Die Süddeutsche Zeitung brachte am 26. Juni 2015 ein Interview, das den Gross-Goldabbau als harmlos darstellte. Hartmut Heidenreich von der Infostelle Peru und der Bergbau-Kampagne entgegnete darauf folgendes

Es sei noch nie jemand an Zyanid aus einer Mine gestorben, sagt Henk van Alphen vom kanadischen Minenbetreiber Wealth Minerals im SZ-Interview („Klar, wenn Sie Zyanid trinken, ist es recht ungesund“ vom 26. Juni). Aber es geht nicht allein um Zyanid. Wir hören von Anwohnern im Umfeld von Goldbergwerken in Peru von vielfach kontaminiertem Wasser, das metallisch schmecke, von dem Mensch und Vieh krank würden, teils verendeten Tiere. Minen bringen auch nicht das Heil in entlegene Gebiete, vielleicht das eine oder andere Sozialprojekt – schon aus Imagegründen – und im angeführten peruanischen Beispiel gerade mal 100 Arbeitsplätze. Aber nach acht Jahren ist die Mine „ausgebeutet“, zurück bleibt eine Mondlandschaft, teils schon durch Regen multitoxisch verändert, natürliche Wasserreservoire und Quellen zerstört, Landwirtschaft unmöglich, die Lebensgrundlage Hunderter Familien dahin.


Und wenn sie sich mit ihren Gemeinden gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch Minen wehren, dann meint van Alphen, „Priester und Nonnen in abgelegenen Dörfern versuchen, die Zukunft der Leute zu kontrollieren“. Die Zukunft sind für ihn: Minen. Mineningenieure würden schon dafür sorgen, dass Zyanid nicht ins Grundwasser einsickere. Kennt er nicht die Unfälle mit undichten Zyanidlauge-Becken, geborstenen Dämmen usw.? Als aus einem rumänischen Goldbergwerk Zyanidschlamm sich bis in die Donau ergoss, gab es 1400 Tonnen toten Fisch und wochenlang Warnungen vor dem Verzehr von Fischen und Wasser. Das Europäische Parlament hat dann 2010 für ein Zyanid-Verbot gestimmt. Das „juckt“ freilich eine kanadische Firma in Peru nicht. Und jüngst haben Bischöfe vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte gegen die Verletzung von Menschenrechten durch (weitgehend kanadische) Bergbauunternehmen in Lateinamerika und der Karibik Klage erhoben sowie Versuche zurückgewiesen, Wohlwollen der Kirchen für Minen zu erkaufen in Canterbury und Rom. Van Alphen sagt klar: Ihm geht es um „Rendite“. Dabei gibt es bereits mehr als 170 000 Tonnen Gold auf der Erde, teils „nutzlos“ mit rein spekulativem Wert in Tresoren gelagert. Alles technisch nötige Gold jedenfalls, derzeit zehn Prozent der Förderung, wird schon jetzt mehr als doppelt durch Recycling aufgebracht. Daher kann man fragen, wozu wir Goldabbau überhaupt brauchen.

Dr. Hartmut Heidenreich, Zornheim

Online-Link zum veröffentlichten Leserbrief

http://www.sueddeutsche.de/kolumne/weitere-briefe-das-juckt-in-peru-nicht-1.2565171#1

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