Liebe Leserin, lieber Leser des neuen Infoperu,

der Bergbau ist weiterhin ein Thema, das vielen Menschen, Betroffenen und auch Politikern in Peru  auf den Nägeln brennt. Nun hat die „Multisektoriale Kommission“  ihren ersten Bericht vorgelegt, und spricht gleich von der „nueva mineria“, dem neuen Bergbau. Mit einem 5-Punkte-Plan gibt die Kommission Empfehlungen, deren Umsetzung tatsächlich zu einer substantiellen Verbesserung dieses kritischen Wirtschaftszweiges beitragen könnte. Genannt  werden u.a. Raumplanung und Verbesserung der Umweltverträglichkeitsprüfungen, und die Definition klarer Indikatoren zur besseren  Kontrolle der sozialen und umweltmäßigen Auswirkungen der Bergbauindustrie. Allerdings werden entscheidende Fragen in dieser „Hoja de Ruta“ nicht aufgegriffen, vor allem bleibt die Frage der Konzessionsvergabe besonders  in Gebieten mit einem eh´ schon bedrohten Ökosystem,  sowie die Klärung der Zuständigkeiten der Regional- und Lokalregierungen  außen vor. Leider gibt es keinen transparenten und partizipativen  breiten Diskussionsprozess in der peruanischen Gesellschaft darüber, und die Zentralregierung hat es bisher verpasst, diesen anzustoßen. –  Währenddessen tagt in Argentinien das lateinamerikanische „Wassertribunal“,  in dem die fünf schwerwiegendsten Fälle von Wasser- und Umweltkonflikten im „Cono Sur“ sowie Mexiko untersucht werden. In seiner Eröffnungsrede betonte der Präsident des zivilgesellschaftlichen Tribunals: „Maßgeblich ist die Fähigkeit der staatlichen Verwaltung,  den Mix an institutionellen Zuständigkeiten, verantwortlich für den  Schutz des Wasser und damit des Lebens so wirksam und effizient zu gestalten,  dass tatsächlich der Erhalt der Wasseradern und –quellen  unseres Planeten nachhaltig garantiert werden kann“. Der Fall „Conga“ in Peru ist einer der dort behandelten Fälle, eingebracht von der NGO GRUFIDES aus  Cajamarca  und der interinstitutionellen Plattform PIC   aus Celendin. Die vor dem Wassertribunal erhobene Anklage gegen den peruanischen Staat und die Minenbetreiberfirma Yanacocha S.R.L. lautet auf  Verletzung des Menschenrechts auf gesundes Wasser und eine gesunde Umwelt, und verlangt die definitive Einstellung der Bergbautätigkeit im Projekt Conga.   –  Also ein Peru ohne Bergbau? Sicher ist, dass verstärkt in eine andere Richtung gedacht werden muss, wenn es um die „Entwicklung“ des Landes geht. Der neue Rundbrief unserer Partnerorganisation in Lima, dem  „Forum Solidarid Peru“,  heißt „Alerta Alimentaria“ (Ernährungsalarm),  und darin wird klar, wie sehr die Frage der nachhaltigen Entwicklung Perus verknüpft ist mit einem Wirtschaftsbereich, den die Politiker in Lima kaum wahrnehmen, nämlich der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Diese könnte  mehr zur Armutsüberwindung beitragen als die großen Bergbauunternehmen, und  das Land unabhängiger machen von Nahrungsmittelimporten. Ein neuer, im Kongress eingebrachter  Gesetzentwurf  heißt „Gesetz zur Förderung der Kleinlandwirtschaft für die nationale Lebensmittelproduktion“.  Diesem Gesetz entsprechend müsste der Staat massiv und gezielt  in einen Sektor investieren, der Arbeitsmöglichkeiten auf dem Lande entstehen ließe, die Regionen sich dezentral entwickeln hälfe und Nahrungsmittel produzieren würde, die das Land wirklich braucht. – Wir gratulieren dem Forum Solidaridad für seine  gezielte Initiative, das Augenmerk der Öffentlichkeit auf den Themenkomplex Ernährungssicherheit und Kleinlandwirtschaft zu lenken und zu zeigen,  dass Alternativen möglich sind.

Viel Spaß beim Lesen des neuen  InfoPeru !

Mechthild Ebeling

(Vorstandsmitglied der Informationsstelle Peru e.V.)