Einfühlsame Worte zu den indigenen Völkern, harsche Worte zu den Politikern: jedoch kein Wort zu den Opfern von Missbrauchsskandalen in der Kirche Perus.Eine gute Woche vor dem Papst kam die Nachricht aus Rom: der Vatikan setzt die rechtskatholische Sekte „Sodalicio“ unter kommissarische Verwaltung. Das heisst, die Führungsspitze des „Sodalitium Vitae Christianae“ wird abgesetzt und der kolumbanische Bischof Londonho kommissarisch eingesetzt.

Für Martin Scheuch ist das zu wenig: Der Papst hätte Sodalicio auflösen sollen. Einem kommissarischen Leiter könnten die „Sodálites“ alles mögliche vorspielen. Martin Scheuch war selber jahrelang Mitglied des „Sodalitium Vitae Christianae“,  schreibt in seinem Blog „Las líneas torcidas“ über seine Erfahrungen und analyisiert den kirchlichen Umgang mit der Gruppierung.

Nachdem 18 Opfer ihr Zeugnis in einem Buch der Journalisten Paola Ugaz und Pedro Salinas vor zwei Jahren bekanntgemacht, wurde der Gründer Luis Fernando Figari und weitere Führungspersonen strafrechtlich belangt. Die sexuellen Missbrauchstaten sind zwar verjaehrt, aber inzwischen hat der Staatsanwalt Klage wegen einer kriminellen Vereinigung und Grausamkeit eingereicht. Luis Fernando Figari weilt derweil weiterhin in Rom, nicht direkt unter, aber auch nicht ausserhalb des Schutzes des Vatikans.

Der Fall des Sodalitium Vitae Christianae ist speziell in der Geschichte der kirchlichen Missbrauchsfälle: Sodalicio hat eine sektenähnliche Struktur mit faschistischen und sadistischen Zügen. Nicht nur Martin Scheuch ist der Meinung, dass das Sodalicio aufgelöst werden müsste. Dann jedoch kämen auch zwei peruanische Bischöfe in die Bredouille, die Mitglieder des Sodalicio sind: Erzbischof Eguren von Piura und der deutschstämmige Kay Martin Schmalhausen von der Prälatur Ayaviri.

Erzbischof Eguren durfte , ungeachtet seiner Mitgliedschaft im Sodalicio, vor Papst Franziskus in Trujillo die Begrüssungsworte sprechen.

Auch sonst ist die peruanische Bischofskonferenz nicht gerade transparent beim Umgang mit Missbrauchsfällen. Die Mitglieder des Sodalicio gehörten der weissen Oberschicht an. Wieviel mehr Opfer von Missbrauchsfällen in Pfarreien in armen Stadtteilen und abgelegenen Dörfern es wohl geben mag, wo die Opfer keinerlei Möglichkeiten haben, sich zu wehren ? Beim letzten öffentlich bekannt gewordenen Fall einer Verwaltigungsklage gegen einen Priester  aus Ayacucho, hat Bischof Pinheiro sich sofort hinter den Priester gestellt und die Klägerin und ihre Eltern der Lüge bezichtigt.

Wann sich endlich die Ordensfrauen wehren gegen die schlechten Witze, die insbesondere Priester über sie machen ?  Leider ist Papst Franziskus da keine Ausnahme. Bei einem Treffen mit 500 Ordensfrauen witzelte er, dass geschwätzige Nonnen schlimmer seien als der Sendero Luminoso.  Leider sind solche frauenverachtenden Witze über Ordensfrauen  im Klerus immer noch Gang und gäbe.

Nachtrag: auf dem Heimflug nach Rom hat Papst Franziskus, von Journalisten auf das Sodalicio angesprochen, angekündigt, dass Luis Fernando Figari sich der staatlichen Justiz unterziehen muss, also vom Vatikan keinen Schutz mehr erhält.

Hildegard Willer

 

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