Liebe Leserin, lieber Leser des InfoPeru,

Der 11. September wird weltweit als Tag des Attentats gegen die Twin Towers in New York erinnert. In Peru hat der 11. September noch eine andere Bedeutung: es ist der Tag, an dem vor 25 Jahren der Anführer des Leuchtenden Pfades, Abimael Guzmán, gefangen genommen wurde. Guzmán verbüsst seitdem eine lebenslange Haftstrafe im Militärgefängnis von Callao. Die Erinnerung an den peruanischen Bürgerkrieg ist in der Bevölkerung jedoch noch sehr frisch. Dies zeigte sich erneut am 11. September diesen Jahres:  an diesem Tag wurde Maritza Garrido Lecca nach 25 Jahren Haft entlassen.  Maritza Garrido Lecca war eine bei ihrer Gefangennahme 27-jährige Tänzerin aus bester peruanischer Familie, die für Abimael Guzmán das Haus gemietet hatte, in dem er schliesslich gefasst  wurde.

Als bekannt wurde, dass Maritza Garrido Lecca nach ihrer Freilassung bei ihrer Mutter im noblen Stadtteil Miraflores wohnen würde, protestierten die Nachbarn gegen die „Terroristin“ in der Nachbarschaft, und der Bürgermeister von Miraflores verstärkte die Security in der Gegend. Mit dem „Leuchtenden Pfad“ kann man auch heute noch in Peru einfach Ängste schüren und Menschen manipulieren.  Der Artikel von Cesar Bazán in diesem InfoPeru über die Absetzung des Direktors des Bürgerkriegsmuseums gibt ebenfalls Zeugnis davon, wie heftig um die „richtige“ Erinnerung an die Bürgerkriegszeit gestritten wird.

In Erinnerung bleiben wird der September 2017 aber auch wegen der Regierungskrise, in die die Regierung Kuczynski  gestürzt ist. Am 14. September entzog das von den Fujimoristen dominierte Parlament dem gesamten Kabinett unter Premierminister Fernando Zavala das Vertrauen. Dies bedeutet, dass Präsident Kuczynski innerhalb von 2 Tagen ein neues Kabinett zusammenstellen muss.

Grund für die Misstrauensfrage ist der nach über 2 Monaten zu Ende gegangene Lehrerstreik.  Die Hintergründe für den Streik sind vielfältig, wie Sie im Artikel von Heinz Schulze und im Interview mit Javier Torres nachlesen können.

Dass deswegen aber die gesamte Regierung zurücktreten soll, ist ein Machtkalkül der Fujimori-Fraktion und zeigt , wie schwach die Regierung Kauczynski ist.

Seit 17 Jahren haben alle peruanischen Präsidenten ihre Legislaturperiode zu Ende gebracht – mochten sie auch am Ende noch so ramponiert dastehen. Um der Institutionalität willen ist zu hoffen, dass auch die Regierung Kuczynski diese und weitere folgenden Krisen überlebt.  Die Zeiten, in denen gewählte Präsidenten über Nacht abgesetzt wurden  oder aber sich illegitim lange an die Macht klammerten, möchte in Peru niemand wieder zurück haben.

 

Hildegard Willer

 

 

 

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