Seit einigen Jahren gibt es  das panamazonische kirchliche Netzwerk der neun Amazonasstaaten REPAM. Unter dem jetzigen jesuitischen Papst Franziskus bekommt es  großen Aufwind.  Dies zeigt nicht zuletzt die geplante Reise des Papstes nach Puerto Maldonado im Januar 2018.

Das inhaltliche Fundament für die päpstliche Sorge um den Erhalt des Amazonas-Regenwaldes dürfte die Enzyklika Laudato Si (2015) sein.

Der engagierte peruanische Erzbischof Pedro Barreto (Huancayo) bezieht sich auf Laudato Si, wenn er sagt:

„Die Weltgemeinschaft muss Antworten auf die Verletzungen der Menschenwürde und Selbstbestimmung der indigenen Völker, die Vernichtung der indigenen Völker und die Zerstörung der biologischen Vielfalt im Amazonasgebiet finden…“

Das sagte er vor Abgeordnete des Deutschen Bundestags im Juni 2017.

Erzbischof Barreto weiß, wovon er spricht. In seiner Diözese steht der Ort La Oroya mit einer menschen-und umweltfeindlichen Dreckschleuder (Erzschmelze), wogegen er immer wieder protestierte und sich nicht nur den Hass der Unternehmensleitung, sondern auch der  dort tätigen Arbeiter zuzog. Erzbischof Barreto ist auch der Umwelt- und  Amazonasbeauftragte des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM)

 

Papst Franziskus fliegt im Januar 2018 nach Peru

 

Deshalb ist es besonders bedeutsam, dass Papst Franziskus im Januar 2018 nach Peru reisen wird.  Neben der peruanischen Hauptstadt Lima und der Küstenstadt Trujillo ist die südliche Regenwaldregion Madre de Dios  seine dritte Station bei diesem Besuch. Diese Region gehört zu den gebeuteltsten Regionen Perus: Kriminelle Goldproduktion mit Regenwaldzerstörung, Quecksilbereinsatz, ausbeuterischer Kinderarbeit und Prostitution.

Für die Bischöfe der Region zeigt dieser Besuch, wie wichtig dem Papst die indigene Bevölkerung ist. „Für ihn ist die Zerstörung des Regenwaldes eine Sünde.“ (Martinez de Aguirre, Vicariato Apostolico de Puerto Maldonado, der aus dem Baskenland, Spanien, stammt). Aguirre betont als Bischof dieser Region auch die Wichtigkeit von REPAM zur Stärkung der indigenen Bevölkerung, damit diese sich besser verteidigen kann.

„Weil die Zerstörer des Regenwaldes große global agierende Konsortien sind – ein Teil des kriminell und illegal dort produzierten Goldes geht, (z.B. illegal über Bolivien) auch in die Schweiz – muss der Kampf zum Erhalt des Regenwaldes auch global sein“ (Martinez de Aguirre).

Zum Bild der indigenen Bevölkerung, das immer noch vorhanden ist, meint er: „Einige von uns mögen die Indigenen, solange sie mit ihrem Federschmuck und Pfeil und Bogen, naturbelassen rumlaufen. Das ändert sich, wenn sie sich politisch einmischen.“

 

Wichtige Informationen im Hinblick auf den Papstbesuch in der Region Madre de Dios (wörtlich übersetzt: Mutter Gottes Land)

In dieser Region ist der illegale Goldabbau die stärkste Ursache für die Verseuchung von Menschen und Natur. Für den Goldabbau ist ein hoher Einsatz von Quecksilber nötig. Aus diesem Grund wurden im Laufe der letzten Jahre hunderte Tonnen dieses hochgiftigen Quecksilbers in die Luft und die Flüsse abgegeben. Schätzungen sagen, dass der Anteil dieses kriminellen Goldabbaus in ganz Peru, der z.T. in Naturschutzgebieten stattfindet, ca. 15% der Gesamtmenge des produzierten und exportierten Goldes von Peru entsprich, also ca. 33 Tonnen bei der  aktuellen Jahresproduktion (2016) von 164,5 Tonnen.

Interessant ist auch, dass die Produktion der legalen großen Goldminen in den Jahren von 2006-2015 um ca. 29% zurück ging, die regenwaldzerstörende illegale Goldproduktion, die auch mit großen Baggern und Schaufelladern stattfindet ,nach Angaben des peruanischen Bergbauministeriums jedoch stark  zugenommen hat.

Ein Skandal: Deutschland hat die ILO-Konvention 169 nicht unterzeichnet

An der Veranstaltung mit Bundestagsabgeordneten war auch Malte Reihöft, der Abteilungsleiter für Lateinamerika bei MISEREOR: Er kritisierte, dass der Ende 2016 von der Bundesregierung verabschiedete „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ die deutschen Unternehmen leider nicht zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet. Thomas Wieland vom Katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat (Mitglied in Repam)  betonte: Wenn die deutsche Politik die Ausrottung der indigenen Völker verhindern will, muss die Konvention  der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO 169) von Deutschland endlich ratifiziert werden. Die ILO-Konvention 169 verlangt für indigene Völker die sog. freie, vorherige und informierte Zustimmung bei allen Angelegenheiten die sie betreffen. Das ist natürlich weit mehr als eine einfache Information, die zudem oft erst stattfindet, wenn das Vorhaben schon begonnen hat.

