Liebe Leserin, lieber Leser,

 

über zu langweilige Festtage konnten wir uns hier in Peru wahrlich nicht beklagen. Zuerst gingen wir auf die Strasse, um die Absetzung des Präsidenten Kuczynski (PPK) und vor allem eine zukünftige Regierung Keiko Fujimori zu verhindern. Drei Tage später protestierten wir gegenPPK, gegen Fujimori und vor allem gegen die Begnadigung des Patriarchen der Fujimori-Familie, Alberto Fujimori.  In dieser Ausgabe des InfoPeru können Sie nachlesen, was genau an diesen Weihnachtstagen geschah, und warum die Begnadigung als Folge eines  politischen Kuhhandels so viel Empörung auslöst in Menschenrechtskreisen und in vielen Gruppen der Zivilgesellschaft.

Nachdem die erste Empörungswelle verflacht ist, bleiben folgende Tatsachen : die Regierung PPK steht noch schwächer und einsamer da als vorher, und viele fragen sich , wielange sich PPK noch im Amt halten kann.

Zum anderen scheint die Fujimori-Fraktion sich tatsächlich aufzuspalten, zwischen den Anhängern der Geschwister Keiko und Kenji.

Ein Schlag ins Gesicht ist die Freilassung von Alberto Fujimori vor allem für die Opfer der Fujimori-Zeit. Gegen eine humanitäre Begnadigung des 79-jährigen hätten sie sich nicht grundsätzich gestellt, sagte Gisela Ortiz, deren Bruder vor 26 Jahren von paramilitärischen Kommandos umgebracht wurde. Aber nicht so, als Folge eines politischen Geschachers.

Menschenrechtsgruppen aus aller Welt protestieren deswegen gegen diese Farce einer Begnadigung und legen Beschwerde ein vor dem Interamerikanischen Menschenrechtshof in Costa Rica. Auch Infostellenmitglied César Bazán hat einen juristischen Fachbericht eingereicht, der argumentiert, warum die Begnadigung von Alberto Fujimori  die Vollstreckung eines Urteils des Interamerikanischen Menschenrechtshofes verletzt. Am 2. Febuar ist in San José de Costa Rica die Anhörung. Falls der Gerichtshof sich gegen die Rechtsmässigkeit der Begnadigung ausspricht,  wird PPK entscheiden müssen, ob Peru das Urteil akzeptiert oder sich aus dem Interamerikanischen Menschenrechtssystem verabschiedet und sich damit noch mehr ins politische Abseits stellt.

Die Infostelle Peru hat auch Aussenminister Sigmar Gabriel gebeten, den peruanischen Botschafter in Deutschland einzubestellen, und ihm die Kritik der Bundesregierung an der Begnadigung von Fujimori zu unterbreiten.

„Was ist los mit Euren Präsidenten ? Kaum verlassen sie das Amt, landen sie im Gefängnis“, so nahm  Papst Franziskus bei seinem am 21. Januar zu Ende gegangenen Peru-Besuch die Politiker in die Mangel. Höhepunkt des Papst-Besuches war seine Begegnung mit den indigenen Völkern des Regenwaldes in Puerto Maldonado. In seiner Rede sprach er sich klar gegen die Ausbeutung der Ressourcen aus und für die Rechte, die Kultur und den Schutz der indigenen Völker. Peru ist immer noch ein gut katholisches Land, auch wenn“nur“ mehr 75% der Peruaner katholisch sind. Dies merkte man an den Menschenmassen, die den Papst auf den Strassen bejubelten oder seine Messen in Trujillo und Lima besuchten.

Schade nur, dass Papst Franziskus den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche in Peru nicht angesprochen hat. Dabei gäbe es einiges dazu zu sagen und aufzdecken. In diesem InfoPeru finden Sie mehrere Artkel mit unseren Analysen zum Papst-Besuch.

 

Eine gute Lektüre wünscht

 

Hildegard Willer

Redakteurin InfoPeru

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