Früher hieß weißes Gold mal Porzellan oder Elfenbein. Jetzt wird das Lithium mit Gold verglichen. Es ist ein Leichtmetall, ein Alkalitmetall. Es ist selten und hat an der Erdkruste einen Anteil von 0,006%. Interessant wurde es, als aus dem Lithium in den USA das Tritium gewonnen wurde – das zum Bau von Wasserstoffbomben diente.

Lithium wird benötigt für Smartphones, Laptops, Elektro- oder Hybridautos, E-Bikes etc., steckt aber auch in Glas, Keramik oder findet als Schmiermittel Verwendung.

Seit längerer Zeit sind Uranvorkommen in den südlichen Anden, nahe der Kleinstadt Macusani in der Provinz Carabaya, Departement Puno, bekannt. Sie befinden sich rund 150 Kilometer vom Titicacasee entfernt auf einer Höhe von 4.700 Metern. Wegen der Gefährlichkeit des Urans wurde die weitergehende Exploration geheim durchgeführt; man ging in Fachkreisen von mehr als 6 Millionen Tonnen Uran aus. Zusätzlich zum Uran wurde jetzt dort mineralisches Lithium („Spodumene“ – im Unterschied zu Salzlaken-Lithium) gefunden. Dieses mineralische Vorkommen könnte das größte in Lateinamerika sein, meint die Betreiberfirma Energy Plateau, in Peru auch bekannt als Macusani Yellowcake. Sie spricht (ihre kleinere Lithiumlagerstätte Falchini einbezogen) von einem Vorkommen von 12 Millionen Tonnen des Lithiums. Plateau Energy hat für das Gebiet Bohrungskonzessionen für etwa 92.000 Hektar. Bisher erforscht sind etwa 8.000 Hektar. Andere Quellen sprechen davon, dass diese Lithiumvorkommen ca. 2,5 Millionen Tonnen betragen. Genaueres wird der Technical Report der Firma (Ende 2018) zeigen. Sollten sich die Schätzungen der Firma bestätigen, wären die mineralischen Lithiumvorkommen größer als die (Salzlaken-Lithium-)Vorkommen im Länderdreieck Bolivien, Chile, Argentinien. Diese drei Länder konzentrieren ca. 85 Prozent der Weltreserven an Salzlaken-Lithium (engl.: lithium-brine) und konkurrieren untereinander bei der Lithium-Karbonat-Gewinnung – mit Chile an der Spitze. Weltweit gibt es aber auch andere, große (mineralische) Lithiumreserven, beispielsweise in Mexiko (Mina Bacanora mit etwa 8 Millionen Tonnen) oder den USA (Lithium Americanos mit 7 Millionen Tonnen.) Diese Lithiummine bei Macusani wäre die erste in Lateinamerika, in der dieses Metall im Gestein – eben: mineralisch – vorkommt.

Damit träte Peru international auf den Plan. In Bolivien soll Lithium aus dem Salzsee Salar de Uyuni mit etwa 12.000 Quadratkilometern Ausdehnung auf 3.600 Höhe gewonnen werden. Dafür sind bereits 500 Millionen Dollar investiert worden. Einen Vorvertrag zwischen der bolivianischen Regierung und der deutschen Firma ACI Systems zur gemeinsamen („Pilot“-)Produktion von Lithiumbatterien gibt es schon.

Die Firma Plateau Energy rechnet aus dem Uran und Lithium mit jährlichen Exportumsätzen von mehr als 500 Millionen Dollar. Allerdings ist der Uranpreis stark gefallen, von 140 Dollar pro Pfund auf ungefähr 28 Dollar. Finanziell hochinteressant ist das Lithium, pro Tonne Lithiumcarbonat werden zwischen 10.000 und 12.000 Dollar bezahlt.

Der Preis für Lithium wird bis 2030 um 2.300 Prozent ansteigen, schätzt Roberto Casanova, Experte der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG (in Peru: Tex Legal) und er meint, Lithium sei ein gutes Geschäft für Peru, weil der Kupferpreis wegen des Handelskrieges der USA mit China gesunken sei. Das ist vielleicht zu eng gedacht, denn das Lithium in Peru kann nur zusammen mit Uran abgebaut werden, dessen besondere Gefährlichkeit und dessen Preis dann auch mit hereinspielen sollten.

