Wer sich mit der Situation indigener Völker beschäftigt, stößt immer wieder auf den Namen Rodolfo Stavenhagen. Auch  die Infostelle Peru hat sich in ihrem Engagement für indigene Völker Perus immer wieder auf Berichte und Expertisen des grossen Soziologen und Ethnologen verlassen. Rodolfo Stavenhagen verstarb am 5. November im Alter von 84 Jahren.
Rodolfo Stavenhagen wurde am 29.8.1932 in Frankfurt geboren. Mit seinen Eltern floh er vor dem Naziterror und kam 1940 nach Mexiko. Seine Großeltern blieben in Deutshland und starben in einem Konzentrationslager. Er studierte Ethnologie und Soziologie in Chicago, Mexiko und Paris. Seit dieser Zeit war sein Arbeits-und Lebensinteresse die Frage der Menschenrechte, insbesondere für die indigenen Völker. Er war u.a. tätig in der UNESCO und in der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.  Stavenhagen  war maßgeblich an der Erarbeitung der ILO Konvention 169 (über die Rechte indigener Völker) beteiligt, wie auch an der Vorarbeit zur UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker. Sein berufliches Credo hieß: Die Ethnologie soll den Menschen dienen und nicht der Macht.
Für die indigene Bevölkerung war seine Tätigkeit als Berichterstatter der Vereinigten Staaten für Angelegenheiten indigener Völker (2001-2008) sehr fruchtbar. Durch seine Arbeit als Schriftsteller, Menschenrechtsexperte und Verhandler für die Rechte indigener Völker konnte er viele Menschen dafür sensibilisieren,  dass die Kosmovision der Indigenen Völker und ihr Beitrag zum Erhalt der Regenwälder einen unabdingbaren Beitrag zum Überleben der Menschheit darstellt.
Als Universitätslehrer und Autor zahlreicher Publikationen – eine der bekanntesten sind seine „7  Tesis equivocados sobre América Latina“ – hatte er großen Einfluss auf Studierende und auch auf MitarbeiterInnen von Organisationen, die mit indigenen Organisationen arbeiten.
Er war nach der blutigen Beendigung des Protestes Indigener in Bagua in Peru präsent und war ein heftiger Kritiker der rassistischen Vorstellungen von Perus Ex-Präsident Alan Garcia.
Posthum würdigte ihn der Ausschuss für Indigene Angelegnheiten des peruanischen Parlaments am 8.11.16.

Seine rigorose, engagierte und fachlich versierte Arbeit, verbunden mit einer großen Menschlichkeit, wird uns und besonders der indigenen Bevölkerung fehlen.
Heinz Schulze

(Quellen:La jornada, 8.11.16, Marcos Matías Alonso, 7.11.Mexiko, Rocio Silva Santisteban, La Republica, 8.11.16)

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