Die grosse Frage ist: wie können wir junge Menschen für die Peru-Partnerschaft begeistern ? Ein Weg ist, dass wir neu auch Partnerschaften zwischen Schulen in Freiburg und Schulen in Peru in die Wege leiten möchten. Für Feburar 2017 planen wir ein grosses Partnerschafts-Jugend-Treffen mit Jugendlichen aus den Partnergemeinden und mit Freiwilligen und Ex – Voluntarios aus ganz Perú.

Die Infostelle Peru gratuliert der Peru-Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg zu ihrem Jubiläum. Die Partnerschaft ist auch für die Solidaritäts-Arbeit der Infostelle ein wichtiger Mitstreiter und Partner.

 

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