Liebe Leserin, lieber Leser,
der Goldman-Umwelt-Preis (von dem US-amerikanischen Unternehmer Richard Goldman gestiftet) wird jährlich an sechs „UmweltheldInnen“ aus allen Kontinenten vergeben.

2014 wurde die Ashaninka-Führerin Ruth Buendia geehrt, und in diesem Jahr ging wieder ein Preis nach Peru, an die Kleinbäuerin aus Cajamarca Máxima Acuña de Chaupe.

Sie kämpft hartnäckig für ihr Recht, auf ihrem Stück Land zu bleiben, dies zu bearbeiten und davon das Leben ihrer Familie zu bestreiten, obwohl die Bergbaufirma Yanacocha alle legalen und illegalen Mittel daran setzt, um sie zu vertreiben. Sie will das Land und die Natur erhalten, ihre und vieler anderer Lebensgrundlage.

Herzlichen Glückwunsch, Máxima!

Gefragt, ob sie, da sie nun landesweit bekannt sei, in die Politik gehen wolle, stellt sie klar, dass sie von der Politik – vor allem von der des scheidenden Präsidenten Humala- enttäuscht sei, denn dieser habe seine Versprechen nicht gehalten, und deshalb setze sie ihren Kampf vor Ort vor, mit und für die Menschen, die sie immer unterstützt hätten. –Trotz der internationalen Anerkennung ihres Kampfes wurden in der Nacht des 24. April von Unbekannten Schüsse auf ihr Wohnhaus abgegeben. Ihr Ehemann war allein zuhause, wurde zum Glück nicht verletzt. Für Máxima ist klar: Sie hat keine anderen Feinde als die Betreiberfirma Newmont Buenaventura; wenn ihr oder jemand ihrer Familie etwas passiert, sind dies die Verantwortlichen! Aber die Polizei, die erst Stunden nach dem Anschlag auf ihrem Gelände auftauchte, fand keinerlei Spuren oder Hinweise. Und so bleibt dieser Übergriif ein weiterer Fall von Bedrohnung, ohne jeglichen Schutz durch die staatlichen Institutionen. –
Einem anderem Bewohner Cajamarcas können wir gratulieren: Marco Arana, Umweltschützer und Unterstützer von Máxima, Gründer der Partei “Tierra y Libertad”, hat bei den Wahlen voraussichtlich einen Sitz im Kongress errungen (1). Ob er unter einer möglichen Regierung von Keiko Fujimori im Parlament seinen Kampf für die Umwelt und für Menschenrechte erfolgreich wird einbringen können?

Denn es ist z.B. zu erwarten, dass die Aufarbeitung einer der eklatantesten Menschenrechtsverletzungen Perus, die Sterilisierungskampagne in der Regierungszeit von Keikos, weiterhin unter den Teppich gekehrt wird, und die 300 000 Opfer, zumeist arme und indigene Frauen, endgültig ohne Anerkennung und Würdigung bleiben. Von dem neugewählten Kongress und einer möglichen 2. Fujimori-Regierung ist hier nichts zu erwarten! –
Das peruanische Statistikinstitut INEI hat gerade den “Armutsbericht 2015” vorgelegt, dementsprechend liegt der Anteil der Bevölkerung, die in Armut leben, nun nur noch bei 22%, in “extremer Armut” bei 4%. Speziell der Anteil an Armen in der ländlichen und andinen Bevölkerung ist dem Bericht zufolge gesunken. Deren Konsumniveau ist prozentual stärker gestiegen als das der schon besser gestellten Bevölkerung. Das bringt Carolina Trivelli, die erste (ehemalige) Ministerin im von der Humala-Regierung geschaffenen “Ministerium für soziale Inklusion” dazu, diese Entwicklung als ein “Wachstum mit Inklusion” zu sehen. Selbst Regionen wie Huancavelica, Amazonas und Ayacucho seien auf einem guten Weg und hätten ihr Armutsniveau reduzieren können. Allein die Region Cajamarca ist weiterhin vom höchsten Armutsanteil im Land betroffen! Aber ist das Konsumniveau wirklich der wichtigste Indikator zur Messung von Armut? Für Umwelt- und Politikaktivisten bleibt noch viel zu tun, um die soziale Exklusion zu überwinden!
Viel Vergnügen beim Lesen des neuen InfoPeru!
Mechthild Ebeling
(Informationsstelle Peru e.V.)

(1) Wie wir nach Versand des Newsletters erfahren haben, hat der um wenige Stimmen unterlegene Mit-Konkurrent um das Mandat aus Cajamarca die Wahl Marco Aranas angefochten.  Am 6. Mai 2016 bestätigte die oberste Wahlbehörde JNE die Wahl Marco Aranas

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