Im September töteten vermutlich illegale Holzfäller vier peruanische  Staatsbürger der Ethnie der Asháninka im Grenzgebiet zwischen Peru und Brasilien. Die vier Asháninka-Führer hatten seit Monaten auf die Morddrohungen gegen sie aufmerksam gemacht. Mit nachfolgendem Brief fordern die Infostelle Peru und der Arbeitskreis Ashaninka der Stadt München die peruanischen Behörden auf, diese Morde nicht ungesühnt zu lassen. Freiburg/München, 06.10.2014

Offener Brief

 

An die

Botschaft der Republik Peru in Deutschland

Mohrenstr. 42, 5. Etage
10117 Berlin

 

 

Ermordung von vier Asháninka in Peru

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir schließen uns den Protesten indigener und Menschenrechts-Organisationen in Peru an.

Wir verurteilen die Ermordung der vier Indigenen

Edwin Chota V.

Leoncio Quintisima M.

Francisco Pinedo R.

und Jorge Rios P.

vom Volk der Asháninka aus dem Dorf Saweto, Region Ucayali, an der Grenze Brasiliens.

 

Nach übereinstimmenden Berichten und Dokumenten war dieser Mord abwendbar.

Seit Jahren klagte Edwin Chota als Vertreter seines Dorfes bei allen zuständigen offiziellen Stellen in Peru über die Konflikte mit Holzfällern und Drogenhändlern in seiner Heimat an der Grenze zu Brasilien (Bundesstaat Acre).

Im Jahre 2003 wurde die Dorfgemeinschaft Saweto offiziell vom peruanischen Staat anerkannt. Seit dieser Zeit kämpfen die Familien dort um die offizielle Titulierung, d.h. die Erteilung eines Landtitels für ihren Wald. Die Familien von Saweto haben alle notwendigen Unterlagen beigebracht. Aber die offiziellen Behörden (im Departement Ucayali) erteilten auf dieses Territorium zwei Konzessionen zur Abholzung. Vorher wurde dieser biologisch reiche Wald als „Wald zur Abholzung“ offiziell eingestuft und nicht als schützenswerter Wald für die Dorfgemeinschaft.

Die Holzfällerfirmen drangen in der Folgezeit immer näher in den Wald in der Umgebung von Saweto und Nachbarsiedlungen vor. Es gab immer wieder heftige Auseinandersetzungen, wenn die Männer von Saweto verhinderten, dass illegal gefällte Bäume abtransportiert wurden. Dabei wurde Edwin Chota immer wieder mit dem Tod bedroht.

Als sich die oben genannten vier Männer auf den Weg machten, um in der Siedlung der Asháninka in Brasilien den Widerstand gegen die Regenwaldzerstörung besser zu organisieren, wurden sie überfallen, mit Kopfschüssen getötet und in den Fluss geworfen.

Wir unterstützen die Forderungen der Organisationen in Peru und Brasilien (Aconamac und URPIA)

  1. Festnahme der Mörder und ihrer Hintermänner und die Einleitung eines zügigen Gerichtsprozesses.
  2. Offizielle Anerkennung des Territoriums des Asháninkadorfes Saweto.
  3. Unbürokratische Erteilung von offiziellen Landtiteln für Gemeinschaftsland weiterer indigener Dorfgemeinschaften, auch Erteilung von zusätzlichem Land für die Dorfgemeinschaften, die wegen des Bevölkerungswachstums mehr Land zur Selbstversorgung benötigen.
  4. Revision und Beendigung der Genehmigungen zur Abholzung, die sich auf dem Territorium der indigenen Dorfgemeinschaften befinden.
  5. Rücknahme des Gesetzesentwurfs (Nr. 30230), welches private Investitionen mit einer ganz eingeschränkten Umweltverträglichkeitsprüfung bevorzugt und die Erteilung von privaten Landbesitztitel für Konzerne erleichtert, was die Zerstörung des Regenwaldes und die Verdrängung der ursprünglichen, indigenen Bevölkerung von ihren Territorien noch weiter vorantreibt.
  6. Errichtung eines festen Polizeipostens und eine deutliche Präsenz des Staates in der gefährdeten Region.

 

Wir begrüßen die Aktivitäten der Sonderpolizei und Militär in diesem Fall, die zwei der Hauptverdächtigen inzwischen verhaftet und dem Ermittlungsrichter übergeben haben.

 

Wir begrüßen ebenfalls die Aussagen der politisch Verantwortlichen, sich um die Erteilung der existentiell notwendigen Landtitel zu kümmern.

 

Wir hoffen sehr, dass die berechtigten Forderungen von Saweto und Nachbargemeinden, wie es die Witwen der Ermordeten am 30.9.2014 gegenüber der peruanischen Frauenministerin forderten und wie sie auch vom nationalen Dachverband der indigenen Organisationen Perus, AIDESEP vorgetragen werden, jetzt endlich erfüllt werden. Das beinhaltet sowohl finanzielle Unterstützung wie die Sicherung ihrer Heimat.

 

Ebenfalls begrüßen wir die Ankündigung der peruanischen Regierung, in der Region Puerto Putayo einen Polizeiposten sowie den aufgelösten Militärposten Alto Tamayo wieder zu besetzen, wenn sie den klaren und kontrollierten Auftrag zum Schutz der Bevölkerung haben und nicht mit rechtlosen Gruppierungen wie illegalen Holzfällerunternehmen oder der Drogenmafia zusammen arbeiten.

 

Hochachtungsvoll

 

Gez.     Heinz Schulze                                                            Bernhard J. Merk

Informationsstelle Peru e.V.                                       Informationsstelle Peru e.V.

und

Arbeitskreis München- Asháninka

des Nord Süd Forum München e.V.

 

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