Liebe Leserin, lieber Leser des InfoPeru,

am 13. Januar 2019 wachten die Bewohner mehrere Strassen in San Juan de Lurigancho von einem ungewohnten Geräusch auf. Ihre Strasse war überflutet und ein übler Gestank zog durch Türen und Fenster. San Juan de Lurigancho, im Osten der Stadt gelegen, ist Limas bevölkerungsreichster Distrikt mit über einer Million Einwohnern.

Ein Haupt-Abwasserrohr war gebrochen und hatte die Überflutung ausgelöst. An die 2000 Menschen waren betroffen, mussten evakuiert werden, ihre Habseligkeiten in Sicherheit bringen, bis die städtischen Wasserwerke schliesslich den Rohrbruch beheben konnten.

Grund für denselben sei eine fehlerhafte Einsetzung des Haupt-Rohres während des Baus des „Tren Electrico“, der Hochtrassenbahn, die vom Süden Limas bis in den Osten führt. Verantwortlich für den Fehler sei das Konsortium um die brasilianische Baufirma Odebrecht, das den Tren Electrico gebaut hat. Die Qualität des Rohrs würde nicht den Ansprüchen der staatlichen Trinkwassergesellschaft Sedapal genügen, sagte der Wohnungsbauminister.

Odebrecht hat seine Aufträge durch Korruption und Schmiergelder an hohe und höchste peruanische Beamte und politische Amtsträger erhalten. Das heisst, das Geld aus dem Staatssäckel, das für gute und passende Abwasserrohre gedacht war, landete in den Taschen korrupter Funktionäre und in den Taschen der Baufirma. Leidtragend ist die Bevölkerung, die tagelang in einer Kloake leben musste.

Selten wird der Zusammenhang zwischen Korruption auf höchster Ebene und ihren Auswirkungen auf das Leben der Bevölkerung so ruchbar wie beim Rohrbruch in San Juan de Lurigancho.

Am 15. Februar 2019 unterzeichneten peruanische Staatsanwälte in Sao Paulo ein Abkommen mit ehemals hohen Angestellten von Odebrecht. Zwei Jahre dauerten die Verhandlungen für das Abkommen, und wiederholt versuchten Politiker in Peru, dieses zu torpedieren. Der Protest der Bürger hat jedoch bewirkt, dass das Abkommen nun endlich unterzeichnet werden konnte. Damit ist der Weg frei, damit neue Beweise aus Brasilien, Andorra und der Schweiz an die peruanische Staatsanwaltschaft gelangen und die Ermittlungen zu einer Anklage führen. Nicht wenige hohe Politiker, Beamte aber auch die peruanischen Geschäftspartner von Odebrecht zittern vor den neuen Enthüllungen.

In diesem InfoPeru möchte ich Sie besonders auf unsere Debatte zu „Solidarität zwischen Peru und Deutschland – was heisst das heute?”) hinweisen und Sie einladen, sich mit der Kommentarfunktion zu beteiligen.

Wir hoffen, viele von Ihnen beim Peru-Seminar der Infostelle vom 3. bis 5. Mai in Köln begrüssen zu können. Einladung und Programm finden Sie in dieser Ausgabe des InfoPeru.

Hildegard Willer

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