Die Firma Plateau Energy stellt jedenfalls das Lithium in den Vordergrund. Hinter Uran waren vor einigen Jahren noch andere Firmen wie Solex Ressources oder Contact Uranium her, die wegen des Preisverfalls ihre Explorationen aufgaben. Plateau Energie muss positive Öffentlichkeitsarbeit machen, weil etwa 800 Millionen Dollar vorab investiert werden müssen. Einer der Manager von Plateau Energy erklärte, dass sie mit VW im Gespräch seien. Die argentinische Firma Pluspetrol, die in Peru das größte Erdgasvorkommen Lateinamerikas ausbeutet (Region Cusco, Projekt Camisea), arbeitet mit der kanadischen Firma LSC Lithium zusammen, um die Lithiumvorkommen in Nordargentinien auszubeuten. Erdölfirmen investieren also auch in neue Energiequellen.

Zur Debatte

Aus der Diskussion in Peru könnte man den Eindruck gewinnen, Lithium sei gesund. Dabei kann es bei Berührung zu schweren Verätzungen und Verbrennungen der Haut kommen. Bei Uran ist eher im Bewusstsein, dass Unfälle in Atomkraftwerken Katastrophen sind oder dass es nicht entsorgt werden kann.

Gefordert wird zu Recht, dass die betroffene Bevölkerung vorab konsultiert wird und dass, falls produziert wird, Umwelt- und Sozialstandards rigoros eingehalten werden. Gefordert wird auch zu Recht, die Jahrtausende alten Felszeichnungen Macusanis zu verschonen. Dennoch greift die Debatte zu kurz.

Kann denn Uran überhaupt nachhaltig abgebaut werden? Das sicherste Uran ist das, das in der Erde bleibt, meinen nicht nur Anti-Uran-Aktivist*innen. Wird Uranabbau aber mit dem Konzept Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht, wird dann der Begriff nicht absurd?

Einige Kommentare gehen in die Richtung, dass Peru den geplanten Uranabbau zum Anlass nehmen muss, Gesetze zum Umgang mit radioaktiven Stoffen zu formulieren – und dies sei die Chance, endlich eine umfassende Bergbau- und Ressourcenstrategie zu entwickeln. (Die Erfahrung in anderen Bereichen zeigt allerdings, dass der Staat das Einhalten verabschiedeter Gesetze auch durchsetzen können / wollen muss.) Solche Gesetze fordert auch die Internationale Atomic Energy Agency, schon um selbst auf sie verweisen zu können. Bei dieser Farce hilft die zuständige EU-Kommission den Regierungen des Globalen Südens, anspruchsvoll klingende Gesetze zu formulieren.

Wenn man weiß, welche (Umwelt-)Schäden es trotz Gesetzen und Vorschriften schon durch „normale“ Metalle gibt, muss man zur allergrößten Vorsicht beim Umgang mit Uran mahnen. Im Uranabbau werden Abraum (tailings) und schlammige Abfälle (tailing ponds) in Becken gelagert. Diese radioaktiven Abraumhalden und Schlammteiche enthalten ca. 80 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität des Urans und sind auf Jahrtausende hinaus radioaktiv und giftig. Wer würde sich in Peru um diese tickenden Zeitbomben kümmern? Schon die Probebohrungen sind nicht ungefährlich: Ist wirklich sicher, dass die Bohrlöcher ordnungsgemäß wieder versiegelt werden? Tragen die Arbeiter Schutzkleidung? Ist sichergestellt, dass Wasserquellen nicht durch radioaktive oder chemische Bohrbeigabemittel verseucht werden?

Man kann eigentlich den Menschen in der südlichen Region Puno nur wünschen, dass der Abbau von Uran in Peru grundsätzlich verboten wird, wie es in Schweden, in der kanadischen Provinz British Columbia und gebietsweise in Australien geschehen ist. Auch die Vorstellung vom sauberen Lithium lässt sich nicht aufrecht erhalten.

Wir als Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ tun gut daran, die Aufklärung der betroffenen peruanischen Bevölkerung über das gefährliche Uran zu unterstützen; kritische Organisationen dort mit kritischen (Uran-)Netzwerken hier in Verbindung zu bringen, und hiesige Organisationen über die Pläne und Entwicklungen in Peru zu informieren und auf dem laufenden zu halten.

 

Heinz Schulze, mit fachlicher Unterstützung durch Ing. Peter Wicke, Günter Wippel und Peter Diehl (WISE – Uranium Project).

Quellen:

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