Der peruanische Staat selber fördert den Ankauf illegal geschürften Goldes und arbeitet dabei mit dubiosen Händlern zusammen.

Das Rechercheportal Ojo Público veröffentlichte im August 2018 neue Erkenntnisse über die staatlich geförderten Aufkäufer illegal geschürften Goldes in Madre de Dios und Puno . Im nachfolgenden eine Zusammenfassung der Recherche in deutscher Sprache:  

Das staatliche Unternehmen privaten Rechts Activos Mineros beauftragte drei wegen Geldwäsche vorbelastete Handelsfirmen, im Süden Perus tonnenweise Gold einzukaufen.

Die staatliche Finanzbehörde und die Finanzpolizei verdächtigen Minerales del Sur, Veta de Oro del Perú und die E&M Company, barrenweise Gold dubioser Herkunft aus dem Kleinbergbau ins Ausland zu bringen. Die Vertreter dieser Firmen sind Francisco Quintano Méndez (Minerales del Sur), Sofía Bèjar Giraldo (Veta de Oro) und Efraín Vargas Garzón (E&M Company), der Buchhalter war,von Gregoria Casas („Goya“), der ungekrönten Herrscherin der illegalen Goldgräbercamps in Madre de Dios im südlichen Regenwald Perus. Die Behörden geben an, dass Quintano Méndez, der eigentlich Francisco Quispe Mamani heißt, einer weiteren Organisation angehört, die in Puno verdächtiges Gold aufkauft und es an ihren einzigen Kunden, Metalor Technologies de Suiza, in die Schweiz verkauft. Metalor ist eine der grossen Goldraffinerien in der Schweiz. Diese Geschäfte liefen teils über normale Banken in Peru und teils nach Meinung von Experten über Briefkastenfirmen und Strohmänner in Steuerparadiesen. Keiner der 71 Lieferanten des von Minerales del Sur in die Schweiz exportierten Goldes war ordnungsgemäß registriert. Ein Teil des Goldes stammte von Unternehmen, die wegen Geldwäsche vorbelastet waren: Minera La Rinconada des Clans Condori, der Familie Torres Carcasi sowie den Firmen D & J Ares Group und Inversur PJ & R der Schwestern Anara Labra.

Sofía Béjars Firma (Veta de Oro del Perú) und die Transportfirma Oro Fino Courier der Tochter ihres damaligen Lebensgefährten Arturo Ortiz Ortiz wurden beide vom Notariat von Francisco Villavicencio eingetragen, einem Parlamentsabgeordneten der Partei von Keiko Fujimori, Fuerza Popular. Die Goldfirma Oro Fino Asociados (Madre de Dios und Cusco) von Arturo Ortiz Ortiz ging bankrott, als sie wegen illegaler Goldgeschäfte untersucht wurde. Mit ihr machten 50 kleinere illegale Goldaufkäufer pleite. Sofía Béjar führt die Geschäfte wohl unter der Kontrolle von Arturo Ortiz Ortiz weiter. Er wird weiterhin als Goldaufkäufer, z.B. für „Goya“ Gregoria Casas, eingestuft.

Minerales del Sur (Minersur) wird vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2018 ca. 100 Tonnen Gold im Wert von 3,5 Milliarden Dollar in die Schweiz verkauft zu haben. Veta de Oro verkaufte im Laufe der Jahre sieben Tonnen Gold im Wert von 285 Millionen US-Dollar an NTR Metals in Miami. Deren hochrangiges Personal wurde in den USA wegen Geldwäsche verurteilt. Andere Käufer in Miami waren Kaloti Metals und Atomic Gold. Sofía Béjars Unternehmen exportiert nicht nur, es dealte auch mit Firmen, die heute als Fassade einer Organisation illegalen Bergbaus in Peru gelten: Darsahn International und Oxford Gold Corporation. Im Juni 2018 floss über die Transportfirma Oro Fino Courier (Inhaberin: Carola Ortiz, Tochter von Arturo Ortiz) Geld aus der Region von Tambopata (Regenwald – Madre de Dios) an Funktionäre des staatlichen regionalen  Büros des Bergbauministeriums. Diese Firma hat in Puerto Maldonado und in Cusco dieselbe Adresse wie Veta de Oro del Perú. Veta de Oro hat inzwischen den Goldverkauf in die USA eingestellt und exportiert nach Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die E&M Company (Cusco und Madre de Dios) lieferte ebenfalls an Atomic Gold (USA). Die Polizei beschlagnahmte einen Teil der Lieferungen, weil weder eine legale Herkunft noch ein korrekter Transportweg nachgewiesen werden konnten. Die Gründer von E&M, werden beschuldigt, die Firma gegründet zu haben, um dunkle Geschäfte zu begünstigen und zu verdecken (darunter Geldwäsche). Im Zuge der Ermittlungen bestätigten Vargas Garzón und Zinanyuca, dass sie früher im Unternehmen Oro Fino Asociados von Arturo Ortiz Ortiz gearbeitet hatten und dieses wiederum mit Veta de Oro verbunden ist.

Die peruanischen Ermittlungen gegen die Firmen im Goldgeschäft gehen in erster Linie auf Behördenhinweise aus dem Ausland zurück.

Bei der Aufklärung dieser Vorfälle war meist die Steuerbehörde (SUNAT) tätig und erhielt wenig Unterstützung aus dem Finanzministerium, auch nicht von der staatlichen Aufsichtsbehörde gegen Geldwäsche. Aufgrund der Menge des illegalen Goldes, das in die USA, Europa und Asien exportiert wird, sind die US-amerikanische Anti-Drogen-Behörde sowie der US-Zoll und das Büro für Nationale Sicherheit an voller Aufklärung interessiert.

Trotz all dieser schwer belastenden Momente und Offensichtlichkeiten beauftragte die staatliche Gold-Aufkaufbehörde Activos Mineros nach einer öffentlichen Ausschreibung im Januar 2018 die E&M Company (Konsortium Gold Star) mit dem Ankauf von Gold aus der Region Madre de Dios und Veta de Oro del Peru und Minersur mit dem Ankauf von Gold aus Puno. Und das, obwohl die Statuten von Activos Mineros eindeutig besagen, dass jegliche Verbindung mit Unternehmen abgebrochen werden muss, die illegal gefördertes Gold verkaufen.

Es scheint, dass Goldhändler auch in Deutschland nicht darauf setzen können, dass Gold der staatlichen Gesellschaft Activos Mineros aus Peru wirklich legal ist.

Gekürzte Übersetzung: Trudi und Heinz Schulze

Originalartikel in spanischer Sprache: (https://ojo-publico.com/764/estado-eligio-companias-investigadas-por-lavado-de-mineria-ilegal-para-comprar-oro)

 

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