Oscar Chigkum Mayan, ein junger Führer des indigenen Volkes der Awajun-Wampi schrieb einen eindringlichen Brief an Felipe Cantuarias. Dieser ist Präsident der peruanischen Vereinigung für Erdölförderung.

Zum Hintergrund: Eine Kammer des peruanischen Verfassungsgerichts in der Hauptstadt Lima hat einem kanadischen Erdöl-Unternehmen die Förderung im nördlichen Regenwald Perus an der Grenze zu Ekuador (sog. Lote 116, Minería Afrodita Polvorin) verboten. Dafür haben die Awajun-Wampis jahrelang gekämpft.

Aber: Jetzt arbeiten der Erdöl-Unternehmerverband mit dem peruanischen Energie-und Bergwerksministerium daran, dass dieses Urteil „gekippt“ wird. Im folgenden Auszüge aus  dem offenen Brief von Oscar Chigkum.

 

DENKEN SIE DOCH MAL: ERDÖL MACHT DEN REGENWALD KAPUTT

Das Gerichtsurteil ist aus unserer Sicht sehr gerecht… Es bezieht sich, ganz zu Recht, auf das vorgeschriebene Verfahren, wobei ein Unternehmen und die betroffenen indigenen Dörfer – vorab –  gemeinsam zu einer Übereinkunft über das Vorhaben kommen müssen. (ILO Konvention 169). Dieses international gültige Recht sichert uns indigene Bevölkerung das Recht auf unser Territorium, auf unsere kulturelle Identität und auf ein Leben in einer gesunden Umwelt zu.

Deshalb: Schauen Sie uns nicht mehr wie kleine, unwichtige Kinder an. Wir sind Rechtspersonen und mit uns muss man von gleich zu gleich reden…Sie betrachten uns immer noch als „Menschen zweiter Klasse“, die nicht verstehen, was um sie herum los ist. Und sie sagen, dass wir zuerst gebildet und „zivilisiert“werden müssen. Nein! Wir haben Kultur, Weltsicht und ein fundiertes Wissen im Umgang mit dem tropischen Regenwald.

Wir indigene Bevölkerung sind nicht prinzipiell gegen private Investitionen. Wir fordern aber, dass sie uns  transparent informieren und, dass wir gemeinsam zu einer Übereinkunft kommen…. Wovor wir Angst haben? Dass die Justiz jetzt von den Firmen und dem großen Kapital gekauft wird…

Und, wenn Sie jetzt in den Medien verkünden: Die Produktion des Erdöls wird bei uns in der Region Condorcanqui die Armut beenden… so sagen wir: Die bei uns tätigen Firmen wie PetroPeru oder Holzfirmen schauen doch nur, wie sie ihren Reichtum vermehren. Uns lassen sie den Abfall, die Zerstörung und Vergiftung des Bodens und der Flüsse und die Armut bleibt!

So sind wir – ohne Erdöl – zufrieden, ohne viel Geld, wenn wir im und vom Regenwald leben können. Wenn Sie das Armut nennen, ist das Ihre Sache. Für uns ist z.B. das Wasser gleichgesetzt mit Leben. Wir denken in Zusammenhängen. Die Natur und wir sind gleich wichtig.

Wir wissen, ohne sauberes Wasser und saubere Luft können wir nicht leben. Ohne dieses alles, eingebunden in unser Territorium, sterben wir wie die Fische ohne Wasser.

Das verstehen viele Menschen in den großen Städten nicht, weil das nicht Teil ihres Lebens ist. Und deshalb sehen sie nicht, wenn sie den Wald abholzen, dass sie dann Leben zerstören.

Ich schließe mit den Worten: Wenn die Umweltzerstörer uns nicht unser Leben lassen, werden wir sie nicht schlafen lassen.

(Gekürzt übersetzt aus dem Brief von Oscar Chigkum Mayan, Dorfchef der indigenen Dorfgemeinschaft Antigua Kanam in der Provinz Cenepa, Condorcanqui, Region Amazonas, Peru, 10.5.2017, Heinz Schulze)

 

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