Peru hat sich verpflichtet, die Amazonaswälder zu schützen und den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Der Aufschwung der Palmölproduktion im Amazonasgebiet schwächt jedoch diese Verpflichtung.Die Palmölproduktion wurde vom peruanischen Staat im Jahr 2000 zum nationalen Interesse erklärt. Dies hat das Interesse an großen Investitionen gesteigert, wie das Beispiel der Gruppe Romero und ihrer Unternehmen Palmas del Shanusi und Palmas del Oriente in den Amazonasregionen Loreto und San Martín zeigt.

Loreto, mit 32.451 Hektar Perus Region mit den meisten Wäldern (44%), ist vom Palmölanbau in großem Ausmaß betroffen. Der Anbau ist eine der Hauptursachen der Entwaldung. Allein die beiden genannten Unternehmen haben bis September 2015 16.800 Hektar Primärwald abgeholzt. Das ist nach Angaben des Projektes zur Überwachung des andinen Amazonasgebietes (MAAP) mehr als 3000mal das Gebiet der Großen Pyramide von Ägypten.

„Alles Lüge!“

Die Presseabteilung des Unternehmens Palmas de Shanusi erklärt, dass kein Primärwald abgeholzt worden sei, da dieser zu Beginn der Aktivitäten gar nicht mehr existiert habe; es handle sich um Gebiete, in die schon vorher eingegriffen worden sei. Dem widerspricht Eriberto Ruíz, der Vorsitzende der kleinbäuerlichen Dorfgemeinschaften von Cotoyacu, einer der betroffenen Ortschaften von Loreto: “Sie sind mit der Behauptung in das Gebiet eingedrungen, dass dies kein Wald sei, dass das Land schon bearbeitet worden sei. Das ist eine Lüge!”

Laut der Forstwirtin Dhaynée Orbegozo von der Umweltforschungsagentur EIA hat das Abholzen des Primärwaldes durch Palmas del Shanusi die Fruchtbarkeit des Bodens in Cotoyacu geschädigt. Denn der Wald diene als Schattenspender und Wasserspeicher, er garantiere das natürliche ökologische Gleichgewicht.
“Hier zu leben wird immer heißer, wir können jetzt nicht mehr lang auf dem Acker sein. Warum müssen wir verdursten, wo es hier soviel Wasser gibt”, klagt Ruíz.

Im vergangenen Juni gab der peruanische Rechnungshof (Controlaría de la República) einen Bericht heraus, der öffentlich machte, dass das Abholzen durch die Ausdehnung der Palmölplantagen in Loreto offenkundig zugenommen hat (zwischen 2006 und 2013 um 115%).

“Der Palmölanbau in Loreto wird gefördert, ohne dass der Prozess der Einteilung von ökologischen und ökonomischen Zonen und der territorialen Neuordnung abgeschlossen wäre und ohne dass Zonen identifiziert und festgelegt worden wären, in denen der Anbau erlaubt ist”, heißt es in dem Dokument.

Für die 200 Bewohner*innen Cotoyacus im Tal von Shanusi, 40 km von Yurimaguas entfernt, schränke der Plantagen-Anbau auch den Zugang zum Wasser für die eigene Hygiene und den Anbau für den Eigenbedarf ein.

Das Wasser wird auf eine Fläche von mehr als 7000 Hektar geleitet – 20mal die Fläche des Central Parks in New York. Diese Fläche hat die Regionalregierung von Loreto dem Unternehmen Palmas de Shanusi seit 2006 zugesprochen.

“Ein Kanal von 2000 Metern, der die Täler der Flüsse Yanayacu und Cotoyacu trockengelegt hat, schädigt die ländlichen Gemeinden”, beklagt Ruíz. Dagegen erklärt die Presseabteilung von Palmas del Shanusi, das Unternehmen brauche kein Wasser, da für die Bewässerung der Regen genutzt werde.

Was die Beeinträchtigung der Wasserversorgung durch Palmölplantagen angeht, erklärt das zur Gruppe Romero gehörende Unternehmen Gruppe Palmas auf seiner Website: “Die Verfügbarkeit von Wasser hängt von der Entwaldung ab oder davon, inwieweit der Boden der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, ohne Schutz durch eine Schatten spendende und Wasser speichernde Vegetationsschicht. Außerdem kommt es auf die Veränderungen in der Topografie an. Die Wasserspeicherung hängt vor allem von diesen beiden Faktoren ab und nicht davon, was angebaut wird.”

Gustavo Suárez de Freitas, Koordinator des Waldschutzprogramms im Umweltministerium, erklärt, dass die Schädigung der natürlichen Flussläufe darauf zurückzuführen sei, dass für den Anbau von Palmen oder jede andere Monokultur in großem Ausmaß Erdmassen bewegt werden. Dies beeinträchtige den natürlichen Wasserverlauf.

