Der Dachverband der südamerikanischen Amazonas-Indigenen COICA stellt 14 Forderungen auf.

 

Die 14 Forderungen der Amazonas-Erklärung der COICA im Überblick:

  1. Ergreifung wichtiger Schutzmaßnahmen durch die jeweiligen Regierungen; dazu gehören Informations- und Präventionskampagnen in indigenen Sprachen und die Stärkung der öffentlichen Systeme.
  2. Die Regierungen der jeweiligen Länder sollen öffentlich ihre Verantwortung gegenüber den indigenen Völkern erklären und anerkennen, dass die indigene Bevölkerung – vor allem ältere und mangelernährte Menschen sowie Personen mit einem schwachen Immunsystem – besonders von der Pandemie betroffen ist. Alle notwendigen, kulturell angemessenen und wirksamen Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Gemeinden und Territorien zu schützen, andernfalls muss die internationale Gemeinschaft darauf achten, dass es nicht zu Völkermord kommt.
  3. Das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte und die Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker bei den Vereinten Nationen sollen sich zu der historischen Vernachlässigung äußern, unter der die indigenen Völker in Bezug auf die Einbeziehung in öffentliche Gesundheitssystemen gelitten haben.
  4. Intervention der UN und anderer Menschenrechtsinstitutionen; Solidarität der internationalen Gemeinschaft und Wachsamkeit gegenüber dem Gesundheitsnotstand der indigenen Gemeinden.
  5. Aktivierung der internationalen Zusammenarbeit durch die Organisationsstrukturen der indigenen Völker selbst, damit die von COVID-19 betroffenen Gemeinden rechtzeitig medizinische Hilfe erhalten und die Grundbedürfnisse der Gemeinschaften befriedigt werden können.
  6. In Abstimmung mit den Organisationen der indigenen Völker und den jeweiligen Behörden der einzelnen Länder sollte eine agile und effektive Koordination stattfinden, um die Gemeinschaften frei von Infektionen zu halten und grundlegende Fragen wie Ernährung und umfassende Gesundheit zu gewährleisten.
  7. Der Zugang zu Nahrungsmitteln wird dadurch gewährleistet, dass die Subsistenzwirtschaft der Erzeugergemeinschaften geschützt und sichergestellt wird, dass die Gemeinschaften Zugang zu ihren eigenen Nahrungsquellen haben, die durch Fischfang, Jagd und Sammelpraktiken versorgt werden. Es ist sicherzustellen, dass sie nicht durch Dritte kontaminiert oder beeinträchtigt werden, einschließlich Unternehmen oder solche, die „legale“ und illegale Bergbau-, Erdöl-, Wasserkraft- und Abholzungsaktivitäten betreiben.
  8. Eine integrale Gesundheit wird für indigene Völker und Nationalitäten gewährleistet, indem kulturell angepasste primäre Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung, dass das Virus die Gemeinden erreicht, sekundäre Präventionsmaßnahmen zur Früherkennung von Fällen und tertiäre Präventionsmaßnahmen zur Reduzierung der Mortalität, ergriffen werden.
  9. Indigene Völker, die in ihren Gemeinden leben, erhalten angemessene Unterstützung für ihren individuellen Schutz, Medikamente, Körperpflegeprodukte etc.
  10. COICA fordert, dass die Regierungen ihre Maßnahmen zur Überwachung und zum Schutz der Gebiete, in die Arbeiter aus Erdöl- und Bergbau-Industrie eingedrungen sind, intensivieren, da Unternehmen und Gebiete identifiziert wurden, in denen die Notfallmaßnahmen nicht eingehalten wurden und die Fördertätigkeiten voranschreiten, wodurch die in diesen Gebieten angesiedelten Völker und Gemeinden einem hohen Risiko ausgesetzt sind.
  11. Es ist notwendig, dass die Regierungen den Rechten auf ein Leben in Würde, Gesundheit, körperlicher Unversehrtheit, Zustimmung und Selbstbestimmung der indigenen Völker Vorrang vor extraktiven Tätigkeiten in ihren Territorien einräumen. Ressourcen zur Bewältigung des globalen Gesundheitsnotstands sollen im Hinblick auf die Bezahlung der jeweiligen Auslandsschulden der einzelnen Länder kanalisiert werden.
  12. Wachsamkeit gegenüber Aktionen und Notlagen in indigenen Gebieten nach der Pandemie, da die Gefahr besteht, dass der Druck und die Bedrohungen zunehmen, den Abbau von natürlichen Ressourcen angesichts der Schulden, die Regierungen bei multinationalen Organisationen aufgenommen haben, zu intensivieren.
  13. COICA lädt dazu ein, Solidaritätsnetzwerke aufzubauen, die es ermöglicht, dieser Krise sowohl auf dem Land als auch in den Städten zu begegnen.
  14. Anerkennung der heldenhaften Arbeit von Gesundheitsarbeiter*innen, Wissenschaftler*innen, Landwirt*innen und all jenen, die jeden Tag darum kämpfen, Leben zu retten, Nahrung zu liefern und Lösungen zu finden, damit die Welt aus dieser schrecklichen Krise herauskommt.

 

Quelle: Klimabündnis/Infoe

Kontakt: Elke Falley-Rothkopf,  elke@infoe.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontakte

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Das Klima-Bündnis

Seit 30 Jahren setzen sich die Mitgliedskommunen des Klima-Bündnis mit ihren indigenen Partnern der Regenwälder für das Weltklima ein. Mit mehr als 1.700 Mitgliedern aus 27 europäischen Ländern ist das Klima-Bündnis das weltweit größte Städtenetzwerk, das sich dem Klimaschutz widmet, und das einzige, das konkrete Ziele setzt: Jede Klima-Bündnis-Kommune hat sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren. Da sich unser Lebensstil direkt auf besonders bedrohte Völker und Orte dieser Erde auswirkt, verbindet das Klima-Bündnis lokales Handeln mit globaler Verantwortung. klimabuendnis.org

 

 

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