Für viele peruanische Schüler*innen aus armen Familien sind die Fe y Alegría-Schulen die einzige Chance auf eine gute Schulbildung.

Peru liegt im lateinamerikanischen Bildungsranking auf dem vorletzten Platz, vor Haiti. Der Staat investiert verhältnismäßig wenig in Bildung. Die Folge ist eine zunehmende Privatisierung des Bildungssektors, was aber nicht gleich bessere Bildung bedeutet. Es fällt aber auf, dass Schulen mit kirchlichen Trägern besser abschneiden. Fe y Alegría – was auf deutsch „Glaube und Freude“ bedeutet – ist so ein Beispiel, mit einem besonderen Modell.

Gegründet wurde Fe y Alegría 1955 in Venezuela mit einem katholisch-jesuitischen Ansatz. Ziel war und ist es bis heute, qualitative und ganzheitliche Bildung für die ärmeren Schichten anzubieten. In den darauffolgenden Jahren breitete sich Fe y Alegría in Mittel- und Südamerika weiter aus und kam so auch 1965/66 nach Peru.

„Fe y Alegría beginnt dort, wo der Asphalt aufhört.“

…lautet das Motto der Organisation (auch in Peru). Fe y Alegría stellt hierbei keine Privatschulen, sondern initiiert vielmehr staatliche Schulen mit besonderer Unterstützung.
So leitet die jesuitische Organisation die Schulen zwar in Kooperation mit katholischen Schwesternorden und koordiniert und verteilt Gelder aus staatlicher und privater Hand unter den Schulen, die Gehälter der Lehrer werden aber vom Staat bezahlt. So entstehen öffentliche Schulen mit einem besonderen Profil an Stellen, wo Bildung sonst oft zu kurz kommt, d.h. in besonders ländlichen Regionen oder aber auch urbanen Randgebieten.

Die Schulen stechen aber nicht nur mit ihrer Organisationsform hervor. Das Bildungsangebot geht in den Schulen Fe y Alegría weit über den Standardbildungsplan hinaus. So gibt es neben den Grundfächern Mathe etc. auch Unterricht in vielen handwerklichen und künstlerischen Bereichen wie Nähen, Schreinern, Gärtnern, traditioneller Tanz, Musik… Alle Aktivitäten zu nennen, ist wohl unmöglich. Zu verdanken ist dies wohl aber auch einem besonders motivierten Kollegium der Schulen. Da nicht wenige Schüler in ihren Familien oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, oder auch keine ausreichenden Mahlzeiten bekommen, gibt es Schulen mit Schulpsychologen und einer Mensa mit einem eher symbolischen finanziellen Essensbeitrag.

Die Schulen sind hierbei oft wie eine kleine Oase in den marginalen Gebieten.

Die Idee hinter alldem ist, eine Bildung anzubieten, die auf das Leben vorbereitet, realitätsnah ist und die Schüler zu selbständigen, kritischen Menschen erzieht. Hierbei fühlt sich Fe y Alegría den christlichen Werten verpflichtet und achtet besonders auf Gleichheit und Inklusion.

Die Schulen Fe y Alegría sind sehr beliebt und immer bis an die Grenzen ihrer Kapazitäten voll besetzt. So hat Fe y Alegría in Peru nun schon 81 weiterführende Schulen und 160 Schulen in sechs Programmen für die ländlichen Regionen. Insgesamt bedeutet das 84.000 Schüler und ca. 4.400 Lehrer in ganz Peru.

Dieses Netz aus Schulen ist Vorreiter in Peru für ganzheitliche, gerechte und qualitative Bildung. Diese Schulen erzielen trotz verhältnismäßig geringer finanzieller Mittel die besseren Ergebnisse und sind oft viel mehr als nur Schule: auch ein friedlicher Ort, ein warmes Mittagessen, ein Ort für Hobbys und vieles mehr.

Frieder Walker

Für Interessierte: Video „Fe y Alegría Peru 2018”

Frieder Walker stammt aus Tübingen. Seine ehemalige Tübinger Schule unterhält im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Tübingen und Villa El Salvador (Lima) eine Schulpartnerschaft mit dem Colegio Fe y Alegria 17. Über das Welthaus Bielefeld hat er dort 2016/2017 ein Freiwilligenjahr absolviert und neben Deutsch- und Englisch-Unterricht einen Schulgarten aufgebaut.

Mittlerweile studiert Frieder Walker Biologie in Leipzig.

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