Der neue Bericht der COEECI zur Lage der privaten Entwicklungszusammenarbeit in Peru birgt einige Überraschungen. Alle zwei Jahre veröffentlicht  der Dachverband der in Peru tätigen privaten ausländischen Hilfswerke und NGOs „COEECI“ (Coordinadora de Entidades Extranjeras de Cooperación Internacional) diesen Bericht.  In der COEECI sind 54 Hilfsorganisationen zusammengeschlossen, die in Peru eine offizielle Niederlassung haben.

Die Hilfswerke „Brot für die Welt“ und „Welthungerhilfe“ sind die grössten deutschen Hilfswerke, die in der COEECI vertreten sind.  Das Hilfswerk Misereor dagegen  und viele kleinere Hilfswerke oder -vereine unterhalten keine eigene Aussenstruktur in Peru und sind deshalb auch nicht Mitglied in der COEECI.

Der Bericht 2013, der mit Zahlen aus den Jahren 2011 und 2012 arbeitet, birgt einige Überraschungen:

1. Das Volumen der privaten EZ ist nur sehr leicht zurückgegangen

Obwohl Peru ein seit Jahren stabiles Wirtschaftswachstum aufweist und inzwischen zu den Ländern mit mittlerem Einkommen zählt, ist das Volumen der privaten Entwicklungszusammenarbeit bisher nur leicht zurückgegangen. Im Jahr 2011 haben die in der COEECI zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen mit 143, 46 Millionen USD sogar einen Rekordbeitrag  investiert. Der ging im Jahr 2012 zwar auf 136 Millionen zurück, das ist aber immer noch höher als die Jahre zuvor.

2. Die Zahl der NGOs steigt

Bis 2009 hat die Zahl peruanischer Nicht-Regierungsorganisationen zugenommen. Dies kann mit ein Grund sein für den gefühlten Rückgang der EZ-Mittel: die Konkurrenz um die gleichen Mittel ist grösser geworden.

3.  Mehr Hilfswerke mit weniger Eigenmitteln

Auch die Zahl der internationalen ONGs/Hilfswerke mit Büro in Lima hat bis zum Jahr 2012 zugenommen. Dies mag überraschen, angesichts der  wirtschaftlichen Stärke Perus. Wenn man genauer hinschaut, dann haben allerdings die Eigenmittel der Hilfswerke abgenommen. 40% der von den Mitgliedsorganisationen der COEECI verfügten Mittel stammten nicht mehr aus dem Herkunftsland, sondern aus der lokalen Aquise. Was heisst dies ? Die peruanische Niederlassung eines Hilfswerkes tut sich mit einer peruanischen NGO zusammen und bewirbt sich auf in Peru ausgeschriebene Mittel meist internationaler Organisationen (Europäische Union, Interamerikanische Entwicklungsbank, Internationaler Währungsfond etc ). Gerade Hilfswerke aus europäischen Krisenländern, in denen die staatlichen wie auch die Spendenmittel aufgrund der Krise zurückgegangen sind, finanzieren sich mit lokalen EU-Mitteln.

Diese Praxis ist zweischneidig: zwar profitieren kleinere peruanische NGOs auf diese Weise von der Expertise eines grösseren Hilfswerkes bei der Aquise multilateraler Mittel, für die sie alleine keine Kapazitäten gehabt hätten. Jedoch wird in dieser Partnerschaft zwischen ausländischem Hilfswerk und peruanischer NGO, der Kurs oft vom ausländischen Hilfswerk bestimmt.

Aus originären Hilfswerken, die Spenden und öffentliche Mittel aus ihrem Herkunftsland nach Peru transferieren, werden so immer mehr international tätige  Consulting-Unternehmen der Hilfsindustrie, die ihre Filialen nur durch die Aquise lokaler Mittel aufrechterhalten können. Dabei konkurrieren sie  mit den lokalen NGOs um die gleichen Mittel.

4. Zusammenarbeit mit Privatwirtschaft

25% der Mittel der Mitgliedsorganisationen der COEECI stammen von lokalen privaten Trägern – also Firmen mit peruanischer Niederlassung. Oft –  aber nicht nur – sind das Bergbauunternehmen.  Hier muss man allerdings wissen, dass die COEECI ein sehr heterogener Dachverband ist. Die  mit Abstand umsatzstärksten Mitglieder sind CARE und World Vision aus den USA, die beide stark mit Mitteln aus der Privatwirtschaft arbeiten.

5. Lokale staatliche Mittel und Süd-Süd-Partnerschaften spielen noch keine Rolle

Obwohl der peruanische Staat viel Mittel zur Verfügung hat, und vor allem einige Regional- undLokalregierungen es nicht schaffen, ihr Jahresbudget auch nur annähernd sinnvoll auszugeben, so kommen doch nur 0.4% der Mittel der COEECI-Mitgliedsorganisationen vom peruanischen Staat. Die Antragstellung für öffentliche Mittel gilt in Büro als äusserst bürokratisch. Ebenso gibt es in Peru  bis Ende 2012 keine nennenswerten Süd-Süd-Partnerschaften, also zwischen (ehemaligen) Entwicklungsländern, die über eine Absichtserklärung hinaus gingen.

In Zukunft, so der Bericht, wird die private EZ mit Eigenmitteln in Peru wohl noch mehr zurückgehen, und die lokalen staatlichen und privaten Mittel an Gewicht gewinnen, so wie sie bereits heute für einige Organisationen der EZ heute eine grosse Rolle spielen.

Schliesslich formuliert der Bericht noch vier künftige Herausforderungen für die private Entwicklungszusammenarbeit in Peru:

a) Armut und Ungleichheit in Ländern mittleren Einkommens

b) Strategische Entwicklungszusammenarbeit, um Einfluss auf politische Massnahmen zu nehmen

c) Die Debatte um Entwicklungsmodelle

d) Neue Modalitäten der Entwicklungszusammenarbeit und die Aquise lokaler Mittel

Der spanische Bericht der COECCI kann hier heruntergeladen werden.coeeci-informe-2013-completo-WEB

Hildegard Willer

 

 

 

 

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