Das Ausmass der Umweltzerstörung durch den illegalen Goldbergbau in Peru wird immer deutlicher. Der Umweltminister Pulgar-Vidal hat zu einer Bürger-Allianz gegen den illegalen Kleinbergbau aufgerufen. Nur noch Kleinbergleute, die sich an Umwelt-, Arbeitsrecht – und Steuerbestimmungen halten, sollen legal nach Gold schürfen dürfen. Wer sich nicht daran hält, macht sich strafbar. Der Protest der Kleinbergleute ist gross, ungefähr 200 000 Menschen sind in Peru im Kleinbergbau beschäftigt. Oft handelt es sich gar nicht mehr um einen kleinen Bergbau, sondern wird mit grossen Maschinen und Kapitaleinsatz betrieben. Besonders gross sind die Schäden im Departament Madre de Dios und in Puno. Nachfolgende Reportage aus von Maria Elena Hidalgo beschreib einen Besuch im Herzen des illegalen Bergbaus in Madre de Dios (Die Redaktion)

Eine Reise ans Ende von La Pampa, dem Reich des illegalen Bergbaus

 Von María Elena Hidalgo | Aus La Pampa.

Die Ünberührbaren. Einmal die Woche zerstören die Ordnungskräfte 25 der 25.000 Motoren, die im Dienst der außerhalb des Gesetzes operierenden Bergleute eingesetzt sind, die über die Gebiete der Abfederung der Nationalreserve Tambopata herfallen, wo der Bergbau verboten ist.

Alle wissen, wo sie sind. Es ist kein Geheimnis, wer diejenigen sind, die abseits vom Gesetz Gold herausholen. Aber niemand fasst sie an. Wenn, dann höchstens mit dem Kronblatt einer Rose. Oberflächlich.

Mehr als 25.000 Mineros betreiben das illegale Geschäft im geschützten Gebiet von Tambopata, wo Bergbautätigkeiten absolut verboten sind. Das Umweltministerium, die Staatsanwaltschaft, die Marine und die Nationalpolizei stimmen sich in ihrem Vorgehen gegen informellen Bergbau im sogenannten Bergwerkskorridor in Madre de Dios ab. Aber gegen die in der als La Pampa bekannte Pufferzone geschieht wenig oder nichts.

La Pampa liegt links der interozeanischen Verbindungsstraße zwischen Kilometer 80 und 140. Die massive und systematische illegale Extraktion von Gold setzte 2008 ein. Sie begann, als die Besitzer landwirtschaftlicher Flächen den illegalen Bergleuten erlaubten, gegen Bezahlung oder Vergünstigungen auf ihrem Land Gold zu suchen. Offizielle Zahlen oder Archive  über die Geschehnisse in La Pampa gibt es nicht.

Schmiergeld bleibt Schmiergeld

Die Bergarbeiter selbst gehen davon aus, dass rund 3.000 Maschinen rund um die Uhr für den Goldabbau eingesetzt sind. Maschineneinsatz ist dort allerdings verboten. Die Erklärung ist, dass die Polizei pro 8.000 Dollar Maschinenwert für 20 Gramm Gold die Augen zudrückt – oder für 2.000 Soles, was praktisch dasselbe ist. Schmiergeld bleibt Schmiergeld.

Bis vor einem Jahr erfolgten die Einsätze von Nationalpolizei und Staatsanwaltschaft jeden zweiten Tag. Sie zerstörten jeweils 8 bis 10 Motoren. Hält man sich die enorme Größe des Polizeiaufgebots vor Augen, ist diese Zahl entmutigend. 10 Motoren unbrauchbar zu machen, entspricht 0,04 Prozent.

Mehr als ein Jahr später erfolgen die Polizeieinsätze wöchentlich, dabei werden bis zu 25 Motoren außer Betrieb genommen. Mit der Erlaubnis schlechter Polizisten ersetzen die illegal Arbeitenden jedoch die Gerätschaften noch am selben Abend. Aber die Motorenvernichtung ist auf 0,1 % gestiegen. In der Praxis ist alles beim alten geblieben.

Bevor 2010 die interozeanische Verbindungsstraße gebaut war, gab es in La Pampa rd. 80 Mineros. Seit durch die Straße der Zugang zu diesem Gebiet frei ist, weiß der Staat bis heute nicht, wie er es kontrollieren kann.

Tagtäglich kommen zu den Einwohnern von La Pampa Menschen aus den verschiedenen Landesteilen mit oder ohne Ahnung vom Goldabbau hinzu, wie Fliegen, die Honig entdecken. Ähnlich einer biblischen Plage.

Die Könige von La Pampa

Sie kommen ohne irgend etwas. Sie schließen sich Land- und Grundbesetzungen an und richten sich mit Hilfe der örtlichen Mafiosi ein.

Wenn sie auch nicht offen agieren, die Mafiabosse sind den Behörden bekannt. Sie nennen Celso Quispe Chipana, Leonardo Huamán Huanca, Lucio Tejada Huamaní und  Jesús Cuba Granda. Sie sind die Könige von La Pampa.

Anfänglich arbeiteten sie alle im Minenkorridor von Madre de Dios, erkannten aber dann das Geschäft vor ihrer Nase, in der Pufferzone, wo das Gesetz toter Buchstabe ist.

Die vier wurden bei der Staatsanwaltschaft als Anführer von Handel mit Land angezeigt. Sie befördern die Invasionen von Privatgrundstücken um den illegalen Bergbau voranzutreiben.