Der Fall Barranquita

Ganz ähnlich ist die Situation mit dem Unternehmen Palma del Oriente (Landwirtschaftliches Unternehmen Caynarachi AG) im Distrikt Barranquita an der Grenze zwischen den Regionen Loreto und San Martín. Der Firma wurde 2005 vom Landwirtschaftsministerium ein Gebiet von 3000 Hektar übergeben. Auch hier wurde laut MAAP Primärwald abgeholzt.

Die Aktivitäten des Unternehmens führten 2010 zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Der damalige Bürgermeister von Barranquita, César Soria, forderte die Vergabe des Gebiets an Palmas del Oriente für nichtig zu erklären, da die Feuchtgebiete um den Fluss Caynarachi betroffen seien.

Die Klage berief sich auf die Regionalverordnung Nr. 12 von 2006, die feststellt, dass das Gebiet für großflächige Landwirtschaft nicht geeignet ist. Dennoch wies das Verfassungsgericht die Klage ab, da die Umweltstudie vom Landwirtschaftsministerium bereits anerkannt worden war.

Katherine Riquero von der Umweltabteilung im Landwirtschaftsministerium sagte zu den beiden Fällen Palmas del Shanusi und Palmas del Oriente, dass “wir in Bezug auf die Gruppe Romero keine Sanktionen eingeleitet und keine Anzeige erhalten haben”. Trotzdem verklagte die Staatsanwaltschaft von Yurimaguas 2013 die Firma Palmas del Shanusi wegen Zerstörung natürlicher Ressourcen, weil sie 500 Hektar Primärwald (Regenwald) abgeholzt hatte.

Der Rechnungshof bestätigt, dass “technische und Gesetzeslücken in der Förderung des Palmölanbaus für einen Anstieg der Produktion in Loreto gesorgt haben. Die Palmölproduktion ist zu einer der Hauptursachen für die Entwaldung in dieser Region geworden.”

Laut dem Bericht “Entwaldung per Definition” von EIA, plant die Gruppe Romero vier neue Plantagen in Loreto: Tierra Blanca, Santa Catalina, Manití und Santa Cecilia, die im Falle einer Genehmigung weitere 23.000 Hektar Primärwald zerstören würden.

Die Förderung der Palmölproduktion durch den Staat steht im Widerspruch zum Ziel “null Abholzung” bis 2021.

“Peru hat sich 2009 ein Ziel gesetzt und danach handeln wir: Im Jahr 2021 soll es null Abholzung geben. Damit ist eine Nettobilanz gemeint – soviel, wie abgeholzt wird, wird wieder aufgeforstet”, erklärte im vergangenen November Umweltminister Manuel Pulgar Vidal.

Ebenso widerspreche diese Politik dem Abkommen zum Schutz des Amazonasgebietes, das der Staat 2014 beim Klimagipfel in New York für 300 Mio. US$ mit Norwegen abgeschlossen hat. Die ersten 5 Mio. US$ hat Peru bereits von Norwegen erhalten.

Laut Sachverständigenrat der UNO zum Klimawandel nimmt jeder Hektar Tropenwald 380 Tonnen Kohlenstoff auf. Wenn durch die beiden Firmen der Gruppe Romero 16.800 Hektar abgeholzt wurden, entspricht dies einem Kohlenstoffausstoß von insgesamt 6.384.000 Tonnen. Wo bleiben da die Verpflichtungen, die Peru mit der internationalen Gemeinschaft eingegangen ist?

Suárez de Freitas gibt an, dass eine der Vereinbarungen mit Norwegen die Umsetzung von Maßnahmen ist, mit denen die Gebiete ohne gesetzliche Einteilung in ökologische Zonen um die Hälfte reduziert werden sollen. Sie machen mehr als 45% des Landesfläche aus.

So könnten Fälle wie die von Cotoyacu oder Barranquita vermieden werden, in denen Land an Privatunternehmen vergeben wurde, obwohl es sich um Primärwälder handelte.

Mit der Umsetzung dieser Maßnahme soll nächstes Jahr begonnen werden. Hierfür wird ein Teil der 5 Mio. US$, die Peru erhalten hat, verwendet. Der Rest soll in weitere Maßnahmen zum Schutz des Amazonasgebietes investiert werden, wie zum Beispiel die “netto null Abholzung”, mit der bis 2021 Klimaneutralität erreicht werden soll: Durch den Schutz des Waldes soll mehr Kohlenstoff gespeichert werden als durch Abholzungen freigesetzt wird. “Heute verlieren wir sehr viel mehr als wir gewinnen”, sagt Suárez de Freitas. Cotoyacu und Barranquita sind der Beweis dafür.

Milton López Tarabochia

(Übersetzung: Annette Brox)

Der Artikel ist im Rahmen des Projektes „Junge Journalisten berichten aus dem Regenwald“ entstanden. Das Projekt wurde von Comunicaciones Aliadas und Infostelle Peru e.V. durchgeführt und vom BMZ finanziert.

Alle Reportagen in spanischer Sprache, sowie Fotos und weitere Informationen zum Projekt, findet man auf der Seite http://fronterasambientales.com/

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