„Ziemlich viel Müll hier auf den Straßen…,“ bemerke ich nebensächlich. Mein Taxifahrer nickt. Eben erst hat er von einem Teil meines Fahrgeldes aus dem Wagen heraus von einem Straßenverkäufer einen dieser Duftbäume mit Zitronenaroma gekauft, die man sich an den Rückspiegel hängt. Während er mir antwortet, schält er den Baum aus der Plastikverpackung: „Das kannst Du laut sagen. Nur im Zentrum ist es sauber, da haben die Stadtverwaltungen genügend Gelder, um mehrmals am Tag eine Putzkolonne durch die Straßen zu schicken. Hier in den Randbezirken kommen sie höchstens einmal am Tag. Klar, dass die es nicht schaffen, alles aufzusammeln.“ Während er mir das erzählt, wirft er, ohne es zu hinterfragen, die Verpackung besagten Duftbaumes aus dem Fenster. Meinen ziemlich verdutzten Blick scheint er nicht zu verstehen.

Oben beschriebene Szene ist alltäglich auf den Straßen der 10-Millionen-Metropole Lima. Hier ist es der Taxi-Fahrer, der seinen Müll zum Autofenster hinauswirft, dort das kleine Mädchen, das es ihm mit ihrem Bonbonpapier gleich tut. Es ist nahezu unmöglich, in Peru einzukaufen, ohne dabei Müll zu produzieren. Auf den Märkten bekommt gefühlt jeder Apfel seine eigene Tüte und in den Supermärkten sind Leute extra angestellt, um die Einkäufe nach dem Scannen in Plastiktüten zu verstauen. Da ist es tatsächlich eine Mühe, nicht aus Versehen hier und dort das eine oder andere Kilogramm Müll zu verursachen; denn oft ist alles bereits eingepackt, bevor man die Tüten ablehnen kann. Auch die tausende von Plastikflaschen, die oft neben dem Abfalleimer landen und bis in die Peripherien der Stadt getragen werden, tragen wenig zur Sauberkeit bei. Die Pazifikküste, an der Lima liegt, ist davon nicht ausgenommen. Dort türmen sich teilweise Müllberge auf; am Strand muss man aufpassen, nicht in Zigarettenstummel oder sogar Glasscherben zu treten.

Die Müllsituation in Lima ist dramatisch. Jährlich produziert die gesamte peruanische Bevölkerung schätzungsweise 18.000 Tonnen Müll, 8.500 davon gehen allein auf die Hauptstadt zurück. Bis 2025, schätzt die Weltbank, wird sich die Zahl auf voraussichtlich 36.000 Tonnen verdoppeln. Das Problem daran: In Peru werden nur etwa 15% der Abfälle recycelt, der Rest landet auf riesigen improvisierten Müllhalden, von denen viele nur mangelhaft darauf ausgelegt sind, entstehende Schadstoffe in Luft und Boden zu verhindern. Die ersten Stadtverwaltungen und Kommunen sind bereits aktiv geworden, indem sie große Mülldeponien – gewaltige Erdlöcher – ausheben, in denen der produzierte Müll gelagert werden kann. Diese nur temporäre Lösung hat wenigstens den Vorteil, dass die Belastung des Bodens dabei minimiert wird (mittels einer Membran wird das Versickern in den Boden verhindert). Langfristig müssen dennoch bessere Lösungen her, denn den Müll nur zu verstecken, ist keine Lösung.

Der Staat Peru hat 2016 mit dem „Plan Nacional de Gestión Integral de Residuos Sólidos“ einen Acht-Jahres-Plan entworfen, der neben einer Evaluation des Status quo auch konkret wird. Das Strategie-Paper des Umweltministeriums geht von Bewusstseinsschaffung und Prävention über Recycling und Forschung bis hin zu einem Partizipationskonzept für Bürger. Erst am 05.11. diesen Jahres hat die peruanische Regierung ein Dekret veröffentlicht, welches den verantwortungsvollen Umgang mit Plastikmüll bewirbt; damit ist ein erster rechtlicher Schritt gegen die Verwendung von Plastiktüten gegangen.

Neben den staatlichen Aktivitäten formieren sich die zivilen Akteure. So ist in den vergangenen Jahren ein Netzwerk aus NGOs und Umwelt-Unternehmen entstanden, welches gemeinsame Aktionen plant, um an Straßen, in Parks und auf Stränden aufzuräumen und Bewusstsein in der peruanischen Bevölkerung zu schaffen.
Eines dieser Unternehmen ist B-Green-Perú. Das Consulting Unternehmen hat sich auf „Green Marketing“ spezialisiert und berät Unternehmen, Universitäten und andere Institutionen in Sachen Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Mobilität, etc. Gemeinsam mit der NGO L.O.O.P. (Life out of Plastic) ist B-Green-Perú Organisator zahlreicher Müllsammelaktionen in Peru. Seit Anfang 2017 konnten bereits 14 Aktionen realisiert werden, von denen die größte im vergangenen September stattgefunden hat.

Anlässlich des International-Coastal-Cleanup-Day trafen sich mehr als dreißig peruanische Institutionen an einem Stück Strand nördlich von Lima, um einen Nachmittag lang gestrandeten und weggeworfenen Müll zu sammeln. Unterstützt wurde die Aktion von Toyota-Peru, einer peruanischen Supermarktkette und weiteren Unternehmen, die neben finanzieller Unterstützung mit freiwilligen Mitarbeitern zur Hilfe kamen.
Durch insgesamt 550 Freiwillige kamen innerhalb von nur zwei Stunden insgesamt 19 Tonnen Abfall zusammen; von Plastikflaschen, Verpackungen und Zigarettenstummeln bis hin zu Netzen und sonstigen Fischereiabfällen. Sämtliche Abfälle wurden sortiert und nach Möglichkeit fachgerecht entsorgt. Die nächste große Müllsammel-Aktion ist bereits für Ende März kommenden Jahres geplant.

Es bewegt sich also etwas. Vor allem in den letzten Jahren haben sich Netzwerke und Institutionen zusammengetan, die sich speziell dem Müllproblem Perus widmen: Plastic-Free-Perú, Life-out-of-Plastic, B-Green-Perú, HazlaportuPlaya und BasuraCero-Perú, um nur ein paar zu erwähnen. Eine Welle der Bewusstseinsbildung geht langsam aber stetig durch die peruanische Bevölkerung; und vor allem an Schulen und Universitäten wird versucht, ein Bewusstsein für den Umgang mit der Natur zu schaffen.

Leon Meyer zu Ermgassen

Quellen: http://www.wwf.org.pe/?uNewsID=328101 (18.11.2018), http://b-green.pe/ (18.11.2018).

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