Ananas, Weintrauben, Spargel, sogar Haifischflossen und Meerschweinchen: Perus Landwirtschaft spezialisiert sich immer mehr auf den Export ihrer Produkte.  Kommen dabei die Kleinbauern und die einheimische Nahrungssicherung zu kurz ? Ein Diskussionsbeitrag von Heinz Schulze
Die Diskussion ist nicht neu, eine einfache Lösung gibt es nicht. Aber für alle, die sich – nicht nur am Beispiel Peru – mit Fragen einer nachhaltigen, gerechten, zukunftsweisenden Entwicklung engagieren, ist das Thema von enormer Bedeutung. Am Beispiel Peru werden hier Aspekte pro und contra vorgestellt, mit teilweise vorsichtigen Kommentaren.
Einige Fakten:
Im April 2016 hat das – scheidende – peruanische Parlament noch das Gesetz zur Ernährungssicherheit beschlossen und dabei die wichtige Rolle der kleinbäuerlichen Landwirtschaft betont. Es ist wohl nicht zu erwarten, dass die nächste Regierung ab Juli 2016 das wirklich umsetzen wird.
Die GIZ setzt mit ihrem Programm GEOBUS – Global Business Exchange auf eine Stärkung des Exports.  Das Progamm wird von der GIZ in Peru, Kolumbien und Marokko durchgeführt. Es geht dabei um eine bessere Kooperation mit  kleinen und mittleren Unternehmen (PYMES in der spanischen Abkürzung). Das  Programm mit Trainings, Erarbeitung von Marktstrategien und Aquise neuer Märkte findet in Peru in Lima und Cusco statt – in Kooperation mit der peruanischen Handelskammer , der Vereinigung der Exporteure und der peruanischen Kommission für Exportförderung.
Zahlen, Zahlen…
Es ist Aufgabe der Regierung, aus Steuermitteln die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Eine Strategie dazu ist die effektive Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft u.a. durch technische Beratung, Agrarreform, Preispolitik und gerechte Preise für deren Erzeugnisse. Eine andere Strategie ist die Exportförderung und die Einfuhr von wichtigen Lebensmittel, mit der Gefahr der politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit. Die letzten Regierungen favorisierten den Anbau und Export agroindustrieller Produkte. Viel Geld wurde z.B. in die Bewässerung von Wüstenland an der nördlichen Küste gesteckt. Ein Beispiel ist  das Bewässerungsprojekt Olmos, in der nördlichen Küstenregion Lambayeque. Die peruanische Regierung hat  für die Bewässerung von 10 000 Hektar Wüstenland ca. 200 Millionen $ ausgegeben. Die ausführende Firma war das unter Korruptionsverdacht stehende  brasilianische Unternehmen Odebrecht. Ein Hektar  bewässertes Land kostete ca. 200.000 €.

Wofür?  Für den Export von landwirtschaftlichen Produkten wie Mangos und Avocados.  Offiziell heißt es, dass dadurch 3.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden, umgerechnet macht das  ca. 67.000 € pro (meist schlecht bezahltem) Arbeitsplatz. Kritiker des Agro-Export-Modells fragen, was man  mit 67.000 € pro kleinbäuerlichem Betrieb machen hätte können.
In den Augen derer, die die Exportstrategie befürworten, werden folgende Erfolgsbeispiele angeführt:

Die Fläche für Spargelanbau  ist in den letzten drei Jahren auf 26.000 Hektar angestiegen. Der Exportwert beträgt über 100 Mio. Dollar, so der Landwirtschaftsminister Juan Benites.  Er erwähnt allerdings nicht, dass das Trink-und Grundwasser in einigen Spargelregionen –  künstlich bewässerte Wüstenregionen –  immer weniger wird, dass die Arbeiter dank einer Sonderregelung wenig Rechte haben und schlecht beahlt werden, und dass  Besitzer grosse Agro-Exportfirmen (z.T. in nicht-peruanischer Hand) oder Investoren aus anderen Bereichen sind.
Peru ist inzwischen Welt-Export-Meister für die Macaknollen (in Deutschland  auch  als Veganes Viagra bezeichnet) und fünftgrößter Exporteur  weltweit von  Weintrauben. Das Exportvolumen der Maca betrug 2015 ca. 763 Tonnen mit einem Wert von ca. 6,6 Millionen Dollar. Hauptimporteure waren: Hong Kong (77%), China und Vietnam. Der Weintrauben-Export betrug ca. 308.000 Tonnen mit einem Wert von 690 Millionen Dollar, mit einer Exportsteigerung von 9% von 2014 auf 2015.
Der Anbau von Kakao wurde von 2014 auf 2015 lt. Landwirtschaftsminister Benites um ca. 14% gesteigert. Für Benites ist wichtig: Mit 85.000 Tonnen auf ca. 120.000 Hektar ist Peru drittgrößter Kakaoproduzent in Lateinamerika mit einem Exporterlös von 300 Millionen Dollar..

