Ein Diskussionsbeitrag

Viele kleine und grosse Hilfsprojekte aus Deutschland fördern die Schulbildung in Peru. Denn eine gute Bildung ist die Grundlage für eine bessere Zukunft der Kinder und Jugendlichen .

Allerdings ist die Sekundarstufe „secundaria“ – eine für alle verbindliche 5-jährige Sekundarstufe – in Verruf geraten bei einigen Bildungsexperten. Die „Secundaria“  baut auf der sechsjährigen Primarschule auf.  Ein wichtiger Indikator für den Erfolg von Hilfsprojekten im Bildungsbereich ist  die Anzahl der Schüler, die ihre „Secundaria“ abschliessen.

Der peruanische Bildungsexperte Leon Trahtemberg kritisiert die peruanische „Secundaria“, weil sie keine eigene Identität habe. Sie sei, so sagt er,  eine Weiterführung der Grundschule (primaria),  eine Art „Wartesaal“ für die Universität, und  eine Vorstufe für das spätere Arbeitsleben.

Aber, so fragt er, bietet sie auch Platz für eine umfassende Entwicklung der jungen Menschen?

Trahtemberg stellt fest, dass die Sekundaria-Schulbildung „für alles“ gut sein soll – und damit „für nichts“ wirklich gut ist.

Wenn man Sekundar-SchülerInnen nach ihren Hoffnungen fragt, hört man: Wir wollen mehr lernen, um auf die Universität gehen zu können. Dafür legen sich die Eltern krumm,um die teure Ausbildung ihrer Kinder bezahlen zu können. Denn wer kann, schickt seine Kinder auf Privatschulen und – unis. Aber auch auf den staatlichen Schulen und Universitäten  fallen viele Nebenkosten an.

Der Universitätsbetrieb in Peru ist vorrangig ein Geschäftsbetrieb. Es gibt bei ca. 30 Millionen Einwohnern in Peru mehr Universitäten als in Deutschland; ein Großteil davon sind privat.

Heute ist es überhaupt nicht mehr sicher, dass Menschen nach einem Universitätsabschluss eine Arbeitsstelle finden. Viel zu wenig gehen die Bildungsverantwortlichen auf die veränderten wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten in Peru ein. Heute werden z.B. immer mehr gut ausgebildete Handwerker und gut qualifizierte Techniker gesucht und nicht mehr nur Soziologen, Juristen und Ingenieure.

Trahtemberg spart auch nicht mit Kritik an den LehrerInnen:

–        Viele Lehrpersonen folgen dem alten nationalistischen Konzept – das auch von der maoistisch ausgerichteten Lehrergewerkschaft SUTEP vertreten wird – dass nur ein guter Schüler ist, wer die Nationalsprache Spanisch spricht. Indigene Muttersprachen werden zu oft als kulturelle Last denn als kultureller Reichtum angesehen. Den aktuellen Anstrengungen der Abteilung zur Förderung der zweisprachigen Bildung im Bildungsministerium stehen die zweisprachigen LehrerInnen positiv gegenüber, weil sie dann besser bei der Stellenzuteilung berücksichtigt werden.

Trahtemberg greift  den in Peru üblichen Frontalunterricht an. „Dictar clases“ ist der Standardbegriff bei den LehrerInnen: Unterricht halten. Die Schüler hören zu und schreiben, meist still, in ihr Schulheft. Kritisiert hat das schon vor über 40 Jahren der brasilianische Pädagoge Paulo Freire. Er sagte. Der Lehrer weiß alles… die SchülerInnen werden wie ein leeres Gefäß behandelt, das gefüllt werden muss, der Lehrer redet und die Schüler hören zu.

Die neuen Technologien könnten partizipatives Lernen fördern. Aber das ist leichter gesagt als getan. Die vor einiger Zeit stattgefundene Aktion, Computer in allen Landschulen zu verteilen, hat wenig gebracht. Zum einen, weil es keinen Strom gab; aber auch, weil die LehrerInnen damit nicht umgehen konnten und ihre Wissens-Macht nicht abgeben wollten. Denn in jedem peruanischen Dorf gibt es heute Internet-Kabinen und die Schüler sind digital oft besser vorbereitet als ihre LehrerInnen.

Aus all diesen Gründen muss die Sekundarschule in Peru reformiert werden.

(Leon Trahtemberg, InfoRegion, 26.3.13, Übersetzung und eigene Anmerkungen Heinz Schulze).

 P.S.  Bildung ist ein wichtiges Thema in der  Entwicklungspolitik. Kommentare und Anregungen zu diesem Thema sind sehr willkommen.