Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht nur Macchu Picchu quillt über von Touristen, sondern auch der Flughafen von Cusco, mitten in der Stadt, reicht schon längst nicht mehr aus für die im Viertelstundentakt landenden Flugzeuge. Eine Stunde ausserhalb der Stadt, in Chincheros, soll deshalb ein neuer grösserer Flughafen gebaut werden. Die Bau-Vergabe an ein privates Konsortium hatte noch die Vorgänger-Regierung Humala in die Wege geleitet. Der Baubeginn verzögerte sich bis Februar 2017 und war nur möglich, weil der peruanische Staat wesentlich mehr Anteilskosten übernahm, als der private Partner ursprünglich zugesagt hatte. Perus staatliche Infrastrukturprojekte wurden meist als Gemeinschaftsprojekt von privaten und staatlichen Partnern durchgeführt – angeblich, sollte dies den Staat entlasten und private Firmen würden effizienter durchführen. Dass dies eine Mär ist, zeigt der Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht, der in mehreren lateinamerikanischen Ländern ein Quasi-Monopol auf staatliche Aufträge hatte und dafür saftige Schmiergelder bezahlt hatte.

Die sowieso schon schwache Regierung Kucznyski – sie regiert gegen eine Mehrheit der Fujimoristas im Parlament – ist durch den Odebrecht-Skandal noch mehr geschwächt worden. Zum einen weil Kuczynski unter Präsident Toledo Premier- und Wirtschaftsminister war, und Toledo angeklagt ist, 20 Millionen Schmiergeld angenommen zu haben. Was hat Kuczynski davon gewusst ? Sondern auch, weil der peruanische Staat sämliche Grossprojekte , an denen Odebrecht beteiligt war, ausgesetzt hat.  Der peruanische Finanzminister hat deswegen seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft um einen Punkt heruntergestuft.

Neben der Korruption, geht es in diesem InfoPeru aber auch um die gesellschaftlichen Wertvorstellungen, die sich in Peru derzeit bekämpfen: die konservative Anti-Gender-Bewegung, von evangelikalen Christen angeführt, macht gegen einen neuen staatlichen Lehrplan mobil. Auf katholischer Seite ist die rechte Sekte Sodalitium Vitae Christianae aufgrund der überwältigenden Zeugnisse der sexuellen Übergriffe ihrer Gründer Figari und Doig dagegen kirchlich entmachtet – auch wenn die Täter strafrechtlich nicht mehr belangt werden.

Von der Informationsstelle möchten wir Euch dieses Mal besonders auf zwei Veranstaltungen hinweisen: vom 28. – 30. April 2017 findet in Köln das jährliche Seminar der Infostelle für alle Peru-Liebhaber, -Engagierte und -Kenner statt. Dieses Mal steht die Jugend Perus im Mittelpunkt: welche Vorstellungen hat sie von der Zukunft ihres Landes?

Dann möchten wir Sie auf die Tournee des peruanischen Filmemachers Heeder Soto hinweisen. Zwischen dem 24. April und dem 24. Mai wird er in mehreren deutschen Städten seinen Film über die Umweltsituation rund um den Titicaca-See zeigen.

 

Hildegard Willer

 

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