Die Spuren des Bürgerkrieges in Peru sind auch nach 25 Jahren noch recht frisch, wie die jüngste Auseinandersetzung um eine Ausstellung zeigt.

Der politische Kampf zwischen der Opposition, sprich Fujimori-Partei, und der Regierung hat ein neues Opfer hervorgebracht: der Direktor des Lugar de la Memoria (LUM), Guillermo Nugent, wurde im August 2017 abgesetzt.

 

Der Lugar de la Memoria, Tolerancia y la Inclusión Social in Lima ist die zentrale staatliche Gedenkstätte für die Opfer des Bürgerkrieges in Peru (1980-2000). Das Museum wurde mit deutschen Entwicklungshilfegeldern konzipiert und aufgebaut. Im Jahr 2014 wurde das LUM für das Publikum geöffnet.

 

Der Stein des Anstosses: die Ausstellung „Resistencia Visual 1992“

 

Das LUM zeigt neben der Dauerausstellung zur Geschichte des Bürgerkrieges, jeweils wechselnde Ausstellungen zu den Themen  Aufarbeitung der Gewalt, soziale Konflikte, Interkulturalität.

Anfang August 2017 zeigte das Museum die Kunstaustellung „Resistencia Visual 1992“. Sie besteht aus mehr als dreißig Drucken über besondere Ereignisse, die 1992 in Peru stattfanden, wie z.Bsp.: die Ermordung der sozialen Führerin María Elena Moyano in Villa El Salvador; der Terroranschlag in Tarata im Stadtteil Miraflores;  die verschwundenen Studenten und  Lehrer der Cantuta-Universität und die Verschwundenen in der Militärkaserne Pentagonito, die Korruptionsaffären von Fujimoris Berater Vladimiro Montesinos und so weiter (Einen Teil der Drucke finden Sie  hier).

 

Es war klar, dass diese Kunstaustellung die Mitglieder der Fujimori-Partei stören würde: der ehemalige Präsident Alberto Fujimori wurde wegen der Entführung und Ermordung der Studierenden der Cantuta-Universität und wegen Korruption zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Deswegen hat der Abgeordnete Francesco Petrozzi aus der Fujimori-Fraktion im Twitter den folgenden Dialog veröffentlicht ( das spanische Original hier):

  • @estherguillend1: Herr Abgeordneter, bitte reden Sie mit dem Kulturminister. Die Ausstellung im LUM ist voller Hass gegen die Fujimori-Partei. Dabei soll es doch um Versöhnung und Toleranz gehen.
  • @franpetrozzi: Wir sehen das auch so und versuchen eine Lösung zu finden.

 

Die Legitimität des LUM in Frage?

Bald darauf besuchte der Kulturminister Salvador del Solar – ein in Peru berühmter Schauspieler und Regisseur –  zusammen mit dem Direktor des LUM die Ausstellung.

 

Schließlich fand der Minister die Ausstellung nicht geeignet für das Wahrheits- und Toleranzzentrum. In einer langen Facebook – Nachricht hat der Minister del Solar erklärt, dass die Ausstellung eine Voreingenommenheit widerspiegele, die gegen die Ziele des LUM sei. Der Direktor des LUM, Guillermo Nugent, habe einen Fehler gemacht und den grössten Wert des LUM aufs Spiel gesetzt, seine Legitimität (Nachricht auf Spanisch hier). Das Ergebnis ist bekannt: der Direktor wurde abgesetzt. Aber die Ausstellung „Resistencia visual 1992“ läuft weiter wie programmiert.

 

Meiner Meinung nach wird die Legitimität des LUM sehr wohl in Frage gestellt, aber nicht wegen eines Fehlers des ehemaligen Direktors, sondern wegen des Ministers. Die Ausstellung porträtiert verschiedene Höhepunkte der Geschichte Perus im Jahr 1992 und dazu gehören selbstverständlich Verschwundene, Korruptionsaffären, usw. Alberto Fujimori war damals Präsident und ist verantwortlich, bzw. schuldig für die Maßnahmen seiner Regierung. Deswegen ist es unmöglich, eine politische Ausstellung über Perus Geschichte der neunziger Jahre ohne solche Straftaten der Fujimori Partei zu zeigen. Wenn es so wäre, dann würde die Legitimität des LUM wirklich in Frage gestellt.

César Bazán Seminario (Infostelle Peru)

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