Cesar Bazán gibt  eine kurze Erklärung über einen langen und wichtigen Konflikt in Peru.

Seit Februar 2019 finden in der Quechua-Region Apurímac Proteste gegen die chinesische Kupfer- und Molybdänmine Las Bambas statt; alle Minister und der Präsident selber beschäftigten sich mit dem Konflikt. Dabei ist der Konflikt um Las Bambas nicht neu. Bereits 2011 berichtete die staatliche Ombudsstelle Defensoría del Pueblo darüber. Es kam damals bei Protesten zu vier Toten, hunderten von Verletzten und Sachschäden im Wert von mehreren Millionen Euro.

Warum ist Las Bambas so wichtig?

Laut Daten der peruanischen Zentralbank macht Las Bambas zur Zeit 1% des peruanischen Bruttoinlandprodukts aus. Las Bambas ist als weltweit zweitgrößte Kupfermine geplant; die Fachzeitschrift Engineering & Mining Journal vermeldet mehr als 10 Millionen Tonnen Kupferreserven in Las Bambas für die nächsten 20 Jahre. Dank der laufenden Kupferminen Las Bambas, Cerro Verde und Hudbay Perú stieg die peruanische Kupferproduktion stark an. Von 159.000 Tonnen im Januar 2016 auf 212.000 Tonnen im Mai 2016.

Wo ist das Projekt und wer wohnt da?

Die Mine Las Bambas liegt in den Provinzen Cotabambas und Grau in der Region Apurímac. Gemäß der Volkszählung von 2017 leben in Cotabambas 50.656 Menschen, davon 69% auf dem Land. Die Provinz Grau hat 21.242 Einwohner, von denen 85% auf dem Land leben. Beide Provinzen sind Quechua-sprachig; in Cotabambas gaben bei der Volkszählung 2017 83% der Bevölkerung Quechua als Muttersprache an, in der Provinz Grau sogar 95%. Genau dort aber ist die soziale Lage kritisch. Der UNO-Index für menschlichen Entwicklung im Jahr 2013 (HDI) zeigte für Cotabambas 0,2193 und für Grau 0,2425 an. Zum Vergleich: Peru insgesamt hatte im selben Jahr einen HDI von 0,51; Lima von 0,64. Cotabambas ist die Provinz in Apurímac mit der höchsten Säuglings-Sterblichkeit; in der Provinz Grau geht die Bevölkerungszahl zurück.

Heute sind 149 Dörfer und 72 Indigena-Gemeinden vom Lastwagen-Verkehr der Kupfermine betroffen. Warum ist das so wichtig? Weil sich viele Indigena-Gemeinden über die negativen Auswirkungen von Las Bambas beschweren. Insbesondere als das Bergbauprojekt 2014 den Besitzer wechselte (die Schweizer Xstrata verkaufte an die chinesische MMG) und daraufhin das Projekt abänderte. Statt, wie ursprünglich vorgesehen, in einer Pipeline, wird das Kupfer nun in Lastwagen zur Verschiffung an die peruanische Küste gefahren . Die anliegenden Gemeinden wurden über diese Änderung nicht vorher konsultiert.

Was ist zurzeit los?

Seit Februar 2019 blockierte die Indigena-Gemeinde Fuerabamba die Straße und infolgedessen den Abtransport der Kupferproduktion von Las Bambas. Fuerabamba lag im Zentrum der Mine und wurde 2009 umgesiedelt. Die Gemeindemitglieder handelten dafür hohe Entschädigungssummen, den Bau eines neuen Dorfes und den Kauf neuen Gemeinschaftslandes aus. Die Verbindlichkeiten, welche die Mine heute gegenüber Fuerabamba hat, wurden aber nicht klar festgelegt bzw. nicht eingehalten.

Zuerst setzte die Regierung auf Militär und Polizei, um die Straßenblockade gewaltsam aufzulösen. Erst auf Initiative der katholischen Kirche kam ein Dialog zustande, der Regierungsmitglieder, Vertreter der Mine und des Präsidenten und Mitglieder der Gemeinde Fuerabamba an den Verhandlungstisch brachte.

Am 6. April gaben die Verhandlungsführer folgende Ergebnisse bekannt:

  1. ) Die Gemeinde Fuerabamba wird die Straßenblockade aufheben.

  2. ) Die Entschädigungssumme für Fuerabamba wurde neu und abschließend verhandelt.

  3. ) Das Unternehmen bietet den Bewohnern von Fuerabamba, wie ursprünglich vereinbart, Jobs in der Mine an.

  4. ) Die Partner werden neue Verhandlungen über den Vertrag von 2009 zwischen Las Bambas und Fuerabamba führen.

Mit diesem Verhandlungsergebnis ist der Konflikt aber noch nicht automatisch beigelegt, auch wenn die Gemeinde Fuerabamba die Straßenblockade – vorerst – aufgehoben hat. Zudem muss der Gemeindepräsident von Fuerabamba die Ergebnisse der Verhandlungen von seiner Gemeindeversammlung absegnen lassen. Bis dahin sind sie nicht bindend.

Zum anderen haben sich bereits weitere Gemeinden zu Wort gemeldet, die ebenfalls vom Kupfertransport auf der Strasse betroffen sind. Sie kritisieren die Verhandlungsführung von Fuerabamba, die einseitig auf finanzielle Entschädigung setze und die Umweltbedingungen für eine nachhaltie Landwirtschaftsproduktion nicht im Blick hätte.

Am 11. April verhandelten der Premier Salvador Solar und einige Minister mit den Gemeinden der Provinz Cotabambas. Der Dialogprozess soll in einem Runden Tisch weitergeführt werden.

César Bazán Seminario

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.