Celso Quispe widmet sich seit vier Jahren der Goldausbeutung und dem Handel mit Treibstoff sowie Wiederaufforstungsgelände in La Pampa. Die Gebiete, die er sich mit Gewalt aneignet, vermietet er dann gegen 10 oder 15 Gramm Gold pro Tag zur Nutzung.

Lucio Tejada Huamaní, Leonardo Huamán Huanca und Jesús Cuba Granda sind ebenfalls Besetzer in La Pampa. Außer dem Goldabbau machen sie Geschäft mit der Untervermietung und -verpachtung besetzten Landes.

Leoncio Huamán verfügt über 500 Hektar Land für die Goldextraktion und hat begonnen, nach Quincemil, Cusco, zu expandieren.  Lucio Tejada bringt es auf 400 Hektar besetzten Landes.

Niemand krümmt ihnen ein Haar.

Juana Fernández Chambe und ihr Mann Antonio Rodríguez Díaz sind Opfer dieser illegalen Bergwerker und Landhändler.

Invasion der Maschinen

Seit 30 Jahren bewirtschafteten sie die 174 Hektar Land, die ihnen der Staat im Gegenzug dazu überlassen hatte, dass sie die Pufferzone des Naturreservoirs Tambopata wiederaufforsteten.

Es war am 20. Juli 2011, als etwa 150 gewalttätige und bewaffnete Personen hunderte von Bäumen auf dem Gelände der Eheleute Fernández-Rodríguez im Sektor Nuevo Arequipa (Kilometer 105 der Interozeanischen Verbindungsstraße) vernichteten. Die unrechtmäßigen Besitzergreifer brachten alles in Stellung, was zur Goldextraktion dient, Generatoren, Dieselmotoren, Transportbänder, Schüttelsiebmaschinen, Sprengmaterial, usw.

Allein an diesem ersten Tag wurden 18 Maschinen auf dem Besitz des Paares angeworfen. Nach drei Wochen waren es schon hundert und heute sind es ca. 500, die laufen.

„Dahinter stecken Celso Quispe und Cubas Granda. Sie kommen nicht direkt, sie sind die Hintermänner. Ihnen gehören die Maschinen und Geräte, mit denen auf meinem Besitz Gold abgebaut wird“,   sagte Juana Fernández.

Das Ausbleiben von Polizeiaktionen und die Unfähigkeit der anderen Behörden erleichtern den illegalen Bergbaubetreibern sich bäuerliches Land anzueignen, wie im Fall von Apolinario Fernández, Höhe Kilometer 105 der Interozeanischen Straße.

Erschreckt von den Drohungen, verschenkte Familie Fernández in der Hoffnung, dass die Beamten die Besatzer hinausbefördern würden, einen Teil ihres Landes an die regionale Polizeibehörde für den Bau eines Polizeipostens. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Die Polizei kassierte Schmiergeld für das Hereinlassen von Treibstoff, Maschinen usw. in die Zone, in der dies verboten war.

Am vergangenen 5. August wurde der Kontrollposten wegen der unkontrollierbaren Korruption geschlossen.

Unbesiegbar

Im Unterschied zu denen, die auf der rechten Seite der Interozeanischen Trasse Gold fördern und die der Staat anerkannt und konzessioniert hat, ist in La Pampa jedwede Bergbautätigkeit untersagt. Sprecher der Regionaldirektion für Energie, Bergbau, Erdöl  und Erdgas von Madre de Dios verweisen darauf, dass sie nichts unternehmen könnten, da im Fall der Illegalität nur Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig seien. Das Nichtstun begünstigt die Mafias. „Die Entfernung zwischen Puerto Maldonado und La Pampa beträgt 120 Kilometer. Deshalb wissen alle, wenn wir zu Operationen ausrücken. Mit einem einzigen Anruf kündigen sie per Handy an, dass wir anrücken. Wenn wir da sind, sind alle Maschinen und Geräte verschwunden um zu verhindern, dass wir sie kaputt machen“, erklärt eine Polizeiquelle. Die illegalen Unternehmen umwickeln ihre Maschinen komplett mit Plastik und versenken sie in den künstlichen Seen. Wenn sich das Polizeiaufgebot später zurückzieht, werden die Maschinen wieder herausgeholt und eingesetzt, als wäre nichts geschehen.

Eine Nacht im Hotel aus Plastik und Pfählen zu verbringen, kostet 40 Soles.

Der Anstieg des Goldpreises und die Illegalität haben La Pampa in eine der teuersten Landstriche im Land verwandelt. 70 solcher Holzpfahl-Plastik-Hotels wurden hochgezogen; die 40 Soles sind für minimalsten Service.

In den Lokalen an der Interozeanischen Straße kostet ein Bier 10 Soles und ein Erfrischungsgetränk 6 Soles. Im Bergbauzentrum verdoppelt sich der Preis. Nicht zu sprechen von den Lebensmitteln. Das lukrativste Geschäft in La Pampa ist Prostitution. Es gibt dreißig als Bars oder Diskotheken kaschierte Bordelle.

Sehr selten verirren sich die Behörden in diese Orte, wo es auch Minderjährige gibt, die gegen ihren Willen von den Lokalbesitzern festgehalten und zur Prostitution gezwungen werden. Viele der Mädchen werden mit falschen Versprechungen aus den umliegenden Provinzen rekrutiert.

 

Quelle: http://www.larepublica.pe/17-09-2013/viaje-al-fondo-de-la-pampa-el-reino-de-la-mineria-ilegal

 Veröffentlicht am: 17.09.2013

(Übersetzt von Trudi Schulze)

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