Leider hat Deutschland diese Konvention immer noch nicht ratifiziert.

Ein möglicher Grund dafür sind eventuelle Ansprüche der Sorben. Die Sorben sind eine westslawische Ethnie mit ca. 60.000 Menschen, mit eigener Sprache und als ethnische Minderheit akzeptiert. Sie wohnen u.a. in Sachsen und Brandenburg (Bautzen, Cottbus etc.). Auch gibt es wohl Bedenken wegen möglicher Ansprüche der Sinti und Roma und auch, dass nach einer Ratifizierung auch die Tiefflugübungen über Gebiete kanadischer Indigener nicht mehr so einfach möglich wären. Eine offizielle Erklärungzur Nicht-Ratifizierung lautet, dass wir in Deutschland keine Indigenen haben.

Weil Deutschland diese internationale Konvention nicht verbindlich unterschrieben hat,  ist es in diesem Bereich ein zahnloser Tiger.

Als langjährig für  Menschenrechte und Indigene Völker  tätiger Verein begrüßen wir die deutliche Kritik seitens Adveniat und Misereor und sehen es weiter als unsere Aufgabe, mit unseren Partnern in Peru, Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen, sei es über unseren Newsletter und Webseite, oder in Kampagnen wie „Finger weg vom Gold “ – auch vom sog. Fairen Gold, das auch nicht unbedenklich ist. Wir unterstützen unsere indigenen Partnerorganisationen, u.a. bei der Erreichung offizieller Landtitel, interkultureller Bildung, Stärkung indigener Organisationen oder  Gendergerechtigkeit.

Wir regen unsere amazonischen Partner in Peru dazu an, den aktuellen „Rückenwind“ durch die Enzklika Laudato Si zu nutzen und – wo vom „Kirchenpersonal“ her  möglich  – in diesem Sinn auch mit REPAM zu kooperieren. Wir sehen aber auch, dass die Bischöfe und Missionare, die zu den Bekämpfern der Befreiungstheologie gehören (wie Opus Dei oder Sodalicio) sich von den Aktivitäten des aktuellen Papstes nicht beeindrucken lassen. Dennoch gibt der  Papst durch sein Beispiel und durch die Enzyklika Laudato Si  anderen, vorsichtigen MitarbeiterInnen eine Basis, mutiger im Sinne des Einsatzes für Menschenrechte zu werden.

 

Ökonomie ist auch Ökologie

Während der internationalen Konferenz der UN-Umweltorganisation am 1.9.17 in Lima machte erneut Erzbischof Barreto deutlich: „Es besteht die Notwendigkeit, eine neue Form der Wirtschaft zu entwickeln. Dabei ist die Ökonomie nicht nur Geld, sie ist auch Ökologie“ und “ Die Erde ist in einem sehr kritischen Zustand. Für die Kirche müssen dabei die Armen im Zentrum stehen, denn diese sind am stärksten von der Erderwärmung betroffen…“

REPAM wurde inzwischen auch von der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte als Vertretung  der indigenen Völker anerkannt. Wie das genau zu verstehen ist,  müsste noch im einzelnen nachgefragt werden. Denn die Aufgabe von REPAM, so Erzbischof Barreto, ist es ja, die Selbstbestimmung der indigenen Völker zu unterstützen, und nicht, als deren Vertretung aufzutreten.

In Peru will REPAM  besonders die indigenen Völker der Awajun und Wampi (nördlicher Regenwald) befähigen, dass sie (wie es zuvor andere indigenen Völker, wie z.B. in Panama getan haben), vor dem wichtigen Interamerikanischen Gerichtshof in Costa Rica ihre erlittenen Menschenrechtsverletzungen  vorbringen.

Heinz Schulze, in Zusammenarbeit mit Elke Falley-Rothkopf und Dr. Hartmut Heidenreich

( Quellen:CAAP, Centro Amazónico de Antropología y Aplicación  Práctica,, Lima, web-site 22.6.17 und ff. – CAAP  und Repam Peru haben div. Artikel auf ihren web-sites zum anstehenden Papstbesuch nach Peru; Blickpunkt Lateinamerika – Adveniat (elektronisch); Publik Forum 10/2017, ;inforegion 3.9.17;  Copper Acción org. pe, informes 636/2016.  Übersetzung und Bearbeitung, Heinz Schulze) in ZUSAMMENARBEIT mit Elke Falley-Rothkopf und Dr. Hartmut Heidenreich).

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