Das Oberlandesgericht Hamm hat der Klage von Saúl Luciano Lliuya aus Huaraz gegen den Energieriesen RWE stattgegeben. Damit schreibt der Bauer aus Huaraz Geschichte im internationalen Umweltrecht.Wenn der Bergführer und Bauer Saúl Luciano Lliuya aus Huaraz Touristen zum Gletschersee Palcacocha hinaufführt, so wird ihm das Herz schwer: da wo einstmals die Berge in weiss erstrahlten , ist nur noch brauner Stein zu sehen.  Aber nicht nur die Aussicht wird ärmer. Das Abschmelzen der Gletscher lässt auch das Wasser der Palcacocha-Lagune auf gefährliche Höhen anschwellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der schwache Damm bricht und das Gletscherwasser samt Geröll ins Tal donnert und auf seinem Weg ins Tal alles mitnimmt, was im Weg steht: Dörfer ebenso wie Menschen und Tiere.

Schuld an den gefährlich anschwellenden Bergseen ist der Gletscherschwund. Die Gletscher schwinden, weil die Temperaturen weltweit ansteigen, und die Temperaturen steigen an, weil weltweit zuviel CO2 in die Luft gepustet wird. Nicht überall auf der Welt: vor allem dort, wo es besonders viele Fabriken, Autos und Flugzeuge gibt. Das deutsche Energieunternehmen RWE mit Sitz in Essen ist ein besonders grosser Umweltsünder. Durch den CO2-Ausstoss seiner Kohlenkraftwerke ist RWE für 0,5% aller weltweit seit der Industrialisierung ausgestossenen Kohlendioxids, so die deutsche NGO Germanwatch.

Es sei deswegen nur logisch, dass RWE für den Bau eines neuen Damms an der Palcacocha-Lagune seinen Beitrag zahle, meinte Saul Luciano Lliuya aus Huaraz und verklagte, mit Unterstützung vn Germanwatch,  den Konzern RWE. Das war vor zwei Jahren. In erster Instanz wies das Gericht Essen die Klage ab: es sei nicht lueckenlos beweisbar, dass RWE für das Abschmelzen der Gletscher in Peru verantwortlich sei.  Saúl Luciano ging in Berufung. Am 13. November 2017  entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass grosse CO2-Verursacher grundsätzlich für Schäden zur Rechenschaft gezogen werden dürfen. Das heisst, Saul Luciano darf mit seiner Klage und der Beweisaufnahme weiterfahren.

Sollte er mit seiner Klage Erfolg haben, so wäre dies ein Präzedenzfall für internationale Haftbarkeit durch Schäden des Klimawandels.

Hildegard Willer

Eine Antwort

  1. Mario

    Super Entscheidung des Oberlandesgerichts. Die Folgen des Klimawandels bekommen Länder wie Peru am heftigsten zu spüren – und nicht die Verursacher. Schon um des guten Willens wegen wäre es nur mehr als fair, wenn RWE einen neuen Staudamm finanziert.

    Danke für den Artikel.

    Schaut doch mal auf meinem Blog vorbei und lasst einen Kommentar dar:
    http://www.peru-suedamerika.com
    Würde mich freuen.
    Vg
    Mario

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