Liebe an Peru interessierte Leserin und Leser,

in diesen Tagen schaut alle Welt besorgt auf die brennenden Amazonas-Wälder. Auch im peruanischen Amazonas-Gebiet brennt es, wenn auch in geringerem Ausmass als in Brasilien. Bisher hat das die Mehrheit der Peruaner, die an der Küste leben, wenig interessiert. Denn den Konflikt zwischen Entwicklung einerseits und einer intakten Umwelt andererseits fechten die Menschen aus, die direkt im Regenwald leben. Manchmal verläuft die Grenze zwischen Opfer und Täter  hauchdünn, wie ich in Saramiriza in Loreto erfahren durfte. Dort besuchte ich das Dorf Nuevo Progreso, in dem Erdöl aus einer kaputten Pipeline geflossen war, und in dem die Dorfbewohner beschuldigt wurden, diese Schäden mutwillig herbeigeführt zu haben. Wer oder was wirklich dahintersteckt, können Sie in diesem InfoPeru lesen.

Auf der politischen Bühne ist der Machtkampf zwischen Präsident Vizcarra und der Mehrheit der Fujimoristas und Apristas im Parlament in vollem Gange. Vizcarra möchte, mit Rückendeckung der großen Mehrheit der Bevölkerung, Neuwahlen vorziehen, und damit die jetzigen Parlamentarier vorzeitig nach Hause schicken. Diese wehren sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen. Das Tauziehen wird uns in den nächsten Wochen und Monaten noch gefangen halten. In diesem InfoPeru lesen Sie eine ausführliche Analyse von Andreas Baumgart zu dieser politischen Konstellation.

In den letzten Wochen hat die Peruaner aber weniger die Politik, als wieder einmal der Sport begeistert. Das Geld, das nicht in die Regenwalddörfer investiert wird, wurde gebraucht, um neue Sportstadien und Hochhäuser für die Athleten aus ganz Südamerika zu erstellen, die für die Panamerikanischen Spiele nach Lima kamen. Die Limeños waren begeistert dabei, füllten die neuen Stadien in den Aussenbezirken und bejubelten ihre Medaillengewinner*innen. Manche werden sagen, das viele Geld (die Spiele kosteten den Staatssäckel über eine Milliarde US-Dollar) hätte man besser einsetzen können.  Im Jubel der Spiele und der monumentalen Abschlusszeremonie stellte niemand diese Investition in Frage. Nun ist zu hoffen, dass die neuen Stadien in Villa El Salvador und Villa María de Triunfo auch nach der Euphorie der Spiele feste benutzt werden. 

Hildegard Willer

 

 

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