Bei der Weltklimakonferenz im Dezember in Lima gab sich Peru noch als grosser Regenwaldschützer. Nun zeigt  die NGO Environmental Investitation Agency, dass der Palmölanbau in der peruanischen Selva bereits 60 000 Hektar einnimmt und Primärwald vernichtet. Fragen und Antworten zu Thema Palmölanbau in Peru.

Worum geht es beim Thema Palmöl im peruanischen Amazonasgebiet ?

70% des peruanischen Staatsgebietes ist mit Wald bedeckt, das enstpricht 74 Millionen Hektar. Der grösste Teil gehört rechtlich dem peruanischen Staat, der wiederum Landtitel vergeben kann: an Indigena-Gemeinschaften, an Kleinsiedler aber auch an grosse inländische und ausländische Investoren. Inzwischen sind 60 000 Hektar der peruanischen Selva mit Palmölplantagen besetzt, weitere 113 000 Hektar sind dafür beantragt. Im peruanischen Palmölplan 2000 – 2010 ist die Rede von 1,4 Millionen Hektar, die für Palmölplantagen zur Verfügung stehen würden. Auf Anfrage, kann das peruanische Landwirtschaftsministerium nicht sagen, wo dieses 1,4 Millionen Hektar genau liegen.

Innerhalb von zwei Jahren ist der Palmöl-Export Perus von 0 im Jahr 2012 auf 52 515 Tonnen gestiegen. Hauptexportdestinationen waren 2014 Kolumbien und die Niederlande.

Palmölpflanzen sind doch auch Wald, was ist das Problem ?

Ein wichtiger Grund für die Erhaltung des Regenwaldes im Primärzustand ist seine Funktion als Kohlenstoffspeicher und damit wichtig für die Entschleunigung des Klimawandels. Der US-amerikansiche Forscher Greg Asner hat mittels spezieller Laseraufnahmen die Kohlenstoffspeicherkapazität des peruanischen Amazonasgebietes vermessen und nachgewiesen, dass Palmölplantagen in Monokultur viel weniger Kohlenstoff speichern als primärer Regenwald mit seiner ursprünglichen Biomasse.

Theoretisch soll nur bereits abgeholzter Regenwald für die Palmölaufforstung ausgewiesen werden: dies wird von den Palmölplantagenbesitzern jedoch nicht eingehalten. U.a. weil sie grosse aneinanderhängende Flächen brauchen, damit sich der Plantagenanbau rentiert.

Warum gerade Peru ?

Die weltweite Nachfrage nach Palmöl steigt: sei es als Beimischung als Agrotreibstoff; sei es als Inhaltsstoff für die Nahrungs- und Kosmetikindustrie. Kaum ein verarbeitetes Lebensmittel oder Hygieneartikel, der kein Palmöl enthält. 85% des Palmöls werden bisher in Malaysia und Indonesien  angebaut. Dort werden die Flächen rar. Asiatische Investoren sind auf der Suche nach neuen Flächen auf Peru gestossen. Grosse Mengen an Palmölpflanzen werden auch in Kolumbien und Ecuador angebaut.

Wie ist es möglich, dass Peru einerseits im September 2014 mit Norwegen und Deutschland einen Vertrag über „Null-Netto-Abholzung“ des Regenwaldes unterzeichnet hat, und andererseits die Abholzung des Regenwaldes durch den Palmölanbau unterstützt ?

Wie auch beim Thema Bergbau stehen sich zwei Sektoren mit unterschiedlicher Zielsetzung gegenüber: der  Landwirtschaftssektor sieht traditionell seine Aufgabe in der Produktionssteigerung und der Urbarmachung ungenutzterFlächen.  Das jüngere Umweltministerium dagegen sieht den Schutz des Regenwaldes als Zweck in sich.

