Im August 2013 hat  die Mediengruppe um die Tageszeitung „El Comercio“ die Mediengruppe „Epensa“ (Tageszeitung „Correo“ ) aufgekauft  und kontrolliert damit  nun 80% des peruanischen Zeitungsmarkts. Infoperu hat den peruanischen Medienwissenschaftler Jorge Acevedo nach den Hintergruenden und der Bedeutung dieser Medienkonzentration gefragt.

Infoperu: Worin besteht das Problem  der Medienkonzentration?

Jorge Acevedo: das Problem besteht schon lange. Eine kleine Gruppe von Medieneignern hatten die Kontrolle über diesen Sektor. Das peruanische Mediensystem orientiert sich am liberalen nordamerikanischen Modell, in dem die Medien als privatwirtschaftliche Unternehmen geführt werden. In Peru gab es nie  öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen, wie es  in Europa der Fall ist.  Die ersten Rundfunklizenzen in Peru wurden an  den damaligen Regierungen nahestehenden Unternehmern vergeben. Zudem ist das peruanische Mediensystem zentralistisch auf Lima ausgerichtet.

Im August wurde bekannt, dass die Mediengruppe „Comercio“ 55% der Aktien  der Mediengruppe „Epensa“ gekauft hat.  Damit hat die Comercio-Gruppe ihre Vormachtstellung auf dem peruanischen Zeitungsmarkt von 50% auf 80% ausgebaut. Das heisst 8 von 10 Zeitungen in ganz Peru werden  von einer einzigen Mediengruppe herausgegeben.

Das hat in Peru eine öffentliche Debatte ausgelöst, die vor allem von der konkurrenzierenden Mediengruppe „La República“ lanciert wurde. La República wollte ebenfalls Epensa aufkaufen, unterlag aber „El Comercio“.

Die Republica-Gruppe stellt mit nun knapp 20% Marktanteil den zweitgrössten – aber wesentlich kleineren – Zeitungsverleger.

Infoperu : wie sieht denn die Gesetzeslage dazu aus ?

Das Gesetz sagt, dass es auf dem Medienmarkt kein Monopol geben darf,  dass kein einzelnes Unternehmen den Markt bestimmen darf. Aber das ist nicht näher ausgeführt im Gesetz, und darüber geht die Debatte. Das Gesetz sieht auch nicht vor, dass ein Eigentümer mehrere Mediensparten besitzt, wie dies bei der Comercio-Gruppe der Fall ist, die auch die Mehrheit an einem Fernsehsender besitzt.

Das Problem ist ja auch der Anzeigenverkauf. Die Republica- Gruppe hat bereits einen Einbruch bei den Anzeigen vermeldet und Klage beim Verfassungsgericht eingereicht wegen Verletzung des Anti-Monopol-Gesetzes.

Infoperu: Wer steckt hinter den Eigentümern der peruanischen Medien ?

Beide grossen Zeitungen sind in Familienbesitz. República gehört der Familie Mohme , die Comercio-Gruppe verteilt sich auf die Familien Miró Quesada, die auch im Bauwesen und in der Luftfahrt (LAN) Interessen haben.

Infoperu: wie sind die Aussichten der Verfassungsklage auf Verstoss gegen das Anti-Monopol-Gesetz ?

Das Verfassungsgericht ist von Richtern besetzt, die der APRA nahestehen. Die APRA hat, auch unter Alan García, enge Verbindungen mit den peruanischen Medienbesitzern geknüpft. Von daher halte ich die Verfassungsklage für nicht sehr aussichtsreich.

Infoperu: wie steht es um die Medienkonzentration in anderen lateinamerikanischen Ländern  ?

Zuletzt gab es neue Gesetze in Argentinien und Ecuador. In Argentinien ist das Gesetz an sich gut,  es setzt der Medienkonzentration Grenzen  und will eine staerkere staatliche Kontrolle, ebenso wie Radiofrequenzen fuer Non-profit-Radios. Das Problem ist das politisch konfliktiv aufgeladene Klima, in dem das Gesetz entstanden ist, im offenen Konflikt zwischen der Regierung Kircher und der Clarin-Gruppe.

In Ecuador sieht das neue Mediengesetz eine Teilung der Radiofrequenzen zwischen kommerziellen und nonprofit-Radios vor. Dabei gibt es zwei Kontroversen: eine Gefahr ist, dass die jeweilige Regierung eigenmächtig die staatlichen Medien benutzt und z.Bsp. auch fuer Wahlwerbung einsetzt. In Lateinamerika gibt es keine unabhaengig besetzten Rundfunkräte, wie dies beim oeffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland der Fall ist. Zum anderen will der ecuadorianische Präsident  Correa das „mediale Lynchen“ unter Strafe stellen. Wie genau soll das definiert und bewiesen werden ? Das oeffnet der Willkuer Tuer und Tor.

Infoperu: wie wichtig ist in Zeiten des Internet ueberhaupt noch ein Zeitungs-Monotpol  ?

Der peruanische Anzeigenmarkt konzentriert sich noch immer auf Fernsehen, Radio und Zeitungen. Nur 5-10% der Anzeigen gehen ins Internet.

Vor allem aber ist der peruanische Zeitungsmarkt in den letzten Jahren angewachsen. In Peru werden jaehrlich 1 900 000 Zeitungen verkauft, und der Markt waechst  immer noch. „Trome“, das Boulevardblatt der Comercio-Gruppe, ist die Zeitung mit der höchsten Auflage in ganz Hispano-Amerika. Die Presse ist in Peru weiterhin sehr wichtig, weil sie die Themen der öffentlichen Agenda setzt.

Infoperu: was kann man tun gegen die Medienkonzentration ?

Die öffentliche Debatte in Gang halten und Mediengesetze aus anderen Ländern bekannt machen. Und immer wieder darauf hinweisen, dass die Qualität und Pluralität der Medienlandschaft wesentlich die Qualität unserer Demokratie beeinflusst.  Es ist wichtig, dass die Debatte darüber auch in neuen Netzwerken und Plattformen Fuss fasst, und es eine soziale Basis gibt, die sich fuer eine plurale Medienlandschaft einsetzt. Fuer lateinamerikanische Politiker ist es gefährlich, sich mit den Medien anzulegen. Dies gilt ganz besonders in Peru, wo es keine soliden politischen Parteien gibt.

(Interview: Hildegard Willer)

 

 

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