Zwischen dem 26. und 29. September 2019 fand in Hamburg die 11. Global Investigative Journalism Conference statt. Mehr als 1500 Journalist*innen aus verschiedenen Ländern weltweit nahmen an der von Global Investigative Journalism Network, Netzwerk Recherche und Interlink Academy organisierten Veranstaltung teil. Teil des Programms war die Verleihung des 8. Global Shining Ligth Awards, eines der international wichtigsten Preise für investigativen Journalismus.

Die Verleihung des Preises war ein Zeichnen für den freien Journalismus bei der Korruptionsbekämpfung Perus: IDL-Reporteros, die Abteilung für investigativen Journalismus der NGO Instituto de Defensa Legal (IDL), gewann in der Kategorie „Kleines Redaktionsteam“ (small outlets) wegen ihrer Recherchen über die Korruptionsfälle „Lava Jato“ und „Lava Juez“ (siehe die GIJN Pressemitteilung auf Englisch oder den Ver.di Beitrag auf Deutsch).

 

Im Fall „Lava Jato“ wurde die korrupte Einflussnahme des brasilianischen Bauunternehmers Odebrecht in der politischen Arena in vielen Ländern Lateinamerikas, inklusive Peru, aufgedeckt. Diese Korruptionsaffäre hatte in Peru Inhaftierungen und juristische Untersuchungen gegen mächtige Politiker*innen sowie Unternehmer*innen zur Folge. Der Fall „Lava Juez“ ist der größte Korruptionsskandal im Justizbereich nach der Regierungszeit Fujimoris. Die Presse enthüllte, wie die korrupten Netzwerke von Richtern, Staatsanwälten, Mitgliedern des nationalen Justizrates (Consejo Nacional de la Magistratura) zusammen mit Abgeordneten, Unternehmer*innen usw. operierten. „Lava Juez“ hatte Amtsenthebungen und Rücktritte von hohen Justizbeamt*innen zur Folge, zum Beispiel von Mitgliedern des nationales Justizrats, des Präsidenten der Judikative, der Präsidenten der Corte Superior (in etwa „Oberlandesgericht“) von El Callao und Lima Sur, des Oberstaatsanwaltes und anderer. Darüber hinaus wirkte sich der Fall „Lava Juez“ positiv auf die Entwicklung der Verfahren für „Lava Jato“ aus: Der Einfluss korrupter Beamten wurde eingeschränkt.

 

Seit einigen Jahren spielt IDL-Reporteros eine wichtige Rolle für die Förderung der Demokratie und Korruptionsbekämpfung in Peru. Das ist aber nichts Neues für Gustavo Gorriti, den Chef von IDL-Reporteros. Er ist ein erfahrener Journalist mit einer langen Liste von Themen, zu denen er recherchiert hat, wie zum Beispiel Sendero Luminoso, Ex-Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos und die Fujimori-Regierung.

 

Die Nachteile eines so bedeutsamen journalistischen Werdegangs sind natürlich die Bedrohungen. Es ist bekannt, dass Gorriti 1992 von der Fujimori-Regierung inhaftiert wurde. Heute scheint die Lage nicht so gewaltsam wie damals, aber sie ist immer noch schlimm genug. Dieses Jahr fanden gegenüber dem Haus von IDL in Lima zwei Demonstrationen mit antisemitischen Botschaften gegen Gustavo Gorriti statt. Außerdem kritisierten Politiker ihn für die Verbreitung der Korruptionsaffäre und beschuldigten ihn sogar, für den Selbstmord des ehemaligen Präsidenten und APRA-Chefs Alan García mitverantwortlich zu sein. Solche unhaltbaren Vorwürfe und Bedrohungen gibt es aber nicht nur in Peru, sondern auch im Ausland. Als Gustavo Gorriti in Hamburg war, wurde die Universität Hamburg mit Graffitis und absurden Botschaften bemalt, wie „Gorriti = CIA“ (Geheimdienst der USA), und es wurden Flugblätter gegen ihn verbreitet.

 

Als die Infostelle Peru e.V. erfuhr, dass Gustavo Gorriti und Romina Mella, ebenfalls Journalistin bei IDL-Reporteros, nach Hamburg kommen, nahmen wir Kontakt mit ihnen auf und organisierten für Montag, 30. September 2019, eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit IDL-Reporteros, der Universität Hamburg, der Peru Initiative Hamburg und der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union. Die aktuelle politische Lage in Peru spielte jedoch gegen uns und wir mussten die Veranstaltung absagen. Hierfür bitten wir das Publikum um Entschuldigung. Grund für die Absage, wie schon Prof. Dr. Markus Schäffauer dem Publikum direkt erklärte, war die Tatsache, dass der Tag der Veranstaltung, der 30. September, ein entscheidender Tag für die Demokratie in Peru war: Präsident Martin Vizcarra löste das Parlament auf . Obwohl Gustavo Gorriti und Romina Mella noch in Hamburg und für die Vortragsveranstaltung vorbereitet waren, waren sie ganz von den politischen Ereignissen in Peru in Beschlag genommen, wo IDL-Reporteros, wie gesagt, immer noch eine wichtige Rolle spielt.

 

Last but not least freuen wir uns sehr über den Preis für die IDL-Reporteros und gratulieren ihnen herzlich zu diesem bedeutenden Zeichen der Anerkennung. Auf die Webseite der IDL-Reporteros kann man hier klicken und lesen, was die Preisverleihung für die IDL-Reporteros bedeutet (auf Spanisch).

César Bazán Seminario

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