Eine perfide Gesetzeslücke führt in Peru dazu, dass theoretisch 20 Millionen Hektar Regenwald für den Anbau von Palmöl ausgewiesen werden könnten. Denn ausschlaggebend für die Freigabe von Amazonas.-Land für den Ackerbau ist die Klassifizierung des Regenwaldgebietes als für Landwirtschaft geeignet oder nicht. Die Kritieren hierfür beziehen  nur die Bodenbeschaffenheit und das Klima ein , nicht jedoch den Baumbestand. Die Bodennutzungsstudien werden, ähnlich wie die Umweltstudien im Bergbau, von den interessierten Investoren selber in Auftrag gegeben und müssen vom Landwirtschaftsministerium in Lima abgesegnet werden. Diese Klausel des „Cambio de uso mayor“ (Bodennutzungsänderung) erlaubt die legale Freigabe von Land in der Selva für den Palmölanbau.

Wie gehen die Palmölinvestoren vor ?

Für die Landvergabe sind die meist schwachen Regionalregierungen in den Selva-Departamentos San Martin, Loreto und Ucayali zuständig. Die Investoren gelangen also an die Regionalregierungen, auch schon mal mit Korruptionsgeldern, und lassen sich Land zuweisen. Um an die angrenzenden Flächen zu gelangen, helfen sie dort ansässigen Kleinsiedlern oder Indigena-Gemeinschaften, ihr Land rechtmässig titulieren zu lassen, es abzuholzen und dann an sie zu verkaufen.  Durch Satellitenbilder hat EIA nachgewiesen, dass Unternehmen der Melka-Gruppe auch ohne Erlaubnis bereits Wald abgeholzt haben.

Wer profitiert vom Palmölanbau in Peru ?

In erster Linie zwei grosse Investorengruppen: der US-tschechische Investor Dennis Melka besitzt eine ganze Reihe von peruanischen Firmen, die bisher unrechtmässig auf 7000 Hektar Selva Palmöl anbauen, weitere 96192Hektar in Loreto und Ucayali hat er beantragt. Die Gruppe Melka firmiert unter verschiedenen Firmen in Ucayali und Loreto, eine der Firmen „United Cacao“ ist an der Börse in London gelistet. Vorher war Dennis Melka gross im Palmölgeschäft in Malaysia tätig. Gegen NGOs, die ihn der illegalen Abholzung bezichtigen, geht Melka gerichtlich vor. So ist der  Hamburger NGO „Rettet den Regenwald“  vorläufig gerichtlich untersagt, zu behaupten, Melka würde den Regenwald illegal abholzen.

Der zweite Grossinvestor ist die peruanische Gruppe Romero, denen u.a. der grösste Lebensmittelkonzern Perus, Alicorp S.A., gehört. Sie beiwrtschaften 22 500 Hektar Palmölplantagen in San Martin, und haben weitere 34 000 Hektar beantragt.

Aber auch kleine Siedler und viele Menschen in der Selva setzen Hoffnungen in das Palmöl: Hoffnung auf Arbeitsplätze oder Hoffnung eigene kleine Palmölpflanzungen, die mehr abwerfen als der traditionelle Yuca oder Bananenanbau. 60% des in Peru produzierten Palmöls wird von kleinen Bauern produziert.

Die Regionalregierungen sind an der Schaffung von Arbeitsplätzen interessiert. Das Agrarministerium will die landwirtschaftliche Produktion auch auf Kosten der Umwelt steigern.

 

Wer ist gegen den Anbau von Palmöl ?

Gegner sind das Umweltministerium Perus – der Anwalt des Ministeriums hat jüngst Klage eingereicht gegen die Vergabe von Landrechten für den Palmölanbau. Umwelt-NGOs in Lima und zivilgesellschaftliche Gruppen haben die Waldzerstörungen ebenfalls aufgedeckt und machen dagegen mobil.

Die indigenen Gemeinschaften fordern, dass sie als Kollektiv Landtitel erhalten, dies sei die beste Waffe gegen die Invasion der ausländischen Investoren  und die nachfolgende Abholzung.  „Es kann nicht sein, dass bei uns sinnlos Wald abgeholzt wird, nur damit die Investoren das Land nachher kaufen können“, sagt ein Vertreter von AIDESEP.

