Nicht wenige Peru-Engagierte sind durch die Theologie der Befreiung und deren peruanischen Gründervater Gustavo Gutierrez geprägt und motiviert worden.
Ich hatte das Glück, in den 70iger Jahren, während meiner Tätigkeit in Cajamarca, mehrere Sommerkurse mit Gustavo Gutiérrez zu besuchen. Dabei konnte ich seine große Sympathie für die befreiende Pädagogik Paulo Freires feststellen.
Gustavo Gutiérrez wurde seit den 80-er Jahren, als Kardinal Ratzinger Vorsitzender der Glaubenskongregation wurde, regelrecht kaltgestellt. Papst Johannes Paul II ernannte den grössten Widersacher der Befreiungstheologie, das peruanische Opus Dei-Mitglied José Luis Cipriani,  zum Kardinal von Lima und damit zum ranghöchsten Kirchenfürsten Perus. Der damalige Diözsanpriester aus Lima, Gustavo Gutiérrez, trat im hohen Alter in den Dominikanerorden ein, um den Verboten seines Vorgesetzten Cipriani vorzukommen.

Späte Anerkennung für Befreiungstheologie

Doch seit Franziskus in Rom amtet, hat sich das Blatt für die Theologie der Befreiung gewendet. So war Gustavo Gutiérrez Hauptredner bei der Generalversammluing von Caritas International in Rom im Mai diesen Jahres. Trotz  seiner 86 Jahre war er ein sehr luzider Gesprächspartner in einem Auftrit, der  von der römischen Presse als „historisch“ bezeichnet wurde.
Vatikanpolitisch war interessant, dass Gutiérrez vom honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez begleitet wurde; Rodríguez gehört zum engsten Beraterstab von Papst Franziskus. Mit Papst Franziskus, so Gutierrez, sei die Kernbotschaft der Theologie der Befreiung ins Zentrum der Kirche gerückt. Dabei machte er klar: Die Option für die Armen ist ohne Gerechtigkeit nicht vollständig.

Kardinal Ciprianis Ansehen im freien Fall ?

Verschiedene Medien in Peru brachten den Knüller: Die Erzdiözese Lima besitzt Unternehmens- Aktien. Und nicht bei irgendeinem Unternehmen, sondern ausgerechnet beim umstrittenen Bergwerksunternehmen Yanacocha, bzw. beim peruanischen Miteigentümer Buenaventura.

Diese Tatsache legt folgende Überlegung nahe: hat Kardinal Cipriani (Opus Dei) bisher deshalb so vehement gegen die Kritiker der Bergwerksunternehmen gepredigt, weil seine Diözese dort ihr Geld angelegt hat?
Kardinal Cipriani benutzte seine wöchentliche Radiosendung „Dialoge des Glaubens“, um sich gegen die Angriffe der Medien zu wehren. Es gäbe viele ausländische Nichtregierungsorganisationen, so Cipriani, die Peru Schaden zufügen würden.Die Situation im Bergbausektor sei sehr komplex .

Viele sehen in den Aussagen des Kardinals zugunsten der Bergbauunternehmen einenWiderspruch zur jüngsten Enzyklika des Papstes. Dort fordert Papst Franziskus die Kirche zum Einsatz für Umweltschutz und Gerechtigkeit auf. Sinngemäß entgegnete Kardinal Cipriani, dass dies eine Meinung des Hl. Vaters aus Rom sei und, dass zuerst die Freiheit stürbe, wenn Hetzkampagnen gegen die katholische Kirche gefahren würden.  Mit Hetzkampagnen meinte er die Recherchen der Journalisten, wo die Diözese ihr Geld angelegt hatte.

(Quellen: Luis Jaime Cisneros: Cipriani como actor politico (IEP), Laura Grados in diario 16 vom 15.6.15 und andere,
Zusammenfassung und Übersetzung: Heinz Schulze)

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