Vertreter von NGOs und Delegationen aus fast 200 Staaten sind in der ersten Dezemberhälfte in das ehemalige polnische Kohlerevier Kattowitz gereist, um für 14 Tage über die Zukunft des Weltklimas zu verhandeln: Leon Meyer zu Ermgassen war dabei.

Auf Einladung der Dachorganisation der peruanischen Amazonas-Indigenen, AIDESEP, habe ich als freiwilliger Übersetzer die Verhandlungen direkt vor Ort begleitet. Meine Aufgabe war es, auf Pressekonferenzen und Side-events von AIDESEP von der Kabine aus und in Interviews direkt zu übersetzen. Zwischendurch war oft ein wenig Zeit, um auch auf eigene Faust das Konferenzgelände zu erkunden, Veranstaltungen zu besuchen und Leute kennen zu lernen: vom Klimaschützer über Politiker*innen bis hin zu Kritiker*innen der Konferenz.

Mein persönlicher Eindruck der Konferenz ist zweigeteilt, doch komme ich schlussendlich zu dem Fazit, dass an falscher Stelle gespart würde, wenn man die COPs nur alle zwei Jahre veranstalten würde, wie es der deutsche Bundesentwicklungsminister Müller Anfang der Konferenz vorschlug. Er hat recht mit dem Punkt, dass die Austragung der Konferenz oft hohe Kosten für das jeweilige Austragungsland1 verursacht. Wäre es da nicht möglich, eine Art Fonds anzulegen, aus dem in Zukunft Klimakonferenzen finanziert werden könnten? Ein weiteres Argument gegen die COP sind die hohen Emissionen, welche Klimaschützer und Politiker auf ihrem Weg zum Austragungsort jedes Mal verursachen. Wie viel Klima muss man schützen, um die Flugschäden zu rechtfertigen? Sind es die Unmengen an Emissionen wert?

Ich finde, ja. Die Konferenzen sind wichtig, denn dort haben über 200 Länder die Möglichkeit, sich auszutauschen und Abkommen zu schließen. Experten von NGOs und anderen Institutionen bekommen die Möglichkeit zu multilateralen gesellschaftlichen Vernetzungen, die meiner Meinung noch viel zu schwach sind. Der Austausch aller beteiligten Akteure zu dieser Problematik ist unbedingt erforderlich. Nur so kann eine Lösung gefunden werden, die für jeden fair und nachhaltig ist. In der Klimakonferenz haben diejenigen die Möglichkeit, Gehör zu finden, die sonst leicht überhört werden.

Ein Beispiel hierfür sind sicherlich die indigenen Völker, die die COPs der vergangenen Jahre nutzen konnten, um auf der Weltbühne Aufmerksamkeit zu erlangen. Auf der Klimakonferenz in Bonn 2017 gab es eine Maloca, eine Art traditionelles indigenes „Haus der Diplomatie“. In Kattowitz wurde ein Tag zum „Tag der Indigenen Völker“ ausgerufen. In den Verhandlungen konnte so die Einrichtung einer weltweiten Plattform indigener Gemeinschaften (Local Communities and Indigenous Peoples Platform) beschlossen werden, über die Indigene in Zukunft die Chance erhalten, an der Umweltpolitik ihres Landes aktiv mitzuwirken. Sie hoffen, damit ihr einzigartiges, Generationen altes Wissen bewahren zu können und Teil der Maßnahmen für den Klimawandel werden zu lassen. „Ich hoffe, dass die COP24 dazu führt, dass sich die Vertreter*innen der indigenen Völker überall auf der Welt zusammentun“, so der Mohawk Howard Thompson vom Stamm, „die Plattform wird ein Werkzeug sein, das indigenen Völker helfen kann, sich auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten.“ Die Plattform bietet die Chance, den Dialog zwischen nationalen Regierungen und Indigenen Gemeinschaften zu institutionalisieren.

Ein weiteres Beispiel ist sicherlich Greta Thunberg. Die 16 Jahre alte Schülerin aus Schweden, die dadurch bekannt wurde, dass sie jeden Freitag die Schule schwänzte, um vor dem schwedischen Parlament in einen Sitzstreik zu gehen, der so lange andauern soll, bis die schwedische Regierung die versprochenen Klimaschutzziele umsetzt. Aus dem Sitzstreik von Greta Thunberg hat sich eine große Bewegung gebildet, und so streiken nun jeden Freitag tausende Schüler auf der ganzen Welt vor ihren Lokal-, Regional- und Nationalparlamenten für das Klima (gegen den Klimawandel). Auch Greta war auf der Weltklimakonferenz in Polen und bekam als Vertreterin der jetzigen und zukünftigen Generationen das Mikrofon, um vor den führenden Politikern von über 200 Ländern zu sprechen: „Ihr sagt, dass ihr eure Kinder von ganzem Herzen liebt. Trotzdem klaut ihr ihnen ihre Zukunft, direkt vor ihren Augen!“

Leon Meyer zu Ermgassen

 

 

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