Nördlich von Lima soll der größte Containerhafen Südamerikas gebaut werden. Mit an Bord: die Chinesen und der Rohstoffriese Glencore

 

Worum geht es ?

Der pazifische Ozean an der langen peruanischen Küste dient nicht nur dem Fischfang, dem Tourismus oder als Müllplatz für Mikroplastik sondern auch dem Umschlag von Produkten und Erzeugnissen in den zahlreichen Häfen. Der größte Hafen ist der von Callao, bei Lima. In der geräumigen Bucht bei der kleinen Fischerstadt Chancay soll nun der größte Container-Hafen Südamerikas entstehen. Chancay liegt 90 km nördlich von Lima.

Die bisherige Hafeneinfahrt wird um 17 Meter vertieft. Damit können die größten Containerschiffe bis zu einer Länge von 400 und einer Breite von 60 Metern anlegen. Das ist in keinem anderen Hafen Südamerikas möglich. Als Zufahrt zum Hafen wird ein Tunnel von ca. zwei Kilometern gebaut, der unter der Stadt Chancay hindurchführt. Im Hafen gibt es Parkmöglichkeiten für bis zu 200 Lastwagen.

Das Projekt wird 992 Hektar umfassen.

 

Was hat China damit zu tun und wozu soll der Hafen dienen?

Die peruanische Regierung unter Ex-Präsident Vizcarra und dessen Transportminister Jara unterschrieben am 13. Mai 2019 mit der chinesischen Firma Cosco Shipping Ports (China Ocean Shipping Company) und dem Bergwerksunternehmen Volcan einen Vertrag zur Errichtung dieses Großhafens. COSCO ist der größte weltweite Hafenkonzern. Volcán betreibt unter anderem die größte Silbermine Perus bei Huaral und die Bergwerke in der schadstoffverseuchten Stadt Cerro de Pasco. Volcán gehört heute mehrheitlich dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore.

Die Investitionen sollen mindestens drei Milliarden Dollar betragen und solenl als Öffentlich-Privates Partnerschaftsprojekt durchgeführt werden.

Dienen soll der Hafen u.a. dazu, Soja und andere landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien schneller und günstiger nach Asien, vor allen Dingen nach China zu transportieren.

Der Hafen ist nicht Teil des großen Entwicklungsprojektes IIRSA (Projekt zur intensiven Entwicklung des Regenwaldes) wie es offiziell heißt. Damit könnten brasilianische Unternehmen einen Zugang vom Atlantik bis zum Pazifik bekommen. Wenn dann die Zuflüsse des Amazonas ausgebaggert werden (Projekt Hidrovia – Wasserstraßenprojekt) können große Lastschiffe bis weit in den Regenwald hinein fahren, mit all den zu erwartenden sozialen und Umweltproblemen.

 

Die Bevälkerung protestiert

Seitens der  Bevölkerung und Umweltorganisationen gibt es Einwände und Proteste: Bisher sind 89 gravierende Einwände gegen die vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudie eingereicht worden.  Die staatliche Kontrollbehörde für Umweltaspekte (Servicio Nacional de Certificación Ambiental – SENACE) hatte bis zum 27.11.2020 eine Frist zur Überarbeitung des Projekts gesetzt. Diese wurde von den Betreiberfirmen  nicht eingehalten.

Die Bevölkerung protestiert, weil sie große Umweltschäden befürchtet, wie die Zerstörung  des wichtigen Feuchtgebietes in der Bucht, und weil sie Angst hat, dass durch den Tunnelbau ihre darüber liegenden Häuser Risse bekommen oder einstürzen.

Die Bevölkerung wird von der Nationalen Menschenrechtskoordination und von der Umweltorganisation CooperAcciòn unterstützt.

Außerdem wandten sie sich an die neue Parlamentspräsidentin Mirtha Vásquez (eine engagierte Umweltanwältin und früher bei der Umweltorganisation Grufides, Cajamarca, tätig) und forderten eine effektive Mitsprachemöglichkeit der Zivilgesellschaft von Chancay innerhalb der damit befassten Parlamentskommissionen.

(Heinz Schulze aus: Servindi, 13.8.20. und 25.11.20, und lokalen Zeitungsberichten aus Chancay)

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