 

Was kann man in Deutschland tun ?

Im September 2014 hat Peru hat mit der Bundesrepublik Deutschland und Norwegen eine REDD-Partnerschaft -Absichtserklärung unterzeichnet. Peru verpflichtet sich darin, bis 2021 seine Wald- und Landnutzung klimaneutral auszurichten. Im Gegenzug wird Deutschland seine Hilfe für den peruanischen Waldschutz erheblich aufstocken.  Bei der aktuellen Politik der Vergabe von Palmöl-Projekten im Regenwald dürfte Peru diese Bedingungen nicht erfüllen.

Zum anderen sind alle als Konsumenten gefragt: Palmöl und seine Derivate benutzen wir täglich, sei es im Shampoo, in der Seife, im Speiseeis oder in der Schokolade, um nur einige von vielen Produkten zu nennen, die Palmöl enthalten. (1)  „Der Palmölanbau im Regenwald sei halt am effektivsten, um die Nachfrage nach Palmöl zu stillen“ hat sich Dennis Melka kürzlich in einem Interview mitder BBC verteidigt. Dass es die Nachfrage gibt, liegt auch an der grossen Zahl unkritischer Konsumenten weltweit.

Hildegard Willer

Die rasante Abholzung des peruanischen Regenwaldes kann auf dieser App der peruanischen NGO Ojo  Público nachverfolgt werden.

http://ojo-publico.com/sites/apps/mapa-deforestacion/

Den gesamten Bericht der Environmental Investigation Agency finden Sie hier

http://eia-global.org/images/uploads/EIA_Peru_Palm_Report_APRIL_7.pdf

Die Liste aller Bestandteile von Nahrungsmitteln und Kosmetik, die Palmöl enthalten, laut WWF: Vegetable Oil, Vegetable Fat, Palm Kernel, Palm Kernel Oil, Palm Fruit Oil, Palmate, Palmitate, Palmolein, Glyceryl, Stearate, Stearic Acid, Elaeis Guineensis, Palmitic Acid, Palm Stearine, Palmitoyl Oxostearamide, Palmitoyl Tetrapeptide-3, Sodium Laureth Sulfate, Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Kernelate, Sodium Palm Kernelate, Sodium Lauryl Lactylate/Sulphate, Hyrated Palm Glycerides, Etyl Palmitate, Octyl Palmitate, Palmityl Alcohol

 

3 Responses

  1. Joachim Böhnert

    In der riesigen Amazonas Region von Peru gibt es eine Reihen von Naturschutzgebieten wie den National Park Manu, etc.. in der Form eines wenn auch sehr weitläufigen Netzes. In der Theorie sollen diese durch Rand – und Pufferzonen geschützt werden, in Spanisch – http://www.zonasdeamortiguamiento.org -.
    Diese Pufferzonen von Naturschutzgebieten existieren in der rauen Realität dieser Region aber mehr nur in der Theorie! Landwirtschaftliche Entwicklungen, Raubbau und Zerstörungen wie in diesen Artikel beschrieben, erhöhen aber immer mehr den Druck auf diese Naturschutzgebiete. Diese negativen Entwicklungen führen zu einer Zerstörung der natürlichen Verbindungen zwischen diesen wenigen Naturschutzgebieten und der Landschaft dieser großen Region. Ein negatives Beispiel für eine solche Zerstörung ist die Mata Atlantica Region an der Küste von Brasilien. Weniger als 1 % des ehemaligen Küsten-Regenwaldes verblieben in kleinen isolierten Naturschutzgebieten in dieser Region.
    Wenn dies die Zukunft der Amazon Region von Peru sein sollte, werden die Auswirkungen von klimatischen, natürlichen und sozialen Verarmungen und Zerstörungen in dieser Region nicht ausbleiben!

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