 Aguaymanto
Ernährungsexperten schwärmen geradezu von dieser Frucht, die mal Physalis, mal Golden Berries, mal Judenkirschen, Andenbeeren. Kapstachelbeeren, Inkapflaume etc. genannt werden. Sie beinhalten viel Eisen, Phosphor und das Provitamin A . Das wussten in Peru schon die alten Inka und Physalis wäre eine hervorragende Frucht für die peruanischen KonsumentInnen. Aber die Verantwortlichen von Sierra Exportadora schwärmen von den Zuwächsen beim Export. Der betrug zwischen 2013 auf 2015 161% und erreichte einen Erlös von 1,8 Millionen Dollar. Importländer sind u.a. die Niederlande, Deutschland, die USA, Kanada, Frankreich, etc. Produktionsregionen in Peru sind Cajamarca, Ancach, Junin, Ayacucho, Huancayo und Cusco.

 Haifischflossen
Wirklich transparent ist das peruanische Produktionsministerium nicht, wenn es um den Export von Haifischflossen geht. Bisher wurden die Rückenflossen der Haie abgetrennt, die Fische danach lebend ins Meer geworfen, wo sie elend verenden. Die Rückenflossen werden  nach Asien exportiert. In Peru dürfen jährlich immer noch, in der Zeit zwischen dem 11.3. bis 31.12. bis zu 482 Tonnen Haifischflossen „gefangen“ werden. Nun wird die peruanische Bevölkerung, etwas versteckt unter dgo@produce.gob.pe,  eingeladen, sich zu diesem Thema zu äußern und so auch  ein mögliches Verbot zu fordern

Ananas
Die staatliche Landwirtschaftsförderung Sierra Exportadora und Caritas Peru  fördern gezielt den Anbau von Ananas u.a. im zentralen Regenwald um Satipo.  Caritas setzt auf die Verarbeitung von Ananas zu Dosenkonversven, 20 Produzenten sollten auf 60 Hektar  6.000 Tonnen Ananas produzieren. Das geht nur mit hohem Pestizideinsatz.  Die neue Sorte „Pinha Golden“ wurde aus Costa Rica einführt.  Die Ananas aus Satipo soll auf dem peruanischen Markt verkauft werden, da der Export-Weltmeister Costa Rica bei den Kosten nicht zu schlagen ist. Aber auch für den peruanischen Markt bleibt das Problem, dass Ananas in Monokultur und unter hohem Pestizideinsatz extrem umweltschädlich ist.

Meerschweinchen -Cuyes for Exporteure
Der „Feiertagsbraten“ der Anden, el cuy – das Meerschweinchen,  steht nun auch wohl für den Export auf der Liste. Zumindest wenn es nach dem Kleintierprogramm der staatlichen Landwirtschaftsanstalt INIA geht. Deren Direktorin Lilia Chauca Francia berichtet, dass sie vermehrt Anfragen aus Ekuador, Kolumbien,und sogar Ländern wie Kamerun und Kongo erhalten nach peruanischen Meerschweinchen.  Peruanische Meerschweinchen, so Lilia Chauca, seien besonders fruchtbar und erreichten in kurzer Zeit gutes Fleisch.  Einen besonderen Beitrag zur Völkerverständigung würden die Rassen Inti und Internacional leisten.

Über das Problem des Exports der Quinua wird an dieser Stelle nicht mehr eingegangen, weil öfter schon in den InfoPeru vorgestellt.
Es gibt kein klares Fazit. Die Diskussion muss weitergehen und  sollte sich von folgenden Fragen leiten lassen:  Wann ist der Anbau für den Export sinnvoll,  warum und für wen ? Wer profitiert am meisten und wer gar nicht von der Ausrichtung auf den Export ? Welche Gefahren sind damit verbunden ? Und welche Alternativen zur Exportausrichtung gibt es ?

Eine Diskussion in Infoperu wäre prima. Diskussionsbeiträge können gleich anschliessend als Kommentar hinterlassen werden.

Heinz Schulze

 

Quellen: inforegion 12.5.16, Peruanisches Landwirtschaftsministerium, 24.4.2016, Peru21, 1.6.16, inforegion, 10.5.16, Radio Satipo, 7.6.16, inforegion, 10.5.16, INIA, 22.4.16)

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